Alle drei Trainings Bestzeit. Pole Position samt Rundenrekord. Sturz im Sprint und dann die Wiedergutmachung im Grand Prix. Die MotoGP-Schlagzeilen bestimmte am vergangenen Wochenende zweifellos Rennsieger Marco Bezzecchi. Im Schatten der Achterbahn der Gefühle des Aprilia-Piloten erlebte aber auch Stallgefährte Jorge Martin in Buriram ein äußerst bemerkenswertes Rennwochenende. Der MotoGP-Champion von 2024, er scheint wieder da zu sein!
Jorge Martin beendet lange Leidenszeit mit starkem MotoGP-Comeback
Die Vorgeschichte ist hinlänglich bekannt. Nach der Horrorsaison im Vorjahr mit einem öffentlich ausgetragenen Vertragsstreit und vier schweren Verletzungen wollte Martin 2026 eigentlich wieder angreifen, kassierte über den Winter aber direkt die nächsten Rückschläge. Er musste sich zwei weiteren - zunächst geheim gehaltenen - Korrekturoperationen unterziehen und verpasste daraufhin die dreitätigen Testfahrten in Sepang. Wahrlich nicht der Saisonstart, den der 28-Jährige aus Madrid gebraucht hätte.
Umso überraschender, dass Martin bereits im Buriram-Test aufzeigte und diesen positiven Eindruck während des Thailand-Grand-Prix dann mehr als bestätigte. Am Freitag qualifizierte er sich als Fünfter im Training direkt für Q2, wo er sich am Folgetag dann auch den fünften Startplatz erkämpfte - nur beachtliche 0,349 Sekunden hinter Polesitter Bezzecchi. Rang fünf sollte es dann auch im Sprint wieder werden, ehe es am Sonntag im Hauptrennen sogar auf Platz vier nach vorne ging. Gleichbedeutend mit der Einstellung seines bislang besten Resultats als Aprilia-Pilot aus dem Ungarn-GP 2025.
Kein Wunder, dass Martin daher bilanzierte: "Das war ein richtig gutes Rennen. Ich bin glücklich und stolz auf meinen Winter." Sich in körperliche Topform zu bringen, war ob der beiden Operationen natürlich schwer. "Noch vor zwei Monaten konnte ich nicht selbstständig essen und es fällt mir nicht leicht das zu sagen, aber vor zwei Monaten konnte ich mir auch nicht einmal alleine den Hintern abwischen", blickte er grinsend auf die lange Leidenszeit zurück. Die harte Arbeit der letzten Wochen hat sich jedoch ausgezahlt: "Jetzt bin ich hier, in den Top-Fünf! Das macht mich wirklich stolz, das ist unglaublich. Ich will mich bei allen bedanken, die mich während dieser Zeit unterstützt haben, die mir geholfen haben und die an mich geblaubt haben."
Noch Luft nach oben: Wohin kann die Reise für Jorge Martin 2026 noch gehen?
Dass der MotoGP-Weltmeister von 2024 bei seinem Comeback-Wochenende nicht mit derart starken Ergebnissen gerechnet hatte, gab er offen zu. "Ich hatte kaum Erwartungen. Ich wollte einfach nur ein gutes Rennen fahren und auf die Reifen aufpassen. Aber ich habe mich von Anfang an gut gefühlt und konnte wieder Rad and Rad mit Marc [Marquez] und Pedro [Acosta] kämpfen. In den letzten sieben Runden habe ich sogar darüber nachgedacht, ob ich Raul [Fernandez] noch einholen könnte. Dann hatte ich aber Probleme mit dem Grip und durchdrehendem Hinterrad", berichtete er erfreut. Und weiter: "Ich bin sehr zufrieden mit mir. Ich habe meine Hausaufgaben erledigt, ich bin ins Ziel gekommen. Vor dem Wochenende hätte ich für solche Ergebnisse sofort unterschrieben."

Umso beeindruckender macht Martins Thailand-Wochenende, dass es sowohl körperlich als auch auf dem Motorrad noch Luft nach oben zu geben scheint: "Ehrlich gesagt bin ich noch nie einem solch [schlechten] Zustand in eine Saison gestartet und dennoch hatte ich heute wieder die Gefühle von 2024. Ich konnte vorne mithalten und hatte das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Körperlich fühle ich mich gut, kann mich für das nächste Rennen aber noch weiter verbessern. Und auch das Motorrad fühlt sich noch nicht so an, als wäre es meines - auch wenn ich im Grand Prix schon eine gute Pace aufrechthalten konnte. Ich suche noch nach der idealen Basis."
Damit stellt sich natürlich die große Frage: Was ist möglich, sobald der 'Martinator' wieder in allen Belangen bei 100 Prozent angekommen ist? Vielleicht sogar ein Angriff auf die Weltmeisterschaft? Die Aprilia zeigte sich in Buriram schließlich als bestes MotoGP-Bike und als WM-Vierter hat Martin auch erst 14 Punkte auf den Gesamtführenden Pedro Acosta eingebüßt. "Die Saison ist noch lang", weiß auch der Spanier selbst und zeigte sich daher selbstbewusst: "Marco [Bezzecchi] ist aktuell auf einem anderen Level, das ist klar. Er ist derjenige, der gewinnen kann. Aber sobald ich die richtige Balance gefunden habe, werde ich mit ihm kämpfen können. Es wird nicht leicht, dorthin zu kommen. Aber ich werde es versuchen!"
Während die Formkurve bei Martin also aufzeigt, war bei dessen Ex-Arbeitgeber Ducati in Buriram das krasse Gegenteil der Fall. In Borgo Panigale herrscht nach einer historischen Klatsche Rätselraten:



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