Formel 1

Rosberg-Motor gibt nach 3600 Kilometern auf - Mercedes' neue Motorsorgen: Gibt es Probleme?

Mercedes bekam beim Italien GP erstmals Probleme mit dem Antrieb. Dabei debütierte eigentlich der neue Mega-Motor. Wie steht es um die Weltmeister?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Ausgerechnet Monza. Es gibt keine andere Strecke im Kalender, auf der Motorprobleme auch nur ähnlich schlimm sind. Jenson Button und Fernando Alonso können ein Lied davon singen. Doch bei McLaren-Honda war das abzusehen. Bei Mercedes nicht. Und doch kann Nico Rosberg nun mit seinen McLaren-Kollegen zusammen singen.

Eigentlich begann das Wochenende prächtig. Mercedes brachte für beide Piloten komplett neue Power Units. Nicht nur frisch, sondern auch noch performancetechnisch überarbeitet. Alle sieben Entwicklungstoken setzte Mercedes für den Schritt ein. Eine Entwicklung in Hinblick auf das nächste Jahr. Über den Winter dürfen einige Motorteile nicht mehr angefasst werden. Also überarbeitete Mercedes den Verbrennungsmotor noch mit den Entwicklungstoken, die man sich für die Saison aufgehoben hatte.

Und der Plan scheint aufzugehen, die Richtung erweist sich als richtig. Am Freitag demoralisiert Mercedes die Konkurrenz. Doch am Samstag der Schock: Nach dem dritten Freien Training entdecken die Ingenieure Unregelmäßigkeiten am Aggregat von Nico Rosberg. In den zwei Stunden zwischen FP3 und Qualifying bleibt keine Zeit für große Analysen. Also bleibt nur eine Lösung: Die alte Power Unit muss rein.

Herz-OP in anderthalb Stunden

In anderthalb Stunde ist die Herz-OP vorbei. In Rosbergs F1 W06 Hybrid schlägt von nun an wieder das alte Herz, das bereits 3200 Kilometer auf dem Buckelt hat, also fünf volle Rennwochenenden. Die gute Nachricht: Rosberg kann in der Qualifikation von Beginn an fahren. Die schlechte: Wegen der hohen Laufleistung kann Mercedes nicht die volle Leistung freigeben.

Vorgänger der PU106B: Die PU106A - Foto: Mercedes-Benz

Mit stumpfen Waffen kämpft sich der Deutsche immerhin noch auf Platz vier. Doch auch im Rennen ist der neue alte Motor ein Handicap. Nicht nur die Leistung macht Rosberg einen Strich durch die Rechnung, auch die Zuverlässigkeit. Drei Runden vor Rennende verabschiedet sich das Triebwerk endgültig in den Ruhestand.

3600 Kilometer absolvierte die PU106B, bevor sie in Rauch aufging. Die Power Unit befand sich am Ende ihres Lebenszyklus, aber eigentlich noch nicht darüber hinaus. Doch Monza ist eben nicht irgendeine Strecke und Rosberg wollt noch Sebastian Vettel ein- und dann überholen.

Motorschaden ohne Vorwarnung

"Wir haben keine Vorwarnung bekommen. Wir haben am Ende noch einen kleinen Push gegeben, damit er Sebastian überholen kann und dann hat sie sich entschieden, kaputt zu gehen", schildert Toto Wolff das Geschehene. "Es war ein mechanischer Schaden des Motors. Ich habe gespürt, dass er blockiert hat", beschreibt Rosberg die Situation aus dem Cockpit.

Nach dem Motorschaden ist vor dem Motorschaden: Jetzt muss Nico Rosberg um jenes Aggregat zittern, das ihn am Samstagmittag im Stich ließ. Inzwischen konnte der Defekt lokalisiert werden. Der Wärmetauscher wurde als Übeltäter ausgemacht. Das sind gute Neuigkeiten für den Deutschen. Der Wärmetauscher ist kein Teil der Power Unit. Doch die Power Unit könnte Schaden davon getragen haben. Noch ist ungewiss, ob der Motor wieder eingesetzt werden kann, doch es sieht gut für Rosberg aus.

Wolff: Ferrari hat aufgeholt

Wann die Kundenteams die neue Super-Spezifikation erhalten werden, steht noch nicht fest. "Ich weiß nicht, ob sie ihn unbedingt haben wollen", meinte Toto Wolff. Doch die Frage kann man wohl leicht für ihn beantworten. Die Frage ist eher, ob Mercedes die Kunden mit diesem Motor beliefern will. Vor allem bei Lotus steht da ein großes Fragezeichen. Wenn Lotus im nächsten Jahr zum Renault-Werksteam werden sollte, hat Mercedes nicht unbedingt Interesse daran, Details preiszugeben.

Aber nicht nur Mercedes hat mit der Power Unit in Monza einen Schritt gemacht, auch Ferrari. Italiener investierten drei Token für ihre Ausbaustufe. "Ich glaube, sie haben sich ein bisschen von uns abgeschaut, wie wir im Qualifying zulegen können", spielt Wolff auf den sagenumwogenen Qualifying-Modus von Mercedes an. "Das haben sie zu unserer Überraschung gezeigt. Aber im Rennen würde ich sagen, ist der Vorteil noch auf unserer Seite."


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