Formel 1

Das Optimum oder nichts - Mercedes zeigt die neue Wunderwaffe für 2016

Der Mercedes F1 W07 Hybrid ist da! Mercedes setzt auf noch mehr Performance und Zuverlässigkeit. Ist das das Weltmeisterauto von 2016 und der neue Rekordjäger?
von Marion Rott

Motorsport-Magazin.com - Mercedes zeigt den neuen F1 W07 zum ersten Mal! Das Weltmeisterteam der Jahre 2014 und 2015 hat Studiobilder des neuen Boliden veröffentlicht, die Präsentation des Autos findet wie geplant am Montag um 08:15 Uhr in der Boxengasse des Circuit de Catalunya in Barcelona statt.

Wir streben überall nach dem Optimum.
Paddy Lowe

Der neue Dienstwagen von Nico Rosberg und Weltmeister Lewis Hamilton soll mindestens so erfolgreich wie sein Vorgänger werden. "Wir streben überall nach dem Optimum", bringt Executive Director Paddy Lowe die Ziele für 2016 auf den Punkt. Die Saison 2015 war mit 16 Siegen aus 19 Rennen sowie der Fahrer- und Team-WM zwar ein durschlagender Erfolg, aber die wenigen Ausrutscher wie in Singapur sitzen tief. Für den F1 W07 mussten die Schwächen identifiziert werden und Steigerungen erfolgen. Denn für Mercedes gibt es in der neuen Saison nur ein Ziel: Spitzenleistung in allen Bereichen.

Leistungssteigerung extrem schwierig

Nach einer Saison mit 32 von möglichen 38 Podiumsplätzen, 18 Pole Positions, 13 schnellsten Runden und 86 Prozent der möglichen Punkte wurde das Team mit Superlativen überhäuft. Diese Leistungen nochmals zu steigern war über den Winter das Ziel - keine einfache Aufgabe, da das Reglement größtenteils stabil geblieben ist. "Während das Auto von außen also seinem Vorgänger sehr ähneln mag, was ein stabiles Reglement eben mit sich bringt, gibt es unter der Haube ziemlich viele Mini-Revolutionen, die zu einer Gesamt-Evolution für die neue Saison führen", verrät Lowe.

Wir arbeiten stetig an jedem einzelnen Teil des Puzzles, um die Performance an der Kurbelwelle zu steigern.
Andy Cowell

Eine der größten Möglichkeiten für Mercedes, um noch mehr Performance zu generieren, war eine weitere Steigerung der Effizienz in allen Bereichen der Power Unit. "Wir arbeiten stetig an jedem einzelnen Teil des Puzzles, um die Performance an der Kurbelwelle zu steigern und gleichzeitig sicherzustellen, dass wir nicht die gleichen Zuverlässigkeit-Probleme wie im vergangenen Jahr erleben", erklärt Mercedes-Motorenchef Andy Cowell zu der Entwicklungsarbeit für den Mercedes F1 W07. Dabei ging das Weltmeisterteam in drei Schritten vor: Ursachenfindung, den gesamten Prozess auf solide Beine stellen und dabei so viel Performance wie möglich herausholen.

Fast in Fotoqualität: Mercedes zeichnet den F1 W07: (03:12 Min.)

Dank 32 Tokens, die den Teams über den Winter und in der neuen Saison zur Verfügung stehen, musste sich Mercedes nicht auf bestimmte Bereiche beschränken. "Alles, was eine vernünftige Effizienz-Steigerung - und damit eine vernünftige Performance-Steigerung - mit sich bringen könnte, wurde von uns erforscht", verrät Cowell. Während der Testfahrten wird nun bei Mercedes daran gearbeitet, das ganze System für den Auftakt in Melbourne und die restliche Saison zuverlässig zu machen.

Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass jede Power Unit mindestens fünf Rennen hält.
Andy Cowell

Das Thema Zuverlässigkeit begleitete die Mannschaft aber selbstverständlich über die gesamte Entwicklung. Denn obwohl in der Saison 2016 durch die gestiegene Anzahl von Rennen auch mehr als vier Power Units erlaubt sind, hält das Weltmeisterteam an seinen ursprünglichen Planungen fest. "Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass jede Power Unit mindestens fünf Rennen hält", so Cowell. Damit hofft Mercedes auf einen Joker. Er soll entweder bei Zuverlässigkeitsproblemen oder bei Schlüsselrennen zur Performance-Verbesserung eingesetzt werden.

Mercedes: Der Film zum Filmtag: (01:04 Min.)

Mehr Mercedes-Sound

Äußerlich fallen die Änderungen des neuen Mercedes-Boliden gering aus. Auf mechanischer Seite gilt die Teilung des Auspuffendrohrs und des Waste-Gates als größte Regeländerung. Damit soll die Lautstärke der Boliden an der Strecke und vor dem TV erhöht werden. Das Waste-Gate mündete bisher im Auspuffendrohr. War es geschlossen, entstand eine Sackgasse, die als Schalldämpfer wirkte. Die Lösung dieses Problems wurde für 2016 angestrebt und Mercedes-Motorenchef Cowell ist zumindest für den Mercedes F1 W07 optimistisch. "Dieses Design wurde nun entfernt, sodass wir ein schönes, sauberes Rohr ohne schalldämpfende Punkte erhalten haben. Das sollte die Lautstärke der Power Unit erhöhen."

Die zweite optische Veränderung ist die Struktur des Chassis, wie Executive Director Paddy Lowe schildert. "Wir haben den Fahrerschutz um 20 mm angehoben und die Stärke des seitlichen Crash-Tests von 15 auf 50 kN erhöht. Das ist eine deutliche Erhöhung der wirkenden Kräfte, die an dieser Stelle vom Chassis absorbiert werden müssen. Das sorgt aber für einen viel besseren Schutz des Fahrers."

