Marc Marquez hat es geschafft. Nach den Jahren des Leidens durch seine schwere Oberarmverletzung in Jerez 2020 hat er sich wieder auf den Thron der MotoGP gekämpft. Ein langer und harter Weg liegt hinter ihm. Mit dem siebten Titelgewinn in der Königsklasse stellt sich die Frage: Was jetzt? Am liebsten erstmal gar nichts. Über den WM-Kater danach.
Stimme noch nicht zurück, aber Marc Marquez ist nicht Partymüde
"So eine Party ist immer schön, besonders wenn eine so tolle Atmosphäre wie in unserem Team herrscht. Meine Stimme ist immer noch nicht ganz zurück", berichtete Marc Marquez von den Feierlichkeiten bei Ducati nach dem Triumph in Motegi. Wie in Japan üblich war da Karaoke angesagt, aber auch bei zahlreichen Interviews und PR-Terminen musste die Nummer 93 als der neue Weltmeister erscheinen. Viel Zeit zur Erholung gab es da nicht.
Doch in Wirklichkeit hat die Müdigkeit wohl einen anderen Hauptgrund: "Emotional bin ich schon wieder ausgeglichener und stabiler. Körperlich und energetisch fühle ich mich allerdings müder denn je. Aber nicht, weil ich so viel gemacht habe, obwohl ich in den letzten Tagen tatsächlich viel zu tun hatte mit Veranstaltungen und Interviews, sondern eher wegen des Adrenalinrückgangs."
Marc Marquez im Titel-Loch: Habe keine Lust!
Jahrelang hatte er auf dieses eine Ziel hingearbeitet, es sich noch einmal beweisen zu wollen. Das ist nun vorbei. "Als ich am Sonntag die Ziellinie überquerte und am Montag nach dem Titelgewinn aufwachte, fühlte ich mich, als hätte ich zwei Monate lang nicht trainiert, einfach wegen des Adrenalinschwunds, nachdem ich den Druck so lange aufrechterhalten hatte", ist sich Marquez sicher.

Daher tätigt er vor dem Indonesien GP auch eine Aussage, die wir vom Vollblutrennfahrer aus Spanien so nie erwarten würden: "Ich habe jetzt überhaupt keine Lust. Ich hätte lieber noch ein oder zwei Wochen entspannt und mich ausgeruht und alles verarbeitet. Aber so ist das Leben nun mal, wir müssen wieder [auf das Motorrad, Anm. d. Red.] aufsteigen." Immerhin scherzt er aber auch: "Vielleicht kann ich mich am Rennwochenende etwas erholen."
MotoGP-Rekorde angreifen? Marc Marquez will 2025 "nur noch genießen"
Doch was steht nun eigentlich an, da der Titel fixiert ist? Auch hier schlägt Marc Marquez neue Töne an: "Vor langer Zeit, als ich den Titel gewann und noch einige Rennen übrig waren, da wollte ich auch nach dem erreichten Titel beim nächsten Rennen attackieren und gewinnen. Jetzt fühle ich mich anders. Ich hatte genug Druck in diesen letzten Saisons. Ich habe viel gelitten. Ich möchte es jetzt einfach nur noch genießen."
Die Spannung hochzuhalten, fällt da nicht einfach, doch hat es sehr wohl einen wichtigen Zweck: "Das oberste Ziel ist es, keine dummen Fehler zu machen, denn wenn du dein Hauptziel [den WM-Titel, Anm. d. Red.] erreicht hast, fährt das Adrenalin runter und du kannst manchmal die Konzentration nicht halten. Mal sehen, ob ich das schaffe." Eine weitere Verletzung aufgrund einer Unachtsamkeit soll auch im Post-WM-Blues nicht passieren.

Dass er in den verbleibenden fünf Rennen noch einige Rekorde aufstellen, einstellen oder ausbauen könnte, interessiert den Ducati-Star herzlich wenig. Erst in der nächsten Saison soll wieder eine sportliche Erwartungshaltung Einzug finden: "Es wird die Zeit kommen, um mich wieder unter Druck zu setzen und die Ambitionen für 2026 zu entwickeln, aber momentan ist meine Einstellung eine andere." So ist es dann wohl auch zu sehen, wenn er sagt: "Wenn ich in einem Training mal fünfter oder sechster bin, ist das kein Grund zur Sorge. Dann kommt die nächste Session in zwei Stunden."
2026 schon im Blick: Rennen sollen Ducati auch als Test dienen
Statt Sieg um Sieg im Blick zu haben, beginnt nun die Vorbereitung auf Titelmission Nummer acht. An den Rennwochenenden wird nun auch getestet: "Es geht darum, Dinge zu verstehen, die im Laufe des Jahres ausprobiert wurden, die man nicht so oft anfasst, wenn man gewinnt. Wir waren gut unterwegs, aber wir haben noch einige Dinge zu testen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Es ist besser, schon jetzt an den Rennwochenenden auf verschiedenen Strecken damit zu beginnen."
Dass die verbleibenden Grand Prix zu Testfahrten degradiert werden, muss jedoch nicht befürchtet werden: "Glaubt jetzt nicht, dass ich die ganze Zeit am Motorrad herumschrauben werde, es handelt sich um konkrete und kleine Dinge. So wird es in Valencia beim letzten Test viel einfacher sein, Klarheit zu gewinnen, und in Malaysia [bei den Testfahrten 2026, Anm.] bereits das zu entwickeln, was wir für alle Ducatis für das Beste erachten." Doch am Ende reden wir hier immer noch über Marc Marquez. Müdigkeit hier, Arbeit für 2026 da: Wer glaubt den wirklich, dass die Nummer 93 in den letzten fünf Rennen die Lust auf Siege verliert?
Intimfeind Valentino Rossi gönnt Marc Marquez den Erfolg wohl weiterhin nicht. Der 'Doctor' fiel erneut mit einem kleinen Seitenhieb in Richtung des neuen Weltmeisters auf:



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