Die MotoGP-Weltmeisterschaft biegt mit dem Thailand Grand Prix so langsam auf die Zielgerade der Saison 2024 ein, nur zwei Rennwochenenden stehen danach noch aus. Im Titelkampf hatte vor dem Sprint in Buriram dabei Jorge Martin die Nase um 20 Punkte vorne, Francesco Bagnaia müsste eigentlich mit erhöhtem Risiko Boden gutmachen. Am Samstag war es jedoch nicht der amtierende Weltmeister, sondern sein potenzieller Thronfolger, der im 13 Runden umfassenden Sprint mehr riskierte - und dafür auch belohnt wurde.

Los ging es bereits beim Start, als Martin in der ersten Kurve gegen Bagnaia reinhielt und beide Piloten weitschickte. Enea Bastianini wurde zum großen Nutznießer, schlüpfte innen durch und ließ sich anschließend nicht mehr einholen. Während sich Bagnaia auf Rang zwei wieder einsortierte, krachte Martin beinahe in Marc Marquez und musste kurzzeitig das Gas schließen. Nur noch auf Platz fünf liegend, sah nun alles nach einem Punktgewinn des Titelverteidigers aus, doch Martin legte ein beeindruckendes Comeback hin.

Mit Messer zwischen den Zähnen: Jorge Martin geht volles WM-Risiko

Gleich in der zweiten Runde schnappte er sich Pedro Acosta und zwar in eben jener Kurve, in der er wenige Stunden zuvor im Qualifying noch gestürzt war. Ein erster Fingerzeig, dass am Samstag nicht mit dem 'Martinator' zu spaßen war. Am Ende der vierten Runde drückte er sich dann in der Schlusskurve an Marquez vorbei und drei Umläufe später dann auch mit einem Mut-Manöver an Bagnaia in der Schikane von Turn 6 und 7. Dabei kam er leicht von der Strecke ab, blieb jedoch ohne Bestrafung. Anschließend verteidigte der Spanier Platz zwei bis zum Schluss.

"Das war das schwierigste Rennen dieser Saison", bilanzierte der WM-Leader anschließend in seiner Medienrunde. Dass ihm dabei ein solch starkes Comeback in schwierigen Bedingungen - der Vorderreifen neigt in Thailand aufgrund der hohen Außentemperaturen im Verkehr zur Überhitzung und macht Überholen somit sehr schwer - gelungen war, überraschte ihn dabei selbst. Aber der Pramac-Pilot hatte bei seinen Manövern "das Messer zwischen den Zähnen". Das WM-Risiko war ihm dabei bewusst, letztlich aber auch egal: "Platz fünf wäre heute wohl genug gewesen, aber mit Pecco auf P2 habe ich mir gesagt: 'Nein, du musst ihn noch bekommen!'"

Dass das noch klappte, lag auch daran, dass Bagnaia im Sprint nicht das identische Leistungsniveau wie im Qualifying abrufen konnte. "Ich habe schon nach zwei oder drei Runden verstanden, dass ich nicht gewinnen kann. Mein Gefühl war nicht gut, deutlich schlechter als am Vormittag", erklärte der Ducati-Pilot am Samstagnachmittag und verriet, dass ihm speziell die Bremse Probleme bereitete. "Wir müssen heute Nachmittag analysieren, was da schiefgelaufen ist", sagt er und weiß: "Zum Glück haben wir nur zwei Punkte verloren, aber morgen müssen wir anfangen, die Lücke wieder zu schließen."

Francesco Bagnaia hat im WM-Kampf nun schlechte Karten gegen Jorge Martin, Foto: LAT Images
Francesco Bagnaia hat im WM-Kampf nun schlechte Karten gegen Jorge Martin, Foto: LAT Images

Pecco Bagnaia im Nachteil: Zweite Plätze reichen Jorge Martin fortan

Martin hat sich mit dem Sieg im direkten WM-Duell nämlich in eine spannende Lage gebracht. In den fünf ausstehenden Rennen [3 GPs und 2 Sprints, Anm.] genügen ihm dank der 22 Punkte Vorsprung in der Fahrer-WM nun fünf zweite Plätze, um erstmals MotoGP-Weltmeister zu werden. Bagnaia kann seinen Titelgewinn in diesem Fall selbst mit fünf Siegen nicht mehr verhindern. Der Italiener braucht fortan also fremde Mithilfe, bleibt aber optimistisch. "Ich denke nicht, dass er jedes Rennen Zweiter werden wird. Er kann gewinnen, Fünfter werden oder stürzen. Es kann noch alles passieren", meint er und legt den Fokus daher auf die eigene Performance: "Wir müssen uns auf uns konzentrieren, denn heute dachte ich, dass ich gewinnen könnte, hatte dann aber große Probleme."

Auch Martin selbst will von seiner vorteilhaften WM-Lage übrigens nichts wissen. "Ich will nicht über Mathematik nachdenken, denn das wird mir nicht helfen. Es wird mich vielmehr ablenken", kommentiert der Pramac-Pilot. Den Thailand-GP am Sonntag will er daher angehen wie jedes Rennen zuvor: "Pecco, Marc … es gibt viele Bedrohungen. Ich werde sie alle als Herausforderung sehen und mit dem Ziel losfahren, vor ihnen anzukommen."

Täuschmanöver von Jorge Martin (07:04 Min.)

Was tippt ihr: Wer gewinnt den Thailand-GP? Und wer hat im WM-Duell die Nase vorne? Gebt uns eure Prognosen in den Kommentaren ab!