Eigentlich war alles angerichtet dafür, dass Alex Marquez seinen Bruder Marc Marquez endlich einmal wieder schlagen könnte. Nach Sturz im Qualifying stand der Dominator nicht in der ersten Reihe und sein jüngerer Bruder ging im Sprint von Spielberg sofort in Führung. Dennoch siegte am Ende wieder einmal Marc, zum elften Mal in Serie (6 Sprints, 5 Grand Prix). Gegen die große Stärke des Dominators war erneut kein Kraut gewachsen.
Sturz im MotoGP-Qualifying zwingt Marc Marquez zum Risiko-Start
"Der Fehler im Qualifying hat den Plan verändern, denn ich wusste, dass die Chance auf Pole-Position groß war. Ich fuhr auf Start-Ziel und sah mich auf Rang vier, da habe ich zu viel gepusht. Ich wollte eine 27er fahren und haben das Motorrad in der Kurve zu sehr rangenommen", erklärte Marc seinen Sturz im Qualifying. Ab und zu übertreibt es der Ducati-Star trotz seiner erdrückenden Dominanz immer noch.

Sein Fehler brachte ihn auf Startplatz vier, doch den machte er schnell wieder wett. Er gab aber auch zu, dass das ein Wagnis war: "Wenn du aus der ersten Reihe losfährst, bist du entspannter. Du weißt, dass dein Rennen nicht vom Start abhängt. Bei einem normalen Start wirst du erster, zweiter oder dritter bleiben. Von Platz vier aus musst du hier aber sehr präzise sein. Bastianini lauerte hinter mir und die erste Kurve hier ist kritisch. Ich war sehr konzentriert und nahm auch mehr Risiko beim Betätigen der Kupplung."
Fehler von Alex Marquez öffnet Marc die Tür verfrüht
So kam er als Zweiter aus der Startphase. Vor ihm nur sein Bruder. Der Gresini-Pilot erwies sich zunächst als harte Nuss. "Ich habe Alex am Anfang nicht angegriffen, weil ich es nicht konnte. Er fuhr sehr gut und superschnell. Wir fuhren tiefe 29er-Zeiten, das ist eine fantastische Pace."
Bis Runde 10 hielt der WM-Zweite den MotoGP-Superstar hinter sich. Doch dann passierte es: "Es unterlief mir ein kleiner Fehler in Kurve 2b [Ausgang der Schikane, Anm. d. Red.], ich ging weit und über die Bodenwelle. Da bewegte sich das Motorrad und ich hörte das Motorrad von Marc und dachte mir: Nein, doch nicht hier! Aber da war er schon auf der Innenseite. Ich versuchte noch in der Anfahrt auf Kurve 4 nah dran zu sein, aber es ging nicht, er bremste dort sehr spät."
Hat Alex Marquez also einen möglichen Sieg weggeworfen? Dieser Sichtweise widerspricht er. Auch ohne Fehler hätte es für ihn nicht gereicht: "Für einen Kampf, ja. Ich hätte es Marc etwas schwieriger machen können, aber er hatte einfach mehr im Köcher. Ich habe mein bestes versucht und die neun Punkte sind wichtig für mich nach der Sommerpause."
Reifengenie Marc Marquez: Zum Rennende unschlagbar?
Der entscheidende Faktor war wieder einmal die große Stärke der Nummer 93. "Ich habe auf meinen Moment in den letzten Runden gewartet. Wenn die Reifen anfangen abzubauen, dann fühle ich mich besser", ist sich Marc dieser voll bewusst. Sein Bruder ebenso: "Marc ist besonders schnell, sobald die Reifen abbauen. Er kann das besser kontrollieren. Er hat eher mit den frischen Reifen am Anfang etwas mehr Probleme. Zum Ende heraus erwartete ich ihn. Es kam genauso, wie ich es mir dachte."
Dass Unausweichliche passierte durch den Fehler also wohl nur etwas früher als geplant. Um Marc Marquez zu schlagen, muss man derzeit wohl bereits einen Vorsprung in der ersten Rennhälfte herausfahren. Sonst geht es nurmehr um Rang zwei. Genau den hatte Alex im Sinn: "Danach [nach Marcs Überholmanöver] entschied ich mich, den Abstand auf Acosta zu kontrollieren. Nach dem, was in Brünn passiert ist, waren das heute wichtige Punkte."
Tatsächlich war der 'verlorene' Sieg alles andere als eine Niederlage für Alex Marquez. 9 Punkte zu holen, während sein erster Verfolger einen Nuller schreibt, war viel wert. Was bei Francesco Bagnaia zum Debakel im Sprint führte, lest ihr hier:



diese MotoGP Nachricht