Cowell: Diese Power Units sind unglaubliche Ingenieursleistungen: (04:32 Min.)

Wenig Zeit vor dem ersten Rennen

Direkt nach der Präsentation in der Boxengasse am Montag beginnt das Team bei den Testfahrten, den Mercedes F1W07 auf Herz und Nieren zu prüfen. Sollten hier Probleme auftreten, sind die Teams aber vor eine besondere Herausforderung gestellt.

Zwischen dem Beginn der ersten Testwoche und dem Saisonauftakt liegen exakt 25 Tage. Im vergangenen Jahr, als noch drei Testphasen zur Verfügung standen, waren es hingegen 41 Tage. Die Möglichkeiten für Veränderungen sind entsprechend gesunken. "Dieses Fenster ist nun sehr klein, was die Anzahl möglicher Updates vor dem ersten Rennwochenende einschränkt", erklärt Lowe. Davon lässt sich das Weltmeisterteam aber nicht abschrecken. Ob 41 oder 25 Tage, das Saisonziel bleibt gleich: Das Streben nach dem Optimum.

Mercedes-Benz F1 W07 Hybrid Technische Daten

Fahrwerk
Bauart: Kohlefaser und Waben-Kompositstruktur
Karosserie: Kohlefaser, inklusive Motorabdeckung, Seitenkästen, Unterboden, Nase, Frontflügel und Heckflügel
Cockpit: Entfernbarer Fahrersitz aus anatomisch geformter Kohlefaser, Sabelt Sechs-Punkt-Sicherheitsgurt, HANS-System
Sicherheitsstrukturen: Cockpit-Überlebenszelle mit Aufprall- und Eindringungsschutz, vordere Crash-Struktur, vorgeschriebene seitliche Crash-Strukturen, integrierte hintere Crash-Struktur, Überrollbügel vorne und hinten
Vorderradaufhängung: Kohlefaser-Querlenker und Torsionsfedern (Schubstreben) und Kipphebel
Hinterradaufhängung: Kohlefaser-Querlenker und Torsionsfedern (Zugstreben) und Kipphebel
Räder: Advanti geschmiedetes Magnesium
Reifen: Pirelli
Bremssystem: Carbon / Carbon Bremsscheiben und -Beläge mit "brake-by-wire" (hinten)
Bremszangen: Brembo
Lenkung: Servounterstützte Zahnstange und Getriebeanordnung
Lenkrad: Kohlefaserkonstruktion
Elektronik: ECU nach FIA-Standard, Elektroniksystem und Elektrik mit FIA-Zulassung
Ausstattung: McLaren Electronic Systems (MES)
Benzinsystem: ATL mit Kevlar verstärkter Gummiblase
Lubricants & Fluids: PETRONAS Tutela

Kraftübertragung
Getriebe: Acht Vorwärtsgänge, ein Rückwärtsgang, Kohlefaser-Getriebegehäuse
Schaltung: Sequenzielle Halbautomatik mit hydraulischer Aktivierung
Kupplung: Carbonplatte

Abmessungen
Gesamtlänge: 5.000 mm
Gesamtbreite: 1.800 mm
Gesamthöhe: 950 mm
Gesamtgewicht: 702 kg

Mercedes-Benz PU106C Hybrid Technische Daten

Power Unit Spezifikationen
Type: Mercedes-Benz PU106C Hybrid
Mindestgewicht: 145 kg
Umfang der Power Unit: Verbrennungsmotor (ICE)
Motor-Generator-Einheit - Kinetisch (MGU-K)
Motor-Generator-Einheit - Hitze (MGU-H)
Energiespeicher (ES)
Turbolader (TC)
Kontroll-Elektronik (CE)
Power Unit Zuteilung: Vier Power Units pro Fahrer und Saison (erhöht sich auf fünf, wenn der Kalender mehr als 20 Rennen beinhaltet)

Verbrennungsmotor (ICE)
Hubraum: 1,6 Liter
Zylinder: Sechs
Zylinderbankwinkel: 90
Anzahl Ventile: 24
Max. Drehzahl ICE: 15.000 U/Min.
Max. Benzindurchfluss: 100 kg/Stunde (über 10.500 U/Min.)
Benzineinspritzung: Hochdruck-Direkteinspritzung (max. 500 bar, eine Einspritzdüse/Zylinder)
Aufladung: einstufiger Kompressor und Abgasturbine an einer gemeinsamen Welle
Max. Drehzahl Abgasturbine: 125.000 U/Min.

Energierückgewinnungssystem (ERS)
Bauart: Integrierte Hybrid Energierückgewinnung mittels einer elektrischen Motor-Generator-Einheit
Energiespeicher: Lithium-Ionen Batterie-Lösung, 20 kg (vom Reglement vorgeschrieben)
Max. Energiespeicher/Runde: 4 MJ
Max. Drehzahl MGU-K: 50.000 U/Min.
Max. Leistung MGU-K: 120 kW (161 PS)
Max. Energierückgew./Runde MGU-K: 2 MJ
Max. Energieabgabe/Runde MGU-K: 4 MJ (33,3 Sek. bei voller Leistung)
Max. Drehzahl MGU-H: 125.000 U/Min.
Max. Leistung MGU-H: unbegrenzt
Max. Energierückgew./Runde MGU-H: unbegrenzt
Max. Energieabgabe/Runde MGU-H: unbegrenzt

Benzin & Schmiermittel
Kraftstoff: PETRONAS Primax
Schmierstoffe: PETRONAS Syntium

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