Es wird italienisch gesprochen in der MotoGP, und das nicht nur aufgrund der Mitarbeiter der beteiligten Hersteller. Hinter der spanischen Übermacht haben derzeit auch gleich sechs Italiener einen Stammplatz in der Königsklasse. Dieser Sechserpack wird auch 2026 erhalten bleiben. Doch darüber hinaus? Es sieht düster aus für die langfristige Nachfolge von Francesco Bagnaia & Co. Ein Blick auf die Bilanz der Italiener in den WM- und Nachwuchsklassen zeigt, warum sich bald etwas bewegen muss und wohl auch wird.

Die italienische Bilanz 2025 in der Motorrad-WM und den Juniorenklassen

KlasseSiegePodienPoles
MotoGP2162
Moto2-3-
Moto3-33
Rookies Cup-2-
Junior GP11-

Abgesehen von den Stars der MotoGP gibt es da reichlich wenig zu berichten. Zwar müssen sich auch die Fahrer der Königsklasse in Sachen Siege Dominator Marc Marquez beugen, aber auf dem Podium ist Italien Stammgast, und das sogar mit vier verschiedenen Piloten (Bagnaia, Bezzecchi, Morbidelli & Di Giannantonio). Im Nachwuchs hingegen herrscht Flaute.

MotoGP-Fahrer der Zukunft? Der Blick geht eher Richtung Superbike-WM

"Ich würde nicht sagen, dass es heute gar keine starken jungen [italienischen] Fahrer gibt, ein paar verbessern sich derzeit. Vielleicht könnten es mehr sein, aber zumindest gibt es ein paar", meint Ducati-Geschäftsführer Claudio Domenicali im Interview mit gpone.com. Sein Blick geht dabei wohl vor allem in Richtung Moto3. Dort wurden mit Luca Lunetta und Matteo Bertelle zwei vielversprechende Piloten durch Verletzungen ausgebremst. Mit Rookie Guido Pini gibt es einen weiteren Hoffnungsträger. Auf seinen ersten Podestplatz wartet er zwar noch, doch mit nur 17 Jahren ist mehr als genug Zeit.

Luca Lunetta wird nach schwerem Sturz abtransportiert
Luca Lunetta ist einer von zwei verletzten Nachwuchshoffnungen, Foto: IMAGO / ANP

In der Moto2 fahren mit Tony Arbolino und Celestino Vietti zwei Rennsieger früherer Jahre, doch den Sprung in die Königsklasse werden sie kaum noch schaffen. Stattdessen empfehlen sich dort neben den Fahrern aus Spanien derzeit viele Piloten aus anderen Nationen. Der Brasilianer Diogo Moreira steigt in die MotoGP auf. Mit Senna Agius (Australien), Deniz Öncü (Türkei), Collin Veijer (Niederlande) und Supertalent David Alonso (Kolumbien) könnten weitere folgen, nur aus 'Bella Italia' ist seit dem Debüt von Fabio Di Giannantonio und Marco Bezzecchi in der Saison 2022 kein MotoGP-Rookie mehr in Sicht. Über das Fahrerfeld der Königsklasse für 2026 informieren wir euch in unserem Video:

Alle MotoGP-Plätze vergeben: Das ist das Starterfeld 2026 (07:17 Min.)

Aktuell bleibt für die Königsklasse kurz- und mittelfristig nur die Aussicht auf einen Quereinsteiger. Superbike-Star Nicolo Bulega hat bereits einen Testvertrag mit Ducati in der Tasche. Borgo Panigale könnte also für sein MotoGP-Debüt sorgen. Doch damit scheint es nicht getan zu sein. Die italienische Motorrad-Schmiede plant Größeres.

Nicolo Bulega ist wohl der realistischste MotoGP-Kandidat, Foto: WorldSBK
Nicolo Bulega ist wohl der realistischste MotoGP-Kandidat, Foto: WorldSBK

Ducati-Boss kündigt an: Aufbau eigener Akademie geplant!

"Wir haben es noch nicht festgelegt, aber wir würden gerne sehen, ob wir einen Beitrag leisten können, indem wir unsere eigene Akademie aufbauen", verrät Domenicali. Dabei soll es sich nicht nur um gezielte Mitgliedsförderung wie in der VR46-Academy von Valentino Rossi handeln, sondern um eine ganze Nachwuchsserie: "Dort sollten die Motorräder alle gleich sein und wenig kosten. Wir könnten die Talente hochbringen oder die hervorheben, die schon da sind. Wir würden das gerne breit aufstellen."

Konkret ist die Sache aber noch nicht. "Es liegen mehrere Optionen auf dem Tisch und wir sehen sie uns an", kann der Geschäftsführer noch keine Einzelheiten nennen. Der Wille ist aber da: "Wir untersuchen die Thematik und wollen herausfinden, wie wir es bewerkstelligen können. Wir würden uns darüber freuen." Bis das Früchte trägt, muss aber wohl die aktuelle Generation um Francesco Bagnaia die Fahne für die nächsten Jahre hochhalten.

Geringe Kosten sollen also Duactis geplante Nachwuchsserie prägen. Das lässt sich von den roten Geschossen in der Königsklasse definitiv nicht sagen. Eine alte Desmosedici von Andrea Dovizioso steht bald zum Verkauf. Der Preis ist nicht von schlechten Eltern: