Formel 1

Hamilton in Sorge um Red Bulls Geheimniskrämerei

Das sagen die Top-Teams vor dem Start in Melbourne. Lewis Hamilton beobachtet Red Bull, Max Verstappen wiegelt ab, Sebastian Vettel lobpreist Mercedes.
von Robert Seiwert
Expertengespräch: So stark sind Bottas und Räikkönen 2017: (05:22 Min.)

Am Sonntag steigt das erste Rennen der Formel-1-Saison 2017 - doch die Top-Teams drücken sich weiter kollektiv vor der Favoritenrolle. War in den letzten Jahren Mercedes stets mit breiter Brust aufgetreten, geben sich die Silberpfeile in Folge der neuen Autos und Regeln eher scheu. Selbst Lewis Hamilton wollte das eigene Team nicht an die Spitze der Hackordnung heben. Warum auch, schließlich sei Ferrari bei den Testfahrten das schnellste Team gewesen.

"Du kannst die Zeiten ja messen und deshalb glaube ich - und das solltet ihr alle glauben - dass sie im Moment die Schnellsten sind", sagte Hamilton mit Blick auf Ferrari. "Ich war nicht mal nah an ihrer Zeit dran. Wir hatten aber auch ein paar Probleme, ein paar Dinge hätten besser laufen können." Tatsächlich fuhr Kimi Räikkönen in Barcelona in einer eigenen Liga. Dem Ferrari-Piloten gelang es als einzigem aller Fahrer, die 1:19er-Marke zu knacken.

Vettel warnt vor Täuschung

Hamilton war in der Test-Zeitentabelle hingegen weit abgeschlagen. Im Verlauf der achttägigen Testfahrten fehlten dem Briten rund sieben Zehntelsekunden zu Räikkönens Spitzenzeit. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass Mercedes die Karten noch längst nicht auf den Tisch gelegt hat - sondern nur, dass es insgesamt enger zugehen wird zwischen den Silberpfeilen und Ferrari. "Mercedes ist immer noch die Messlatte", versicherte Sebastian Vettel in Melbourne. "Man darf sich nicht täuschen lassen. Die Zeiten bei den Tests kann man sehr stark beeinflussen."

Die Zeiten bei den Tests kann man sehr stark beeinflussen.
Sebastian Vettel

Trotz der umfassenden Regeländerungen bleibt Mercedes für Vettel der große Favorit, namentlich Lewis Hamilton. Für den Rest des Feldes sei Aufholen angesagt, meinte der vierfache Weltmeister. Vettels Dominanz mit Red Bull wurde 2014 durch die Einführung der Power Units gestoppt - droht Mercedes nun das gleiche Schicksal? Kein Geheimnis, dass neue Regeln in der Formel 1 oftmals dazu dienen sollen, das dominierende Team einzubremsen.

Hamilton plante immerhin, kein zweites Red Bull zu werden. "Soweit ich mich erinnern kann, hat noch nie ein Team nach Regeländerungen hintereinander gewonnen", sagte er. "Also muss das unser Ziel sein als Team. Wir sind hier um zu gewinnen und etwas zu schaffen, was vorher noch niemandem gelungen ist." Da war es dann doch wieder, das unerschütterliche Selbstvertrauen des Lewis Hamilton.

Wissenswertes über den F1-Australien GP: (01:07 Min.)

Hamilton warnt vor Red Bull

Er könnte es dieses Jahr mehr benötigen als je zuvor. In den vergangenen Jahren war sein einziger ernstzunehmender Gegner Teamkollege Nico Rosberg, der sich mit dem WM-Titel in den Ruhestand verabschiedet hat. In der anstehenden Saison könnten es endlich wieder Teams sein, die sich Hamilton und den Silberpfeilen in den Weg stellen. Neben der offensichtlichen Wahl Ferrari bleibt Red Bull eine kleine Wundertüte. Bei den Testfahrten fuhren Daniel Ricciardo und Max Verstappen im Schatten der Konkurrenz - ab dem ersten Rennen in Melbourne könnte sich das ändern.

Hamilton war sicher, dass Red Bull samt Designgenie Adrian Newey noch so einiges in der Pipeline hat. "Ich bin sehr gespannt, was Red Bull bringt", sagte Hamilton. "Bei den Tests waren sie im Vergleich zu Ferrari recht weit hinten. Ich habe nicht gesehen, dass sie viele sichtbare Updates gebracht haben. Also nehme ich an, dass sie für Melbourne etwas im Gepäck haben." Die Zuschauer würde es freuen, waren die Jahre der völligen Mercedes-Dominanz schließlich nicht immer spannend.

Highlights der Australien GPs: (01:21 Min.)

Verstappen: Bleibt alles beim Alten

"Ich würde sagen, dass wir immer noch hinter Mercedes und Ferrari liegen", wiegelte Max Verstappen ab. "Das kann man sehr deutlich sehen. Die Motoren sind immer noch sehr unterschiedlich, was die Leistung angeht. Ich erwarte keine neue Hackordnung."

Teamkollege Daniel Ricciardo würde sich gegen etwas Abwechslung an der Spitze nicht wehren: "Als Red Bull vor ein paar Jahren dominiert hat, wollten alle einen anderen Sieger sehen. Das ist normal, Menschen mögen Veränderungen. Und wir Fahrer, die nicht in einem Mercedes sitzen, wünschen uns auch Abwechslung. Je mehr Autos um den Sieg fahren, desto spannender wird es doch."

Ricciardo glaubte sogar, dass es für Favorit Hamilton erfüllender sei, gegen eine größere Anzahl Gegner zu kämpfen. Damit behielt der Australier Recht, denn Hamilton bestätigte: "Da hat Daniel Recht. Beim Racing geht es doch darum, mehr Teams und mehr Fahrer zu haben, die um die Spitze kämpfen. Ich hoffe sehr, dass das der Fall sein wird." Ob er das auch noch sagen wird, wenn Ferrari tatsächlich an seine Test-Form anknüpft und Red Bull die Wunderwaffe auspackt?


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