Formel 1

Vettel stellt sich blöd - Ferraris Russland-Offensive mit neuem Motor

Ferrari reist mit neuem Motor und neuen Teilen nach Russland. Wie viel Power bringen die Updates? So schätzt Sebastian Vettel seine Chance gegen Mercedes ein.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - "Ich weiß gar nicht, ob wir einen neuen Motor haben. Ich stell mich da jetzt einfach ein bisschen blöd." Sebastian Vettel war noch nie dafür bekannt, offen über technische Einzelheiten seiner Arbeitgeber zu plaudern. So auch in Sochi. Vor dem anstehenden Russland Grand Prix hielt sich der Ferrari-Star arg bedeckt, was die aktuelle Ausbaustufe der roten Renner aus Maranello angeht. Klar ist, dass die Scuderia an diesem Wochenende einen neuen Motor bringt. Angeblich soll das Team für den erhofften Fortschritt drei Tokens investiert haben - offiziell ist dies allerdings noch nicht.

"Für hier war es schon immer geplant, mit einem neuen Motor an den Start zu gehen", ließ sich Vettel lediglich entlocken. Was das neue Aggregat kann und ob es reicht, mit Mercedes um den Sieg zu kämpfen? Stillschweigen bei Vettel. Sicher ist nur, dass er bereits seinen dritten Motor in dieser Saison einsetzt. Motorschaden in Bahrain sei Dank. Vettel: "Da es zu einem Zeitpunkt passiert ist, als wir keinen anderen Motor hatten, mussten wir praktisch einen neuen einbauen."

Dieses Jahr dürfen die Formel-1-Teams nur fünfmal den Motor austauschen, bevor Platzstrafen drohen. Teamkollege Kimi Räikkönen setzt in Sochi die zweite Power Unit ein. "Es ist ein anderer Motor, ein neuer", bestätigte der Finne am Donnerstag im Fahrerlager. "Aber das ist ein normaler Prozess. Ob es einen gigantischen Unterschied macht, weiß ich nicht. Es ist einfach eine neue Spezifikation." Geheimniskrämerei bei Ferrari - zumindest solange, bis die FIA eine neue Liste mit der Anzahl der eingesetzten Token aller Teams herausgibt.

Token-Übersicht vor dem Russland GP

Hersteller Token benutzt Token übrig
Ferrari 23 9
Honda 18 14
Mercedes 19 13
Renault 7 25

Rätselraten beim Motor - mehr Klarheit bei anderen Updates. Ferrari ist mit einem neuen Frontflügel nach Russland gereist, um den Rückstand auf Mercedes zu verringern. Was auf den ersten Blick nach einer Großoffensive auf die Silberpfeile aussieht, relativierte Vettel. "Es ist ganz normal, dass man zu einem Rennen neuen Sachen bringt", sagte der vierfache Weltmeister. "In der Vergangenheit gab es so klassische Termine, wo man ein ganzes Paket gebracht hat. Heutzutage ist das mehr von Rennen zu Rennen, dass man immer was Neues dabei hat. Mal sieht man es, mal nicht."

Sonst würde man es nicht mitnehmen, dann würde es daheim in der Tonne liegen.
Vettel über Updates

Offen ist noch, ob der neue Flügel zunächst nur in den Trainings erprobt wird, oder schon im Rennen am Sonntag sein Debüt am SF16-H gibt. Natürlich erhofft sich Ferrari einen weiteren Fortschritt. Vettel: "Sonst würde man es nicht mitnehmen, dann würde es daheim in der Tonne liegen. Es gibt irgendeine Zahl, die der Computer ausspuckt. Es zählt aber auch viel, was man als Fahrer fühlt. Deshalb kann ich jetzt nicht hier sitzen und sagen: Ja, ein halbes Zehntel oder zwei Zehntel."

Sebastian Vettel gibt sich in Sochi eher zugeknöpft - Foto: Sutton

Dabei scheint Ferrari grundsätzlich zufrieden mit seinem 2016er Boliden. Zuletzt in China hätten Vettel und Räikkönen womöglich um den Sieg kämpfen können, hätte es zwischen beiden Piloten nicht früh geknallt. Das Team sehnt sich nach einem sauberen Rennen. Auch, um die eigene Stärke auf die Distanz besser einschätzen zu können. "Wir haben schon ein ziemlich gutes Paket", sagte Räikkönen. "Ich fahre zufrieden zu den Rennwochenenden. Aber dann gibt es all diese kleinen Details, die im Gesamtergebnis einen großen Unterschied machen."

Von außen sind die Erwartungen nicht so hoch wie von innen.
Sebastian Vettel

Vettel hoffte, dass Ferrari in Russland einen weiteren Schritt in Richtung Spitze machen kann. Dank Nico Rosbergs beeindruckender Siegesserie zum Saisonstart stehen die Chancen zumindest nicht besser, diesmal um den Titel kämpfen zu können. "Natürlich gibt es Druck, aber vor allem durch mich selbst", sagte Vettel. "Von außen sind die Erwartungen nicht so hoch wie von innen. Wenn du Zweiter in der WM wirst, willst du im Jahr danach das beste Team sein. Da würde doch keiner sagen: Platz 2 wollen wir noch mal erreichen."

Laut Vettel befinde sich Ferrari in einer besseren Position im Vergleich zum Vorjahr, das Auto gebe mehr Spielraum für Verbesserungen. Nur: Reicht das, um Rosberg und den Mercedes-Silberpfeilen wirklich den Rang abzulaufen?


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