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Formel 1 - Mega-Transfertag in der F1: Die Folgen

Bottas, Massa und Wehrlein im Fokus

Mit der Entscheidung von Mercedes, Valtteri Bottas zu verpflichten, wurde eine Kettenreaktion ausgelöst. Die Antworten zum Mega-Transfertag.
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Motorsport-Magazin.com - Das Puzzle des Formel-1-Fahrerfeldes für die Saison 2017 hat sich zusammengefügt. Mercedes engagiert Valtteri Bottas als Nachfolger von Weltmeister Nico Rosberg, Williams holt daraufhin Felipe Massa aus der Rente zurück, während Pascal Wehrlein zu Sauber wechselt. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen des Mega-Transfertages in der F1.

Warum hat sich Mercedes für Bottas entschieden?

Valtteri Bottas oder Pascal Wehrlein - die Nachfolge von Nico Rosberg beschränkte sich bald auf diese beiden Kandidaten. Letztlich entschied sich Mercedes für die Erfahrung und gegen die Jugend und setzt 2017 auf Bottas. "Nicos Entscheidung im Dezember war eine riesige Überraschung und ganz gewiss eine herausfordernde Situation, der sich das Team stellen musste", gibt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zu.

Wir haben vollstes Vertrauen in Valtteris Fähigkeiten
Toto Wolff

Auf Rosbergs überraschenden Rücktritt folgten sechs Wochen eingehender Auswertungen, Überlegungen und Verhandlungen, mit dem Ergebnis, dass Bottas der am besten geeignete Kandidat für das vakante Mercedes-Cockpit ist. "Wir haben vollstes Vertrauen in Valtteris Fähigkeiten. Das ist einer der Gründe dafür, warum wir ihn in diesem Winter überhaupt in Betracht gezogen haben", betont Wolff, der praktischerweise bis zuletzt der Manager des Finnen war, diese Funktion nun aber zurückgelegt hat.

Sowohl Bottas als auch Wehrlein sind mit Mercedes bestens vertraut. Wehrlein fungierte zuletzt als Testfahrer und drehte zahlreiche Kilometer mit dem Silberpfeil, während Bottas den Mercedes-Motor aus seiner Zeit bei Williams kennt. Für Bottas spricht zusätzlich, dass er bereits 77 Grand-Prix-Starts, bei denen er neun Mal den Sprung auf das Podium schaffte, auf dem Buckel hat, wohingegen Wehrlein gerade erst seine Debüt-Saison mit Manor hinter sich gebracht hat.

Valtteri Bottas in der Formel 1:

Saison Team Rennen Siege Podien Punkte WM-Position
2013 Williams 19 0 0 4 17.
2014 Williams 19 0 6 186 4.
2015 Williams 18 0 2 136 5.
2016 Williams 21 0 1 85 8.

"Valtteri ist ein bodenständiger Junge: Er ist überhaupt nicht abgehoben, unkompliziert und voll konzentriert. Er ist ziemlich finnisch halt und er passt perfekt zu uns", ist Wolff überzeugt, dass Mercedes die richtige Wahl getroffen hat. "Nun ist die Zeit für die nächste Stufe gekommen. Jetzt werden wir sehen, ob er mit der Herausforderung wachsen und um Rennsiege sowie Weltmeisterschaften mitkämpfen kann."

Wie lange Bottas' Vertrag läuft, wurde nicht bekanntgegeben. Nachdem Lewis Hamiltons Kontrakt mit den Silberpfeilen mit Ende der Saison 2018 ausläuft, liegt es jedoch durchaus nahe, dass der Finne vorerst nur für ein Jahr verpflichtet wurde, um sich zu beweisen. Mercedes trachtet in der Regel danach, dass die Verträge beider Fahrer nicht im selben Jahr auslaufen, um größere Planungssicherheit zu haben. Schlägt Bottas nicht ein, könnte er zur Saison 2018 so problemlos durch Wehrlein ersetzt werden.

