Mehr Spektakel als am Rennsonntag der Motorrad-Weltmeisterschaft in Silverstone kann sich ein Fan eigentlich nicht wünschen. In der Moto3 siegte Jose Antonio Rueda vom letzten Startplatz aus, in der Moto2 gewann Senna Agius einen sensationellen Showdown zwischen fünf Fahrern auf den letzten Metern und das MotoGP-Rennen lieferte mit vielen Überholmanövern, Stürzen der Marquez-Brüder, einem Abbruch, dem bitteren Ausfall von Fabio Quartararo und dem völlig überraschenden Sieg von Marco Bezzecchi und Aprilia ohnehin Drama für eine gesamte Saison.

MotoGP-Stars liefern Liebeserklärung an Silverstone

Die MotoGP-Stars schwärmten deshalb anschließend verständlicherweise. "Silverstone ist eine wirklich schöne Strecke, auf der trotz der großen Länge immer alle Fahrer sehr eng beisammen liegen. Das ist echt cool", sagte Sieger Bezzecchi. Johann Zarco fühlt sich in Silverstone an eine andere Perle des MotoGP-Kalenders erinnert: "Es ist hier ein bisschen wie auf Phillip Island. Silverstone ist eine Strecke mit vielen schnellen Kurven, wo du zwischen den einzelnen Fahrern große Geschwindigkeitsunterschiede hast. Dadurch gibt es viele Überholmöglichkeiten. Es ist eine absolut spektakuläre Oldschool-Strecke und ich mag sie sehr." Marc Marquez konnte nur zustimmen: "Die Strecke ist eine der schwierigsten im Kalender aber dadurch auch sehr schön."

Siegfähig! Bezzecchi-Triumph ist Balsam für die Aprilia-Seele (08:55 Min.)

So weit, so gut. Weniger schön war am gesamten Wochenende allerdings der Blick auf die Tribünen. Gerade einmal 40.518 am Sonntag Fans verirrten sich am Sonntag nach Silverstone, über das Wochenende waren es 99.328. Zum Vergleich: Le Mans durfte 311.797 Fans begrüßen, Buriram 224.634, Jerez 224.420, Termas de Rio Hondo 208.979, Austin 125.806. Nur der Katar-GP war mit 50.321 Zusehern noch schlechter besucht als das Event in Silverstone.

Neuer Silverstone-Termin wird zum MotoGP-Flop

Die 99.328 Fans im Jahr 2025 bedeuteten auch einen Negativrekord seit der Rückkehr der MotoGP nach Silverstone im Jahr 2010. In diesem Zeitraum wurde ein ohnehin schon nicht berauschender Schnitt von 135.775 Fans pro Wochenende erreicht. Die Verlegung des Rennens vom August in den Mai ging gründlich in die Hose, 2026 kehrt man wieder in den Sommer zurück. Wieso aber bietet Silverstone unabhängig vom Termin eine derartig traurige Kulisse für die Motorrad-Weltmeisterschaft?

Marc Marquez setzt sich gegen Franco Morbidelli und Alex Marquez durch
An Renn-Action mangelt es in Silverstone nie, Foto: IMAGO / CordonPress

Einige Gegebenheiten auf dem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt sind schlicht alles andere als ideal für ein tolles Fan-Erlebnis: Die Tribünen sind größtenteils weit von der eigentlichen Strecke entfernt, was für den Zuseher vor Ort natürlich schlecht ist. Das Wetter in Silverstone ist, wie auch in diesem Jahr, nur selten einladend. Hinzu kommen hohe Kosten für einen Wochenendausflug: Zwar sind die Ticket-Preise auf durchschnittlichem Niveau, Unterkünfte und Gastronomie kosten aber deutlich mehr als bei anderen Rennen in Europa.

MotoGP in Silverstone im Schatten der Formel 1

Garniert wird all das mit dem Eindruck, dass die MotoGP für die Verantwortlichen in Silverstone nicht viel mehr als ein lästiges Anhängsel des Kassenschlagers Formel 1 ist. Die Königsklasse auf vier Rädern sorgte im Vorjahr mit unglaublichen 480.000 Fans für ausverkauftes Haus beim Großbritannien-GP. Daran wird sich 2025 kaum etwas ändern. Ein gewaltiger wirtschaftlicher Erfolg für den Silverstone Circuit ist garantiert und macht den Motorrad-Grand-Prix so eigentlich obsolet. Das ist spürbar: Plakate, Banner oder irgendeine andere Form von Werbung für die MotoGP suchte man vor und während dem Rennwochenende in Silverstone und Umgebung vergeblich. Fans zeigten sich enttäuscht, dass in den offiziellen Verkaufsständen nur Formel-1-Artikel und kein MotoGP-Merchandise erhältlich war.

KTM-Rettung fix, aber: MotoGP 2027 nur wenn leistbar! (08:53 Min.)

Dass Silverstone für die MotoGP nicht der ideale Austragungsort ist, weiß Promoter Dorna bereits seit Jahren. Bereits 2015 hätte der Großbritannien-GP an den Circuit of Wales umsiedeln sollen, doch das Projekt kam nie über die Planungsphase hinaus und wurde zum Politskandal. Alternativen auf der Insel gibt es für die MotoGP nicht: Donington kann den gewaltigen Tross infrastrukturell nicht mehr beheimaten und herrliche Rennstrecken wie Oulton Park, Snetterton, Knockhill, Brands Hatch, Thruxton oder Cadwell Park sind sicherheitstechnisch meilenweit von den Standards der Königsklasse entfernt. Diese Austragungsorte bespielt die Britische Meisterschaft höchst erfolgreich und zeigt damit, dass Motorradsport im Vereinigten Königreich sehr wohl funktioniert, wenn der richtige Mix aus einer für Fans attraktiven Rennstrecke, einem tollen Rahmenprogramm und fairen Preisen geboten wird.