Aprilia und Jorge Martin: Als Traumehe geplant, entwickelte sich diese Beziehung im ersten Jahr zum Drama. Ein Vertragsstreit wurde beigelegt, aber die unfassbare Verletzungsserie des 'Martinators' riss nicht ab. Dennoch steht das Werk aus Noale auch ohne seinen Starpiloten gut da. Oder hängt das gar zusammen? Testfahrer Lorenzo Savadori lässt aufhorchen.

Lorenzo Savadori: MotoGP-Rennen sinnvoller als Testfahrten

Da Martin bisher nur zu sechs Rennen der MotoGP-Saison antreten konnte, befindet sich sein Ersatzmann Lorenzo Savadori fast im Dauereinsatz. Demensprechend gehört es auch zu seinen Pflichten, sich den Fragen der Journalisten stellen zu müssen. Zuletzt ging er in Australien auf seine Aufgabe ein, die sich von den Stammpiloten unterscheidet.

Aprilia schon vor Ducati? MotoGP-Zeitenwende kündigt sich an (06:32 Min.)

"Diese Rennen zu fahren ist wirklich wichtig. Nicht für mich, aber für das Werk. Es gibt immer neues auszuprobieren und wir wollen sehen, wie sich das im Rennbetrieb auswirkt", sieht der Italiener seine stetigen Renneinsätze als Chance an. Obwohl Aprilia außer ihm keinen weiteren Testfahrer unter Vertrag hat, bevorzugt 'Sava' den Renneinsatz. Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass von ihm keine Ergebnisse erwartet werden.

Jorge Martins Abwesenheit ein Vorteil in der Motorrad-Entwicklung? Ja!

Für die haben bei Aprilia zuletzt andere gesorgt: "Ich bin sehr glücklich, die Ergebnisse von Marco [Bezzecchi] und Raul [Fernandez] zu sehen. Natürlich sind meine Resultate andere, wenn ich etwas im Rennen ausprobiere. Aber ich bin ja auch hier, um das Motorrad weiterzuentwickeln. Das ist uns gelungen." Mittlerweile werden sogar Stimmen laut, ob die RS-GP nicht das beste Motorrad im Feld sei. Aprilia-Boss Massimo Rivola hat schon einmal den WM-Kampf 2026 als Ziel ausgegeben. Hier könnt ihr seine Ansage lesen:

Angesichts der Erfolge der letzten Monate stellt sich im Umkehrschluss die Frage, ob Martins unfreiwillige Abwesenheit sich damit indirekt positiv auf die Konkurrenzfähigkeit des Motorrads ausgewirkt hat? Genau damit wurde Savadori konfrontiert. Seine Antwort war überraschend offen und eindeutig: "Für mich, ja! Wenn du etwas am gleichen Tag mit vier [Aprilia-]Motorrädern auf der Strecke ausprobierst, dann kannst du sehr viel vergleichend analysieren. Außerdem sind dann die Bedingungen die gleichen bei uns allen. Wir haben aus dieser Situation [der Verletzungen bei Martin, Anm. d. Red.] Vorteile gezogen."

Savadori lobt Aprilia-Ingenieure: Jedes Mal etwas neues dabei

Normale Testfahrten während der Saison finden vom Rest des Feldes getrennt statt. Der Lerneffekt an einem echten Rennwochenende ist deutlich größer. Allerdings gilt das natürlich nur mit einem dezidierten Testauftrag ohne Ergebnisdruck. Wer Punkte holen soll und bereits am Freitag für das Q2 fahren muss, der kann es sich nicht erlauben, zu experimentieren. Bei Savadori ist das egal. Wenn etwas schiefgeht, sorgt dies für einen Lerneffekt und hilft bei der Wahl der Entwicklungsrichtung.

Beim Blick auf Savadoris Punktestand von nur acht Zählern wird im Vergleich zu den fitten Stammpiloten (Bezzecchi 282, Fernandez 146, Ogura 73) aber auch klar, was Aprilia durch Martins Verletzungen verloren gegangen ist. Doch haben sie die Chance, welche die Misere des Spaniers bot, auch zu nutzen gewusst. "Weil ich während der Rennen testen konnte, haben wir uns mehr verbessert. Die Ingenieure in Noale arbeiten sehr hart, um jedes Mal etwas Neues an den Start zu bringen, das wir ausprobieren und dann verbessern wollen", ist Savadori von seiner Arbeit mit dem Team während seiner Zeit als Ersatzpilot überzeugt.

Weiterentwicklung ist auch bei Yamaha angesagt. Dort soll mit der Wildcard von Augusto Fernandez in Malaysia der nächste Schritt beim V4-Motor gelingen: