Formel 1

Von Arbeitsteams, Budgetfragen und Unterstützung der Konkurrenz - Die Hintergründe des Renault-Comebacks

Mit der Bestätigung des Formel-1-Comebacks sorgte Renault für positive Schlagzeilen. Doch der Weg bis dahin war sehr lang und beschwerlich.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Nach langem Hängen und Würgen war es am 3. Dezember endlich Gewissheit: Renault kehrt als Werksteam in die Formel 1 zurück und übernimmt das Lotus-Team, das 2010 aus den Resten Renaults hervor ging. "Renault hatte zwei Optionen: Zu 100% zurückzukommen oder zu gehen", erklärte Renault-CEO Carlos Ghosn damals in einer Pressemitteilung. "Nach einer detaillierten Untersuchung habe ich beschlossen, dass Renault in der Formel 1 sein wird, beginnend mit 2016."

Doch die Zeit bis zur endgültigen Verkündung verkam für das Lotus-Team zur Zitterpartie. Die Übernahme-Gerüchte schwebten schon während der gesamten Saison 2015 über dem Team. Erst im September folgte der erste Schritt durch die Unterzeichnung einer Absichtserklärung. Dass sich Renault Zeit lassen, und alle Optionen sorgfältig prüfen würde, das bestätigte nun der Vorsitzende von Renault Sport, Jérôme Stoll, in einem Exklusiv-Interview mit dem französischen Formel-1-Reporter Jean-Louis Moncet auf dessen Blog.

Renault-CEO Carlos Ghosn hatte die Wahl: Ausstieg oder verstärktes Engagement - Foto: Sutton

Renault: Ursprünglich vier Optionen

Stoll offenbart, dass es für ein weiteres Renault-Engagement in der Königsklasse gar vier, und nicht nur zwei Optionen gab, wie Ghosn in der Pressemitteilung erklärte: "Wir hatten ursprünglich vier Möglichkeiten. Erstens: Motorenhersteller bleiben. Aber hier war der Marketing-Ertrag nicht gut. Zweitens: Werbefläche auf einem Auto kaufen. Das haben andere Hersteller gemacht, nicht unbedingt mit dem erhofften Erfolg und auf jeden Fall nicht mit Verbindungen zu ihren Aktivitäten." Daher schieden diese beiden Möglichkeiten schon sehr bald für Renault aus.

Aufzuhören ist einfach, da genügt es, wenn man sagt: 'Okay, wir steigen aus.'
Jérôme Stoll, Vorsitzender Renault Sport

"Also blieben noch zwei Optionen übrig", erzählt Stoll weiter, "entweder der vollständige Rückzug, oder als Big Player zu bleiben." Die Entscheidung machte man sich bei Renault nicht leicht, doch glaubt man Stoll, war die Tendenz zu einem Verbleib schon beim Handeln des französischen Herstellers zu erkennen: "Aufzuhören ist einfach, da genügt es, wenn man sagt: 'Okay, wir steigen aus.' Aber wenn wir in der Formel 1 bleiben, was werden wir dann tun? Cyril Abiteboul hat eine Arbeitsgruppe geschaffen, die sich häufig abends oder sogar mitten in der Nacht getroffen hat, um die Möglichkeiten zu sondieren."

Renault macht kein zusätzliches Geld locker - Foto: Renault Sport F1

Keine Budgeterhöhung bei Renault

Dafür scheuten die Franzosen weder Kosten noch Mühen, wie Stoll weiter ausführt: "Wir haben Beobachter entsandt, wir haben diskutiert. Wir wollten die beste Lösung finden und haben am bestmöglichen Szenario mehr als sechs Monate lang gefeilt. Was mir am wichtigsten erschien, war, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Wir mussten mit einer vollständigen Studie vor Carlos Ghosn erscheinen." Diese eingangs schon erwähnte Untersuchung überzeugte Ghosn letztlich davon, den Daumen für ein ausgeweitetes Formel-1-Engagement zu heben. Die endgültige Entscheidung wurde laut Stoll am Sonntag des Abu-Dhabi-GP getroffen.

Als Motorenlieferant hat man keine Gewinne. Keine Sponsoren. Keine FOM-Rechte. Keine Kooperationen.
Jérôme Stoll, Vorsitzender Renault Sport

Doch Werksteam hin oder her - am Budget soll sich bei Renault nichts ändern. "Wir wollen nicht mehr Geld ausgeben. Auf keinen Fall. Das, was wir jetzt als Motorenhersteller ausgeben, ist schon an der oberen Grenze", gibt Stoll zu Bedenken. Stattdessen möchten die Franzosen die künftigen Einnahmen mitberücksichtigen: "Als Motorenlieferant hat man keine Gewinne. Keine Sponsoren. Keine FOM-Rechte. Keine Kooperationen. Aber als Team hat man zu all dem Zugang, und genau das wollen wir maximieren."

Andere Hersteller wie Mercedes versuchten, Renault vom Comeback zu überzeugen - Foto: Sutton

Werben der anderen Hersteller war ein wichtiges Zeichen

Es gab in all diesen Monaten und auch heute noch das Leitmotiv: Renault muss zurückkehren!
Jérôme Stoll, Vorsitzender Renault Sport

Nicht zuletzt wurde der Wiedereinstieg dadurch schmackhaft gemacht, indem sich die bereits in der Formel 1 engagierten Hersteller für Renaults werksseitige Rückkehr stark gemacht haben. "Wir waren in einem permanenten Dialog mit Mercedes, wir hatten viele gemeinsame Projekte", gibt Stoll zu. "Was uns und unseren Präsidenten interessiert hat, war, dass die Akteure in der Formel 1 wie Mercedes und Ferrari uns wieder in die Formel 1 locken wollten. Es gab in all diesen Monaten und auch heute noch das Leitmotiv: Renault muss zurückkehren!", zeigt sich Stoll beeindruckt.

Ein Umstand, der den Verantwortlichen natürlich schmeichelt: "Diese Anerkennung hat uns die Bestätigung gegeben, dass Renault zweifellos seinen Platz als Player, seine Legitimität, seine Daseinsberechtigung, seine Vergangenheit in der Formel 1 besitzt", lobt Stoll weiter. Und die Vergangenheit brachte viele großartige Erfolge für Renault hervor, wie die vier Fahrer- und Konstrukteurstitel in Folge mit Red Bull Racing und Sebastian Vettel von 2010 bis 2013. Auch in den 90er-Jahren waren Autos mit Renault-Triebwerken über Jahre hinweg kaum zu schlagen. Nicht zu vergessen: Fernando Alonso errang seine beiden WM-Titel 2005 und 2006 am Steuer eines Werks-Renault.


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