Mehrfache Wetterwechsel, ein abgebrochener Rennstart, 32 Boxenstopps, 16 Strafen und 13 Stürze - der Frankreich-Grand-Prix verkam vor anderthalb Wochen zu einem vollkommenen Tohuwabohu, das in einem höchst emotionalen Sensationssieg von Lokalmatador Johann Zarco mündete. Bis heute dürfte sich so mancher MotoGP-Fan von dieser Achterbahn der Gefühle nicht vollständig erholt haben - und da steht potenziell schon das nächste Wetterchaos ins Haus.

Für Samstag und Sonntag besteht den Prognosen verschiedenster Wetterdienste zufolge nämlich eine gute Chance auf Niederschlag. Speziell im Qualifying am Samstagvormittag könnten die MotoGP-Stars in Silverstone auf nasser Piste ran müssen, dort liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei rund 70 Prozent. Rund um den Sprintstart am Samstagnachmittag [17 Uhr MEZ, Anm.] besteht ebenfalls noch eine hohe Regenchance mit 50 Prozent. Erst zum Sonntag nimmt die Wahrscheinlichkeit dann etwas ab, sie sinkt im Verlauf des Mittags von 40 auf 20 Prozent.

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MotoGP fürchtet in Silverstone Windböen jenseits der 50 km/h!

Das Highlight eines jeden MotoGP-Wochenendes, der Grand Prix [Start 14 Uhr MEZ, Anm.], könnte also durchaus auch im Trockenen ausgetragen werden - sofern denn überhaupt gefahren werden kann. Denn weniger der Regen, sondern vielmehr starker Wind lässt die Königsklasse an Samstag und Sonntag zittern. Vormittags warnen diverse Wetterdienste in Silverstone jeweils vor Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h, nachmittags dann sogar vor Windböen mit Geschwindigkeiten um die 55 km/h.

Zur Einordnung: In der Beaufort-Windskala wird bei solchen Windgeschwindigkeiten von sturmähnlichen Bedingungen gesprochen. Von Bäumen können Äste abbrechen, ein Mensch spürt beim Gehen ordentlich Widerstand. Dass also Motorradfahren in solchen Bedingungen nicht ohne Weiteres möglich ist, erklärt sich eigentlich von selbst.

Miguel Oliveira warnt MotoGP vor gefährlichen Windböen

"Der schnelle, fließende Teil der Strecke wird durch die Windprognose für die nächsten Tage nur noch härter. Über 40 km/h wird es schwierig", stimmte am Donnerstag auch Miguel Oliveira zu. Die MotoGP sollte also gewarnt sein, denn der Portugiese weiß nur zu gut, wovon er redet. 2019 wurde Oliveira in seiner Rookie-Saison auf Phillip Island schon einmal im Training von einer Windböe von der Strecke getragen, kam daraufhin zu Sturz und verletzte sich so schwer, dass er die letzten beiden Rennen des Jahres in Sepang und Valencia auslassen musste.

Miguel Oliveira wurde 2019 auf Phillip Island einfach von der Strecke geblasen, Foto: Screenshot/MotoGP
Miguel Oliveira wurde 2019 auf Phillip Island einfach von der Strecke geblasen, Foto: Screenshot/MotoGP

"Das wird sehr, sehr schwer werden, speziell aufgrund der fließenden Charakteristik dieser Strecke", sagt der Pramac-Pilot nun mit Blick auf die potenziellen Windgeschwindigkeiten über 50 km/h. Er warnt: "In einer Runde kannst du auf Kurs bleiben und in der nächsten wirst du von der Strecke geblasen. Wenn dann noch der Slipstream von anderen Bikes dazukommt … da helfen auch die Aeropakete überhaupt nicht. Alles ist auf Downforce ausgelegt. Du lenkst das Bike ein und erwartest, dass etwas bestimmtes passiert und dann kommt eine Windböe und drückt das Motorrad in eine ganz andere Richtung."

Droht dem Großbritannien-GP der erneute Ausfall?

Auf die Rennleitung um Rennleiter Mike Webb könnte in den kommenden Tagen also eine schwierige Aufgabe zukommen. Sie müssen einschätzen, ob die Streckenbedingungen zu jeder Zeit noch sicher genug sind, um Rennen zu fahren. 2018 musste in Silverstone aufgrund von Schlechtwetter auch schonmal ein Grand Prix ausfallen, 2023 fiel der Sprint auf Phillip Island einem Sturm zum Opfer. Wollen wir im Sinne des Sports hoffen, dass so etwas an diesem Wochenende nicht nötig sein wird. Zumindest mit etwas Regen könnte sich aber speziell Johann Zarco gerne anfreunden. "Da gibt es immer die Chance, dass etwas Unglaubliches passiert", hofft er auf ein spannendes Rennen.

2018 fiel der Großbritannien-GP dem Wetter zum Opfer, Foto: HRC
2018 fiel der Großbritannien-GP dem Wetter zum Opfer, Foto: HRC

So oder so: MotoGP-Boss Carmelo Ezpeleta wird in Silverstone nicht am Start sein. Er verpasst damit nach 33 (!) Jahren erstmals einen Grand Prix. Wie es dazu kommt, erfahrt ihr in diesem Artikel: