Die MotoGP erlebt eine der wildesten Wochen ihrer Geschichte. Am Donnerstag platzten innerhalb von wenigen Stunden gleich zwei Bomben am Fahrermarkt: Fabio Quartararo soll 2027 zu Honda wechseln und Jorge Martin seinen Platz bei Yamaha einnehmen. Das berichtet Oriol Puigdemont für 'Motorsport.com'. Mela Chercoles von 'AS' will unterdessen erfahren haben, dass sich Pedro Acosta und Ducati über eine Zusammenarbeit ab 2027 einig sind. Und Matteo Aglio von 'GPOne' berichtet von einem Flirt zwischen Alex Marquez und KTM.

Die Gerüchteküche brodelt also. Motorsport-Magazin.com befragte deshalb KTM-Motorsportchef Pit Beirer zu den neuesten Entwicklungen und Spekulationen rund um seine Marke.

Quartararo und Martin sorgen für MotoGP-Transferwahnsinn (07:35 Min.)

Motorsport-Magazin.com: Pit, vor wenigen Tagen hast du im Rahmen eurer Team-Präsentation gesagt, dass du vorerst keine großen Transfernachrichten erwartest. In dieser Woche gab es aber eine Menge 'Breaking News'. Fabio Quartararo soll 2027 zu Honda gehen, Jorge Martin zu Yamaha und euer Fahrer Pedro Acosta soll sich mit Ducati einig sein. Haben euch die Entwicklungen der letzten Tage etwas überrumpelt?
Pit Beirer: Es ist noch von keinem Fahrer oder Hersteller etwas bestätigt - es hat sich also noch nicht so viel verändert. Aber momentan reden natürlich viele Leute miteinander. Die Fahrer-Manager reden mit allen Werken und versuchen ihre Piloten dort unterzubringen beziehungsweise die Angebote nach oben zu treiben. Das ist ganz normal. Wenn nur die Hälfte der Storys stimmen, die in den letzten Tagen publik geworden sind, dann überrascht mich aber schon, dass das so früh eine derartige Dynamik aufnimmt.

Warum?
Pit Beirer: Wir sind schon davon ausgegangen, dass der ein oder andere Fahrer warten möchte, wie sich die 850ccm-Projekte entwickeln. Aber es rumort gewaltig und es gibt auch keinen Rauch ohne Feuer. Es verwundert mich, dass in dieser Woche solche Dinge ans Tageslicht kommen, denn alle Hersteller sind ziemlich beschäftigt damit, in Sepang einen sauberen Shakedown und dann auch einen guten Test mit ihren Stammfahrern hinzulegen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass es die Hersteller sind, die momentan so aktiv werden.

Du kennst natürlich die Gerüchte um Pedro Acosta. Er soll sich für 2027 und 2028 mit Ducati einig sein. Gibt es, was die Zukunft betrifft, aktuell einen engen Austausch zwischen KTM und Acosta? Wisst ihr, woran ihr bei ihm seid?
Pit Beirer: Ja, das wissen wir ziemlich gut. Wir wissen, dass ihn Ducati sehr gerne haben möchte. Und dass ihn Ducati interessiert, ist auch kein Geheimnis. Fakt ist aber auch, dass wir um ihn kämpfen werden. Wir haben eine ganz klare Vereinbarung, dass vor dem Sepang-Test nichts passiert. Dann werden wir in Ruhe miteinander sprechen. Dann wird es denke ich auch eine ziemlich schnelle Entscheidung geben - im Guten oder im Schlechten. Pedro hat von uns ein Angebot vorliegen und wir fokussieren uns darauf, in Sepang einen sauberen Job zu machen. Pedro will wissen, ob wir konkurrenzfähig sind oder nicht. Auf dieser Basis will er seine Zukunftsentscheidung treffen. Wenn du in einer Position bist wie er und dich jeder Hersteller gerne haben möchte, dann ist das auch verständlich, dass er offen ist, sich alle Angebote genau ansieht und auch uns noch einmal testen möchte.

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Falls sich Acosta gegen KTM entscheidet: Wärt ihr dann glücklich, mit Maverick Vinales, Brad Binder, Enea Bastianini und beispielsweise einem Rookie weiterzumachen? Oder würdet ihr dann die Notwendigkeit sehen, noch einen großen Namen zu verpflichten?
Pit Beirer: Im Moment möchte ich unsere 2026er-Saison schützen und an die vier Fahrer glauben, die wir aktuell haben. Wir werden wie gesagt alles daransetzen, Pedro bei uns zu halten. Deshalb werden wir aktuell keine anderen großen Namen jagen. Priorität hat, einen super Test in Sepang hinzulegen und dann sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Wir sind aber natürlich auch nicht naiv und haben Kontakt zu anderen Fahrern. Momentan versuchen wir aber die vier Fahrer, die wir haben, an Bord zu halten. Damit wären wir sehr glücklich für die Zukunft.

Alex Marquez wurde zuletzt mit KTM in Verbindung gebracht und erklärte am Samstag im Rahmen der Gresini-Team-Präsentation, dass sein Ziel für 2027 ist, in einem Werksteam zu fahren.
Pit Beirer: Als aktueller Vizeweltmeister hätte er sich das sicher mehr als verdient. Ich wünsche ihm alles Gute für seine nächsten Schritte.

Du hast schon angesprochen, wie wichtig der Sepang-Test für euch ist. Wie ist der dreitägige Shakedown gelaufen? Seid ihr zufrieden?
Pit Beirer: Ja. Meine einleitenden Worte waren wirklich sehr ernst gemeint. Wir haben das Gefühl, dass wir uns aktuell noch einmal beweisen müssen. Wir sind gut vorbereitet nach Sepang gereist und dieses Gefühl hat sich bestätigt. Aki Ajo (Team-Manager, Anm.) und unsere Techniker sind sehr glücklich. Die neuen Teile funktionieren. Wir können die Motorräder sehr gut vorbereitet an unsere Rennfahrer übergeben, die dann noch einige Optionen für sich aussuchen können. Pol Espargaro hat seine Qualifying-Zeit aus dem November um fast eine Sekunde unterboten. Wir sind sehr zufrieden mit dem absolvierten Programm. Wir wissen aber natürlich auch, dass die Konkurrenz brutalen Druck macht und genauso Gas gibt. Das ist uns absolut bewusst.

KTM bestritt den Shakedown mit voller Mannstärke im Testteam, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
KTM bestritt den Shakedown mit voller Mannstärke im Testteam, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Gerüchten zufolge wart ihr aber der einzige Hersteller, der beim Shakedown auch schon mit dem neuen 850ccm-Bike für 2027 gefahren ist?
Pit Beirer: Ich bin leider kein ausreichend guter Techniker, um das genau zu wissen. (lacht)