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Formel 1 / Interview

Eingebautes Sicherheitsnetz - Christian Danner spricht Klartext

Honda kehrt zurück. Aber: Ist die Rückkehr gut für die F1 und bekommt McLaren nächstes Jahr Probleme? Motorsport-Magazin.com-Experte Christan Danner zum Thema.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Christian, McLaren jubelt über den Honda-Deal ab 2015 - zu Recht?
Christian Danner: Das ist eine spannende Geschichte. Die Frage lautet: Ist Honda in Sachen Formel 1 auf dem aktuellen Stand der Zeit? An McLarens Stelle wäre ich glücklich mit Mercedes gewesen, doch der Wechsel zu Honda hat offenbar handfeste Gründe.

Honda sagt, dass sie jetzt schon Entwicklungsarbeit für den 2015er-Motor leisten.
Christian Danner: Ob Honda einen guten Motor baut oder nicht, werden wir dann schon sehen. Aber: Honda hat ein Jahr lang mehr Zeit, das Aggregat zu entwickeln. Sie können also auf die Arbeit der anderen Hersteller reagieren. Sollte sich herausstellen, dass Honda mit dem eigenen Konzept auf dem Holzweg ist, weil ein anderer Hersteller eine bessere Lösung gefunden hat, können sie ihre eigene Arbeit umstellen - quasi ein eingebautes Sicherheitsnetz für Honda.

Sollte sich herausstellen, dass Honda mit dem eigenen Konzept auf dem Holzweg ist, weil ein anderer Hersteller eine bessere Lösung gefunden hat, können sie ihre eigene Arbeit umstellen - quasi ein eingebautes Sicherheitsnetz.
Christian Danner

Könnte McLaren Probleme bekommen, weil sie für 2014 ein Auto mitsamt Mercedes-Motor bauen, nur ein Jahr später aber auf Honda wechseln?
Christian Danner: Der kleine Motor selbst sollte sich nicht groß unterscheiden. Aber: Wie baut McLaren das komplette Paket mit Batterien und Generatoren ein? Das ist eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit. Honda baut sicherlich keine Mercedes-Kopie, deshalb muss McLaren wahrscheinlich bei der Konstruktion des Autos noch einmal ordentlich nachlegen.

Die Formel 1 ist in Sachen Antrieb komplex wie nie. Schon kleine Fehler können sich immens rächen...
Christian Danner: Wenn man sich einmal die Technologie anschaut, mit der wir zu tun haben werden, muss man sagen, dass es höchstwahrscheinlich einen dramatischen Unterschied zwischen Werks- und Kundenteams geben wird. Nachdem es diese Art Motoren noch nie gegeben hat, ist sehr viel Entwicklungsspielraum vorhanden. Entwicklung kostet immer Geld. Das heißt da ganz sicher, dass die kleinen Teams immer weniger zur Verfügung haben und auch entsprechend nicht den selben Entwicklungsstand bekommen. Das halte ich für ausgesprochen ungesund. Die potenziellen Unterscheide, die es ab 2014 innerhalb der einzelnen Antriebseinheiten geben kann, sind dramatisch. Eine einfache Motoren-Regelung wäre mir viel lieber als eine derart eskalierte.

Das wird Mercedes sicherlich nicht schmecken. Auf der anderen Seite ist McLaren ein Kunde und die werden nun einmal beliefert.
Christian Danner

Mercedes wird bestimmt nicht erfreut sein, dass McLaren Kenntnisse über den Motor hat, obwohl sie nur ein Jahr lang damit fahren.
Christian Danner: Das wird Mercedes sicherlich nicht schmecken. Auf der anderen Seite ist McLaren ein Kunde und die werden nun einmal beliefert. Das Thema ist nicht mehr wie früher zu betrachten: Früher war ein Motor mehr oder weniger ein Motor, jetzt sprechen wir von einer Ansammlung drei verschiedener Motoren: zwei Elektro-Motoren sowie ein Otto-Motor, der mit einem Turbo betrieben wird. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die FIA die Motoren-Thematik reguliert. Auch bei den Turbos soll es wieder eine Art Motoren-Einfrierung geben, damit die Kosten nicht völlig explodieren.

Ist es gut für die angeschlagene Formel 1, dass wieder ein Hersteller zurückkehrt?
Christian Danner: Nein. Hersteller kommen und gehen immer dann, wenn sie es für richtig halten. Das Engagement eines Werkes bringt nicht unbedingt finanzielle oder politische Stabilität für die Formel 1 mit sich, das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen.

Das Engagement eines Werkes bringt nicht unbedingt finanzielle oder politische Stabilität für die Formel 1 mit sich, das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen.
Christian Danner

Ist es also kein Weckruf für weitere Hersteller, sich wieder in der F1 zu engagieren?
Christian Danner: Ich finde es gut, wenn sich Hersteller engagieren, doch das ist mit größter Vorsicht zu genießen. Nüchtern betrachtet muss man sagen, dass bei Herstellern immer ein großes Fragezeichen mitschwingt, wann sie sich wieder aus der F1 verabschieden. Lobeshymnen auf die Rückkehr eines Herstellers sind hier fehl am Platze.

Bei McLaren war nicht die Sprache davon, dass Honda sie exklusiv ausstatten wird. Wie ist das zu bewerten?
Christian Danner: Kommendes Jahr wird sich herausstellen, welche Teams mit welchen Motoren fahren werden. Williams nimmt den Honda-Motor bestimmt mit Handkuss, wenn sie ihn günstig bekommen können. Ich bin mir sicher, dass ordentlich Bewegung in das System kommen wird, wenn am Preis gedreht wird und Honda einen Motor zu günstigeren Konditionen anbieten wird als die aktuellen Hersteller. Aber 2015 ist noch weit weg, jetzt müssen sich die Teams erst einmal mit dem kommenden Jahr beschäftigen.


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