Marc Marquez ist in der MotoGP-Saison 2025 auf ein Level der Dominanz zurückgekehrt, welches selbst er zuvor nur in zwei Jahren seiner illustren Karriere erreicht hatte. Dem Ducati-Piloten winken zahlreiche Rekorde, doch ihn interessiert in der zweiten Saisonhälfte nur eines.

Marc Marquez frohlockt zur Halbzeit: Würde gleich noch ein MotoGP-Rennen fahren wollen!

"Ich würde gerne nächste Woche noch ein Rennen fahren, weil es so gut läuft", scherzte der WM-Führende nach seinem Sieg in Brünn im Bezug auf die danach anstehende Sommerpause. "Aber es ist auch wichtig, sich einmal auszuruhen und zu reflektieren, was uns in der ersten Saisonhälfte gelungen ist", wurde er dann aber wieder ernster.

Strafe nach Crash! Brünn-Desaster für Alex Marquez (07:44 Min.)

Die Bilanz ist atemberaubend. Acht von zwölf Rennen und sogar elf von zwölf Sprints hat er bisher für sich entscheiden können. 381 der 444 möglichen Punkten erzielte der Spanier. "Es war sehr gut. Sicherlich eine der besten ersten Saisonhälften in meiner Karriere. Man kann schon sagen, dass es wie 2019 ist. Wir sind sehr gut in Form, das Team arbeitet gut und das Motorrad funktioniert", strahlte die Nummer 93.

Leidenszeit vorbei: Neuer Marquez-Stil und Ducati harmonieren perfekt

Jene dominante Saison von 2019 war aber noch unter anderen Umständen erzielt, vor seiner schicksalshaften schweren Verletzung in Jerez 2020. Seitdem musste Marquez viel erleiden und verändern. Vier Operationen am Arm hat er hinter sich und letztlich erfolgte Ende 2023 auch schweren Herzens die Trennung von Honda, um bei Ducati neu zu beginnen.

Marc Marquez (Ducati Lenovo Team)
Marc Marquez fährt nun präziser, Foto: Tobias Linke

Letztlich hat es sich gelohnt. Marquez dominiert wie einst, doch fährt er anders. "Ich habe meinen Fahrstil nach den Verletzungen geändert. Ich kann es mir nicht mehr erlauben, für viele Runden aggressiv zu fahren. Ich war gezwungen meinen Fahrstil an meinen körperlichen Zustand anzupassen", reflektiert der Spanier. Unterstützt hat ihn dabei auch ein alter Freund. Mehr dazu hier:

Ebenso hilft ihm seine Desmosedici, diese neue Vorgehensweise umzusetzen: "Ich fühle mich extrem wohl auf dem Motorrad. Wenn du gegen es ankämpfen musst, dann bist du manchmal sogar noch langsamer. Jetzt sieht es so aus: Je präziser ich fahre, desto schneller bin ich. Das gefällt mir, denn es bedeutet, dass es für meinen Körper weniger anstrengend ist."

Bester Marc Marquez der Karriere? "Rekorde interessieren mich nicht"

Dieser neue Marquez fährt zwar optisch nicht so spektakulär wie früher, aber vielleicht sogar noch besser? "Fünf Siege in Serie sind mir schon in der Vergangenheit gelungen, aber ich glaube jetzt ist das noch schwieriger, denn wir haben den Sprint und den Grand Prix. Ich habe in den letzten fünf Rennen jeweils 37 Punkte geholt. Das ist wohl noch schwerer, als an den Sonntagen zu gewinnen", schätzt er seine eigene Leistung ein.

Seine Sprint-Erfolge schätzt Marquez hoch ein, Foto: Ducati Media
Seine Sprint-Erfolge schätzt Marquez hoch ein, Foto: Ducati Media

Längst wird er nicht mehr nach einem Titelkampf gefragt. Es geht um die mögliche Rekordjagd in der zweiten Saisonhälfte. Von dieser will Marquez aber gar nichts wissen: "Die Priorität liegt einzig und allein auf dem Gewinn der Meisterschaft. Ich bin da ehrlich: Jetzt kann ich nur noch verlieren. Es sind noch zehn Rennen zu absolvieren und wir sollten diese mit der gleichen Einstellung wie bisher angehen. Das Team muss denselben Sportsgeist zeigen und wir müssen unser Bestes geben. Die Rekorde interessieren mich nicht. Ich möchte einfach nur wieder Weltmeister sein."

Dass er das wieder sein wird, daran besteht kein Zweifel. Die Frage lautet nurmehr, wann der siebte Titel in der Königsklasse fixiert wird. Er wurde sogar nach einem möglichen Titelgewinn beim Ducati-Heimrennen in Misano Mitte September gefragt. Doch auch von der Aussicht auf solche Superlative hält er nichts. Das ging schon einmal schief: "Ich habe 2014 diese Erfahrung gemacht. Da wollte ich die Meisterschaft so früh wie möglich klarmachen und dann bin ich in Misano und Aragon gestürzt."

Marc Marquez geht von Ende der Siegesserie aus: 37 Punkte nicht immer möglich

Rekorde zu erzwingen, steht diesmal also nicht auf dem Programm. Dennoch will der Ducati-Star seinen aktuellen Erfolgslauf natürlich fortsetzen. Gleichzeitig geht er aber auch von dessen Ende aus: "Natürlich werde ich versuchen, an jedem Wochenende 37 Punkte mitzunehmen, aber manchmal wird das nicht möglich sein." Letztlich steht eines über allem: "Wenn die Leute über Rekorde sprechen, dann weil sich ein Fahrer ihnen nähert. Unser Ziel ist es, zu gewinnen. Im zweiten Teil der Saison geht es um den Sieg in der Meisterschaft." Dass es zu diesem kommen wird, daran zweifelt angesichts von 120 Punkten Vorsprung wirklich niemand mehr.

Auch Bruder Alex Marquez gibt sich keinen Illusionen mehr hin. Seine Titelchance ist dahin, doch das ist kein Grund für Schwarzmalerei: