20 Punkte trennen Jorge Martin und Francesco Bagnaia drei Rennwochenenden vor Abschluss der MotoGP-Saison 2024 in der Fahrer-WM und auch im 1. Freien Training zum Thailand-GP ging es am Freitag wieder äußerst eng zwischen den beiden WM-Anwärtern zu. Lediglich 0,124 Sekunden trennte das Duo in der Vormittagssession auf dem Chang International Circuit. Das 60-minütige Training am Nachmittag verlief dann jedoch ziemlich konträr für die beiden Ducati-Piloten.

Zwar setzten sich Martin und Bagnaia schon nach wenigen Minuten wieder auf den vordersten Positionen fest, ab Minute 12 bogen sie jedoch in ziemlich unterschiedliche Richtungen ab. Zu diesem Zeitpunkt brach Bagnaia nämlich seinen ersten Run ab und kehrte an die Box zurück, während Martin noch einige weitere Runden abspulte. Als der Pramac-Pilot fünf Minuten später dann auch reinkam, konnte er beobachten, wie Bagnaia schon wieder rausfuhr - allerdings nur kurz: Nach einem Vorderradrutscher in Turn 6 kam der amtierende Weltmeister nämlich direkt wieder an die Box zurück.

Francesco Bagnaia verrennt sich beim MotoGP-Setup

Schnell wurde deutlich, dass Bagnaia nicht glücklich war, denn auch den dritten und vierten Run brach er schnell wieder ab und absolvierte innerhalb von gut 25 Minuten Trainingszeit somit nur eine einzige komplette fliegende Runde. Ganz anders Martin: Dieser wechselte, nachdem er im ersten Run 13 Runden [Sprintdistanz, Anm.] auf dem Medium-Rear abgespult hatte, zum zweiten Stint auf den harten Hinterreifen aus FP1 und legte dort weitere acht Runden nach, womit er darauf insgesamt 26 Umläufe und somit eine komplette GP-Distanz absolviert hatte. Während der WM-Leader also 20 Minuten vor Ende des Trainings bereits beide Rennen geprobt hatte, tappte Bagnaia (noch) im Dunkeln.

"Ich habe im Training ein anderes Setup ausprobiert, dadurch hat das Bike dann nicht mehr funktioniert", erklärt der Ducati-Star seine Schwächephase wenig später in seiner Medienrunde. "Wir haben versucht, das Setting anzupassen, aber das hat nicht funktioniert." Daraufhin wechselte der zweimalige MotoGP-Weltmeister zum FP1-Setup zurück - und war sofort wieder schnell. Pünktlich zum Beginn der 'Timeattacks' gegen Sessionende untermauerte er daraufhin seinen Platz im Spitzenfeld und zog ungefährdet in Q2 ein.

Genau das gibt Bagnaia nun Zuversicht für das restliche Wochenende: "Ohne eine sonderlich gute und präzise Runde zu fahren, war ich wieder schnell. Daher war es ein guter Freitag." Im Klassement stand letztlich zwar nur Platz vier, aber eben auch nur 0,195 Sekunden auf den Tagesschnellsten Marc Marquez sowie weniger als eine Zehntel zu Martin. Dennoch könnte die verlorene Trainingszeit speziell im direkten WM-Duell noch schwerwiegen, schließlich muss Bagnaia Punkte aufholen. "Er hatte einen ruhigeren Nachmittag und hat einen guten Job mit dem Medium und dem Hard gemacht. Vielleicht ist er also etwas besser für das Rennen ausgestellt", ahnt der Italiener, weiß aber auch: "Das werden wir erst morgen herausfinden."

Francesco Bagnaia kämpfte im Training mit dem Turning seiner Ducati, Foto: LAT Images
Francesco Bagnaia kämpfte im Training mit dem Turning seiner Ducati, Foto: LAT Images

Jorge Martin trotz Thailand-Vorteil: Hauptsache mehr Punkte als Bagnaia holen

Dafür spricht: Auch Martin selbst traut dem Braten (noch) nicht. Am Freitag danach befragt, ob er das Trainingsresultat - Martin P2, Bagnaia P4 - auch für Samstag und Sonntag unterschreiben würde, erklärte er: "Natürlich würde ich das unterschreiben. Letztlich ist es aber auch egal, denn ich denke sowieso nicht, dass das so bleiben wird. Wir werden sehen, wie das finale Ergebnis ausfallen wird. Ich fühle mich gut, aber auch Pecco und Marc schlagen sich sehr gut. Es wird mit Sicherheit wieder ein enges Rennen werden, das ist klar."

Mit Blick auf seinen Punktevorsprung will der 'Martinator' am Samstag jedenfalls nicht das allergrößte Risiko gehen. "Mein Ziel ist es nicht, einen neuen Rundenrekord zu fahren", sagt derjenige Pilot, der 2024 bereits sieben Pole Positions einfuhr - weit mehr als alle anderen Fahrer. "Mein Ziel ist es, einen guten Sprint zu fahren und das bestmögliche rauszuholen. Es wird wichtig sein, mich in Q2 einfach für die erste Startreihe zu qualifizieren. Wenn ich das schaffe, kann ich es vielleicht als Erster zur ersten Kurve schaffen. Das wäre gut, denn hier leidest du mit deinen Temperaturen sehr, wenn du hinter einem anderen Fahrer bist. Dann werden wir sehen, was im Sprint passiert."

Jorge Martin hatte am Freitag in Thailand sichtlich Spaß, Foto: LAT Images
Jorge Martin hatte am Freitag in Thailand sichtlich Spaß, Foto: LAT Images

Mit erwarteten Temperaturen von mehr 30 Grad in der Luft und über 50 Grad am Asphalt wird der Thailand-GP wohl zur Hitze- und Reifenschlacht verkommen. Dank des erfolgreichen Trainingsfreitages sieht sich Martin jedoch bestens gerüstet. "Ich habe viele Informationen gesammelt und als einziger schon alle Reifentests absolviert, ich kann mich jetzt rein auf den Speed konzentrieren", weiß der gebürtige Madrilene. "Das kann mir zugutekommen, ich bin schnell mit dem Medium. Aber das sind Pecco und Marc auch. Mein Hauptziel bleibt es daher, ihm [Bagnaia, Anm.] einfach ein paar Punkte wegzunehmen."

Täuschmanöver von Jorge Martin (07:04 Min.)