Vor einem Jahr waren in Valencia alle Augen auf Marc Marquez gerichtet, als dieser im Gresini-Team seine ersten Runden auf der Ducati Desmosedici abspulte. Rund 12 Monate später stand der MotoGP-Superstar erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Diesmal absolvierte Marquez in Barcelona sein Debüt für das Ducati-Werksteam, das ihn im Frühsommer als neuen Teamkollegen von Francesco Bagnaia auserwählt hatte. Mit Platz vier legte er bei der Premiere in Rot dabei gleich gut los.

Lediglich 0,056 Sekunden musste sich Marquez seinem entthronten Weltmeister-Stallgefährten im letzten MotoGP-Test des Jahres geschlagen geben. Überraschend kommt das ob der starken 2024er-Saison des 31-jährigen Spaniers natürlich nicht, beeindruckend ist es aber trotzdem. Denn Marquez fuhr die abgelaufene Saison bei Gresini bekanntlich auf der Vorjahres-Ducati GP23. Nun sprang er - anders als Bagnaia - ohne größere Eingewöhnungsphase auf der GP24 auf die erste Version der GP25, die beim Sepang-Test im Februar noch weitere Updates erhalten soll.

Marc Marquez meistert MotoGP-Sprung von GP23 auf GP25 problemlos

"Ich bin zu 90 Prozent der Zeit auf der GP25 gefahren", berichtete Marquez am Dienstagabend nach Testende. Sein erster Eindruck? "Das Bike hat einige positive Dinge, die besser funktionieren. Der Motor fühlt sich auf den Geraden, verglichen mit dem 23er-Bike, besser an. Außerdem sieht es so aus, als hätte sich der Charakter des Motorrads beim Kurveneingang etwas verändert. Da muss ich noch herausfinden, wo das Limit liegt."

Keine Liebe auf den ersten Blick also, doch der Grundspeed scheint schonmal zu stimmen. Sonderlich großen Wert legte Marquez darauf am Dienstag allerdings nicht. Dem sechsmaligen MotoGP-Weltmeister war eine andere Sache viel wichtiger: Die problemlos gelungene Integration in das Ducati-Team. "Mein Gefühl war sehr gut, speziell gemeinsam mit dem Team und das ist sehr wichtig", sagt er und meint: "Wir haben beim ersten Aufeinandertreffen direkt auf gute Art und Weise zusammengearbeitet."

Marc Marquez in der Ducati-Box
Marc Marquez war in Barcelona direkt ein gefragter Mann, Foto: Tobias Linke

Marc Marquez bereits gut ins Ducati-Werksteam integriert

Eine Selbstverständlichkeit war das nicht, denn Marquez galt schließlich jahrelang als die große Nemesis des Ducati-Werksteams. Gleich dreimal brachte er, damals noch als Honda-Pilot, die Ducatisti und deren damalige Speerspitze Andrea Dovizioso im WM-Kampf zur Weißglut, behielt sowohl 2017 als auch 2018 und 2019 die Oberhand. Auf den erlösenden ersten Fahrer-WM-Titel seit Casey Stoner im Jahr 2007 musste Ducati dadurch bis 2022 warten, ehe sich Bagnaia in einem dramatischen WM-Kampf mit Fabio Quartararo behaupten konnte.

Marc Marquez lieferte sich einst epische WM-Kämpfe mit Ducati und Andrea Dovizioso, Foto: Ducati
Marc Marquez lieferte sich einst epische WM-Kämpfe mit Ducati und Andrea Dovizioso, Foto: Ducati

Innerhalb des Ducati-Teams scheint man die bitteren WM-Niederlagen gegen Marquez aber längst verarbeitet zu haben. Am Dienstag wurde der MotoGP-Superstar direkt vollständig in die Entwicklungsarbeit des Herstellers aus Borgo Panigale eingespannt. "Ich habe viel Arbeit für die Ingenieure geleistet", verrät Marquez und hatte daher auch nie das Gefühl, in der roten Lederkombi Fehl am Platz zu sein. "Es war eine Freude [heute zu fahren, Anm.]", strahlt er.

Auch die Zusammenarbeit mit seinem neuem Teamkollegen und potenziellen Titelrivalen Francesco Bagnaia klappte in Barcelona bereits ganz gut. "Pecco hatte einen etwas anderen Testplan, aber wir haben sehr ähnliche Kommentare abgegeben. Wir hatten die gleichen Probleme und haben die gleichen Vorteile gesehen", sagt die Startnummer 93 und gibt nun die Richtung für die restlichen Testfahrten vor Saisonstart in Thailand vor: "Wir müssen jetzt evaluieren. Wir brauchen ein konstant gutes Motorrad für 22 Rennen und nicht eines, das auf einer Art von Strecke besonders schnell ist und auf vielen anderen Strecken Probleme hat."