Jorge Martin wird im MotoGP-Sprint von Thailand direkt vor WM-Rivalen Francesco Bagnaia Zweiter und baut seine Führung in der Gesamtwertung somit um weitere zwei Punkte auf nun 22 Zähler aus. Vorangegangen waren diesem erneuten Etappensieg Martins aber strittige Szenen im Bezug auf die Track-Limits.
Francesco Bagnaia: Vier Vergehen von Jorge Martin!
Viele Fans fragten sich anschließend, wieso er straffrei geblieben war. Auch der erneut unterlegene Bagnaia gab sich verblüfft: "Ich habe begonnen, Jorges Vergehen mitzuzählen. Als er zwei hatte, dachte ich: 'Okay, eines noch und er bekommt eine Strafe.' Dann habe ich zwei weitere gezählt. Aber vielleicht ist mir da auch ein Fehler unterlaufen, denn ich konnte es nicht wirklich sehen." Motosport-Magazin.com liefert die Erklärung, warum es keine Strafe für Martin gab.
Szene 1: Der Start in den MotoGP-Sprint
Schon in der ersten Kurve des MotoGP-Sprints ging es zur Sache. Bagnaia fuhr von der Pole Position aus als Erster auf Turn 1 zu, Martin attackierte ihn auf der Innenbahn. Martin ging dabei weit und kam von der Strecke ab, auch Bagnaia musste dadurch weitgehen. Hierbei handelte es sich aber um kein Track-Limit-Vergehen. Grund dafür sind die in Buriram an mehreren Stellen verbauten 'Misano-Kerbs'. Diese Norm sieht eine Breite von zwei Metern für die Kerbs und einen negativen Höhenunterschied von fünf Zentimetern an der Außenseite vor. Ein Überfahren dieser Kerbs soll so mit einem automatischen Zeitverlust einhergehen. Deshalb ist die Auslaufzone dahinter in diesem Fall auch nicht grün, sondern blau bemalt. Das bedeutet, dass in dieser Kurve keine Track-Limit-Vergehen registriert werden.
Szene 2: Das Überholmanöver
Nachdem Bagnaia und Martin durch ihr Duell in Kurve eins auf die Ränge drei und fünf zurückgefallen waren, fanden sie sich in Runde sieben auf den Plätzen zwei und drei wieder. Bagnaia lag vor Martin, der aber in Kurve sieben seinen Widersacher attackierte und an ihm vorbei ging. Am Kurvenausgang holperte Martin aber über die Kerbs in die asphaltierte Auslaufzone.
In diesem Fall ist diese Auslaufzone grün, es handelte sich somit um ein klares Track-Limit-Vergehen, das so auch von den Stewards registriert wurde. Die große Frage ist allerdings, ob Martin in dieser Situation nicht die gewonnene Position an Bagnaia zurückgeben hätte müssen. "Erarbeitet sich einen Fahrer durch ein Track-Limits-Vergehen einen Vorteil in Form einer Position oder Zeit, wird sofort eine Strafe ausgesprochen", erklärt Rennleiter Mike Webb. Die Verantwortlichen lassen sich hier aber eine Hintertüre offen, "wenn es nicht möglich ist, zu erkennen, ob ein Vorteil vorliegt oder nicht."
Martin war zu jenem Zeitpunkt, als er die Strecke verlassen hat, bereits klar vor Bagnaia. Auch ein Zeitgewinn lag nicht vor, abgesehen von der Startrunde war diese Lap 7 sogar Martins langsamster Umlauf im betreffenden Sektor 3. Ein Fall von 'Im Zweifel für den Angeklagten' also und somit eine wohl richtige Entscheidung der Stewards. So wurde für Martin ein simples Track-Limit-Vergehen registriert, was auch mittels der 'Track-Limit-Warning' mitgeteilt wurde. Diese wird im Sprint ja nach dem ersten Vergehen ausgesprochen, beim dritten Vergehen kommt es zur Strafe in Form einer Longlap-Penalty.
Szene 3: Schon wieder Kurve sieben
Zwei Runden nach seinem Überholmanöver inklusive Ausritt in Kurve sieben wurde es für Martin an derselben Stelle erneut haarig. Er rumpelte mit seiner Ducati an der Kante des Kerbs entlang. Mit bloßem Auge war nicht zu erkennen, ob Martin innerhalb oder außerhalb der Track-Limits war. Die Stewards konnten die Szene mit Hilfe von Sensoren und zusätzlichen Kameraeinstellungen aber auflösen und registrierten ein weiteres Track-Limit-Vergehen. Nummer zwei also für Martin, der aber die restliche Sprintdistanz sauber blieb und so einer Bestrafung entging.
Fazit zur Track-Limit-Debatte
Jorge Martin schlitterte im MotoGP-Sprint von Thailand definitiv hauchdünn an einer Strafe vorbei. Sein Überholmanöver gegen Bagnaia war aufgrund des Track-Limit-Vergehens wenig später durchaus strittig. Da ein klarer Vorteil in dieser Situation aber wohl nicht zu erkennen war, scheint die Entscheidung der Stewards korrekt. Martins Sieg im Duell mit Bagnaia war somit vom Reglement gedeckt.



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