Mercedes fuhr zum Auftakt des Brasilien Grand Prix einmal mehr in seiner eigenen Welt – nur setzte Nico Rosberg diesmal noch einen drauf. Im 2. Training am Freitag nahm er seinem Teamkollegen Lewis Hamilton ganze 0,458 Sekunden ab. Der Weltmeister musste sich mit einem deutlichen Rückstand auf Rosberg mit dem zweiten Platz in der Zeitentabelle zufriedengeben. Ob da alles mit rechten Dingen zuging?

Rosberg selbst war es, der den riesigen Abstand kurz nach dem Training relativierte. Hamilton habe am Nachmittag in Interlagos schlichtweg auf falsche Motoreneinstellungen gesetzt, sagte Rosberg: "Der Abstand zu Lewis ist definitiv nicht das wahre Bild. Er lag mit seinen Motoreneinstellungen falsch, und das macht einen Großteil der Rundenzeit aus. Aber es war ein ordentlicher Start und ich bin zufrieden mit der Richtung, die wir eingeschlagen haben."

Rosberg war im 2. Training nicht aufzuhalten -, Foto: Sutton
Rosberg war im 2. Training nicht aufzuhalten -, Foto: Sutton

Silberpfeil mit Einschränkungen

Hamilton bestätigte, dass er im 2. Training nicht mit einem optimal eingestellten Silberpfeil gefahren sei. Auf das Team des Briten dürfte vor dem 3. Training am Samstag eine lange Nacht warten. Laut eigener Aussage übernahm Hamilton die Settings aus dem 1. Training, statt sich an die veränderten Streckenbedingungen anzupassen. Die 1. Session hatte er als Schnellster beendet.

"Zum 2. Training habe ich nichts am Auto verändert", bestätigte Hamilton. "Ich bin also nicht der Entwicklung der Strecke gefolgt. Vielleicht ist das ein Nachteil. Heute Nacht nehme ich sicherlich ein paar Veränderungen vor." Der Asphalt in Interlagos war zu Beginn des Wochenendes wieder einmal recht staubig, verbesserte sich aber im Laufe der Testrunden.

Hamilton kam am Freitagnachmittag nicht hinterher -, Foto: Sutton
Hamilton kam am Freitagnachmittag nicht hinterher -, Foto: Sutton

Falsche Wahl

Die Möglichkeit, die Einstellungen des Autos für das 2. Training anzupassen, hätte sich laut Hamilton nicht ergeben. So musste er die 90 Minuten mit einem eingeschränkten Silberpfeil-Boliden bestreiten. "Diese Setup-Änderungen brauchen eine lange Zeit", erklärte er. "Ich bin mit einer Wahl hängengeblieben, die ich im 1. Training gemacht hatte, aber wahrscheinlich nicht die richtige war."

Im Qualifying dürfte es vermutlich wieder einiges enger zugehen zwischen den beiden Mercedes-Piloten, die allgemein zufrieden waren mit der Performance ihrer Autos. "Es wird auf jeden Fall eng", sagte Hamilton. "Nico fährt hier sehr gut. Es ist jedoch schwierig, die richtige Balance zu finden, die im Qualifying und im Rennen funktioniert. Ich muss diesmal meine Startposition verbessern, denn diese kann starken Einfluss auf das Rennen haben." Oder anders ausgedrückt: Es wird Zeit, Rosbergs Serie von vier Pole Positions in Folge zu brechen.

Mercedes testete im 1. Training eine Version des S-Schacht für 2016 -, Foto: Sutton
Mercedes testete im 1. Training eine Version des S-Schacht für 2016 -, Foto: Sutton

Rosberg erwartet großartiges Duell

Keine leichte Aufgabe gegen Rosberg, der an seinen Brasilien-Sieg aus dem Vorjahr anknüpfen will und zudem noch um die Vize-Weltmeisterschaft kämpft. "Lewis war heute ebenfalls sehr schnell und es scheint, als ob wir auch an diesem Wochenende wieder ein großartiges Duell erleben werden", blickte Rosberg voraus auf das vorletzte Rennwochenende der Saison 2015.

Da die Reifen immer ein Thema sind in Sao Paulo, spulte Mercedes vor allem ein Programm mit Fokus auf die Performance der Pirellis ab. Probleme habe es laut Paddy Lowe nicht gegeben, zudem kamen neue Teile mit Blick auf 2016 zum Einsatz. "Auch sahen wir uns den Prime-Reifen mit wenig Benzin an", sagte Technikchef Lowe weiter. "Im zweiten Training fuhren wir einen kurzen Run mit wenig Benzin auf dem Option-Reifen. Ansonsten konzentrierten wir uns aber hauptsächlich darauf, die Reifenperformance für das Rennen einzuschätzen."