Sprint- und Grand-Prix-Sieg, 37 Punkte, WM-Führung ausgebaut. Marc Marquez hatte am Sonntag in Assen allen Grund zur Freude. Dennoch verzichtete der MotoGP-Superstar infolge der Dutch TT auf öffentliche Freudensprünge - und zwar nicht nur, weil sich Bruder Alex einen Bruch der linken Hand zugezogen hatte, operiert werden muss und potenziell vor einem Ausfall am Sachsenring steht. Die Startnummer 93 brachte am Sonntag vielmehr etwas anderes auf die Palme, das sich bereits am Vortag ereignet hatte.
24 Stunden zuvor musste sich Alex Marquez infolge des Sprints auf dem TT Circuit Assen nämlich teils sehr harte Kritik gefallen lassen. Er hätte gar nicht versucht, den älteren Bruder anzugreifen und würde gegen ihn vorsichtiger fahren als gegen andere Piloten. Das war der eindeutige Tenor und Vorwurf zahlreicher Fans und einiger internationaler Medien. Mit Joan Mir hatte sich selbst ein Fahrerkollege gefragt, warum eine Attacke gegen Marc Marquez ausgeblieben war. Alex Marquez hatte sich daraufhin schon am Samstagnachmittag zur Wehr gesetzt. Er beteuerte, alles ihm Mögliche versucht zu haben - und darf sich laut Bruder Marc in seinen Erläuterungen nun bestätigt sehen.
Marc Marquez: Rennen zeigt, dass Überholen einfach schwer war
Ähnlich wie im Sprint führte Marc Marquez nämlich auch das Hauptrennen in Assen wieder über weite Strecken an, lag direkt vor Marco Bezzecchi. Der Aprilia-Pilot wirkte phasenweise schneller, kam aber nicht vorbei. "Ich war auch heute wieder nicht der Schnellste da draußen, aber ich konnte das Rennen wieder so verwalten wie ich wollte", unterstrich Marquez diese These. "Wie schwierig es gewesen sei, dem Bezzecchi-Druck standzuhalten? "Sehr schwierig!"
Doch Marquez schaffte es bis zum Schluss, sah sich zu keinem Zeitpunkt einer Attacke des Aprilia-Piloten ausgesetzt - ebenso wie am Samstag, als Bruder Alex nicht vorbeikam. "Ich muss wirklich sagen, dass die Leute uns Fahrern mehr Respekt entgegenbringen müssen", setzte der MotoGP-Star daher zu einer Wutrede an. "Gestern wurde in den Medienrunden damit angefangen, dass mich mein Bruder nicht attackieren würde wie andere Fahrer und meine Mechaniker haben mir erzählt, dass auch in den Sozialen Medien viele Fans etwas derartiges geschrieben hätten. Warum hat mich Marco dann heute nicht angegriffen?"
"Wenn der Vordermann auf einem gewissen Level fährt, dann ist es auf einer solch engen Rennstrecke wie hier einfach unfassbar schwer, zu überholen. Ich habe mich gestern gegen Alex einfach gut verteidigt und heute habe ich gegen Marco das gleiche wieder getan. Ich wusste, dass sie in den Kurven elf und zwölf schneller sein würden. Aber wenn du dort auf der richtigen Linie fährst, kannst du dort nicht überholt werden", meint Marquez. Ähnliche Worte hatte am Samstag bereits auch Bruder Alex gefunden, geglaubt hatten ihm damals aber längst nicht alle.
Mehr Respekt für MotoGP-Fahrer: Jeder gibt immer sein Bestes!
Marc Marquez stieß das am Sonntag sauer auf. Der Ducati-Star schäumte weiter: "Ich sage es nochmal: Ihr müsst uns MotoGP-Fahrern den nötigen Respekt entgegenbringen! Alle Fahrer geben für ihre Farben und für ihre Teams alles. Jeder in diesem Grid will gewinnen. Es kann aber nun mal immer nur einer gewinnen." An Samstag und Sonntag war dies die Startnummer 93 - und zwar nicht, weil Alex Marquez oder Bezzecchi nicht ihr Möglichstes taten, um den Sieg von Marc Marquez zu verhindern. Sondern schlicht, weil Letzterer in Sprint und Grand Prix einmal mehr am cleversten agierte. "In den Bremszonen war ich stark genug, ich musste [in Kurve 11 und 12, Anm.] nur auf der richtigen Linie fahren. So habe ich die 37 Punkte eingesackt."
Der WM-Titel scheint Marc Marquez damit kaum noch zu nehmen. Wie es mit dem amtierenden Weltmeister Jorge Martin weitergeht, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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