Valtteri Bottas: Das erste Interview als Mercedes-Werksfahrer: (05:30 Min.)

Warum holt Williams Massa aus der Rente zurück?

Sobald feststand, dass Valtteri Bottas ein ernsthafter Kandidat bei Mercedes ist, begannen Gespräche zwischen Williams und Felipe Massa, um den Ruhestand des Brasilianers zu verschieben. Eigentlich hatte Massa mit dem Ende der vergangenen Saison seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekanntgegeben und Williams als seinen Nachfolger den 18-jährigen Kanadier Lance Stroll verpflichtet.

Felipe Massas Abschied war nicht von langer Dauer - Foto: Sutton

Damals ging man in Grove allerdings noch davon aus, dass Bottas dem Team erhalten bleiben und Stroll vom erfahrenen Finnen lernen würde. Weil Williams nicht noch einen zweiten relativ unerfahrenen Piloten - etwa Pascal Wehrlein - verpflichten wollte, entschied man sich dazu, Massa aus der Rente zurückzuholen. Ebenfalls für Massa spricht, dass Team-Sponsor Martini mit Brasilianer werben kann - mit zwei Jungspunden wäre dies bei einem Alkoholproduzenten zumindest fragwürdig gewesen.

"Dass Felipe zurückkehrt, gibt uns Stabilität, Erfahrung und Talent, um vorwärts zu kommen. Er ist sehr wertvoll für uns", streicht Claire Williams Massas Bedeutung für das Team hervor. Und der Brasilianer, der 2017 ohnehin weiter Rennen fahren wollte, sagt: "Als mir die Chance angeboten wurde, Williams zu helfen, fühlte es sich richtig an."

Hier spricht Massa über sein F1-Comeback: (04:16 Min.)

Profitiert Williams vom Bottas-Abgang?

Williams hatte den Vertrag mit Bottas erst im Herbst erneuert, insofern liegt es nahe, dass das Team den Finnen nicht ohne eine Gegenleistung zu Mercedes ziehen hat lassen. Wahrscheinlich ist, dass es neben einer finanziellen Entschädigung darüber hinaus ein Entgegenkommen gibt, was die Personalie Paddy Lowe betrifft.

Wechselt Paddy Lowe zu Williams? - Foto: Sutton

Der Brite verabschiedete sich vor wenigen Tagen als Technischer Direktor von Mercedes und gilt als heißer Nachfolgekandidat von Pat Symonds, der kurz vor Weihnachten Williams verließ. Eigentlich müsste Lowe nun eine vorgeschriebene Abkühlphase (gardening leave) einlegen, ehe er bei einem anderen Team anheuert - es ist jedoch gut möglich, dass Mercedes ihm diese erlässt und Lowe einen fliegenden Wechsel zu Williams vollziehen kann.

"Natürlich ist jemand wie Paddy, der jetzt frei ist, interessant für uns", erklärte Claire Williams, die stellvertretende Teamchefin, am Wochenende gegenüber Sky Sports. "Er hat das Team zu drei Weltmeistertiteln in Serie geführt. Natürlich ist er jemand, der auf der Liste ganz oben steht, er wäre ein fantastischer Neuzugang. Er hat seine Karriere bei Williams begonnen, und welches Team hätte nicht gerne jemanden wie Paddy Lowe?"

Ebenfalls denkbar ist, dass Mercedes Williams einen preislichen Nachlass bei den Motoren gewährt. Das britische Traditionsteam bezieht seine Power Units seit 2014 aus Brackley und schaffte nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit mit Mercedes wieder den Anschluss an die Spitze der Formel 1.

Wie geht es für Wehrlein bei Sauber weiter?

Pascal Wehrlein ist auf den ersten Blick der Verlierer der Fahrerrochade. Der 22-Jährige hatte nach seinem guten Debüt-Jahr bei Manor gehofft, direkt zum Mercedes-Werksteam befördert zu werden, schlussendlich blieb für ihn jedoch nur Sauber. Verglichen mit Manor zwar auch ein Aufstieg, aber ein wesentlich kleinerer als es ein Wechsel zu Mercedes oder Williams gewesen wäre.

"Eine neue Herausforderung in einem neuen Team, die ich mit Spannung und großer Vorfreude erwarte", freut sich Wehrlein trotzdem auf seine neue Aufgabe. Denn auch ihm ist klar: Schlägt er sich bei Sauber gut, wird sein Weg über kurz oder lang zu Mercedes führen - entweder als Nachfolger von Valtteri Bottas oder von Lewis Hamilton.

Eine neue Herausforderung in einem neuen Team, die ich mit Spannung und großer Vorfreude erwarte
Pascal Wehrlein

"Pascal wird in Zukunft sicherlich weitere Karriere-Höhepunkte feiern können. Wir möchten ihm bei uns die Chance geben, sich weiterzuentwickeln und wertvolle Erfahrungen in der Königsklasse des Motorsports zu sammeln", rechnet Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn jedenfalls mit keinem allzu langen Verbleib ihres neuen Schützlings.

Für Toto Wolff steht ebenfalls fest, dass Sauber der richtige Zwischenschritt für Wehrlein ist. "Ich freue mich, dass Pascal für Sauber starten wird und dort seine Entwicklung in der F1 fortsetzen darf. Er hatte eine gute erste Saison mit Manor und wir glauben, dass dies der richtige Weg für ihn ist."

Mit Esteban Ocon hat Mercedes darüber hinaus ein weiteres vielversprechendes Talent nächste Saison bei Force India geparkt. Der Franzose war zuletzt Wehrleins Teamkollege bei Manor. "Es ist für uns besonders erfreulich, dass unsere beiden Nachwuchsfahrer sich in diesem Jahr neuen Herausforderungen in der F1 stellen können. Wir werden ihre Entwicklung genau verfolgen und ich bin davon überzeugt, dass uns eine spannende Saison erwartet", so Wolff.

Bleibt Rosberg dem Mercedes-Team erhalten?

Nico Rosberg bleibt Mercedes auch nach dem Ende seiner Formel-1-Karriere verbunden. Der Weltmeister konnte für 2017 als Botschafter des Teams gewonnen werden und wird in dieser Rolle erstmals am Dienstag gemeinsam mit seinem Ex-Teamkollegen Lewis Hamilton bei der Veranstaltung eines Teampartners in Genf auftreten.

Welche Cockpits sind jetzt noch frei?

Nach dem Mega-Transfertag sind nur noch zwei Cockpits frei, und zwar jene bei Manor. Ob das Team 2017 aber überhaupt an den Start gehen wird, steht derzeit noch in den Sternen, da die Finanzlage wieder einmal prekär ist und Manor jüngst Insolvenz anmelden musste. Sollte der Pleitegeier abgewendet werden können, werden jedenfalls Piloten mit einer dicken Brieftasche gute Chancen auf ein Cockpit haben.

Mit Fahrerverpflichtungen ist bei Manor aufgrund der ungewissen Situation so schnell allerdings wohl nicht zu rechnen. Die ersten Testfahrten der Saison beginnen am 27. Februar in Barcelona, der Saisonauftakt steht dann ein Monat später in Melbourne auf dem Programm. Geht das Team an den Start, müssen die personellen Entscheidungen bis spätestens dahin getroffen werden.

Das Fahrerfeld für die Formel-1-Saison 2017:

Team Fahrer 1 Fahrer 2
Mercedes Lewis Hamilton Valtteri Bottas
Red Bull Daniel Ricciardo Max Verstappen
Ferrari Sebastian Vettel Kimi Räikkönen
Force India Sergio Perez Esteban Ocon
Williams Felipe Massa Lance Stroll
McLaren Fernando Alonso Stoffel Vandoorne
Toro Rosso Carlos Sainz Daniil Kvyat
Haas Romain Grosjean Kevin Magnussen
Renault Nico Hülkenberg Jolyon Palmer
Sauber Marcus Ericsson Pascal Wehrlein
Manor

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