Der Titelkampf der MotoGP-Saison 2024 geht in die heiße Phase. Von einem starken Wochenende auf Phillip Island reist Jorge Martin mit einem Vorteil von 20 Punkten im Gepäck zum Thailand GP. Titelverteidiger Francesco Bagnaia muss nun zurückschlagen. Doch der Italiener ist zuversichtlich, dass auf der Strecke in Buriram auch zu können, obwohl Martin hier 2023 beide Rennen gewann.

Francesco Bagnaia: Martin hat 2023 zwar gewonnen, aber ich war schneller!

"Diese Strecke ist besser für mich, was die Konkurrenzfähigkeit angeht. Auf Phillip Island war ich in den letzten drei Jahren immer auf dem Podium, aber nie der schnellste. Eigentlich hatte ich jedes Jahr Probleme", erklärte 'Pecco' am Donnerstag. Im Australien GP hatte er sich deutlich geschlagen geben müssen. 10 Sekunden verlor er am Ende auf Sieger Marc Marquez und fast genauso viele auf Martin, der Zweiter wurde. Das will und darf ihm nicht noch einmal passieren. Doch der Chang International Circuit macht dem Ducati-Piloten Mut: "Hier ist eine Strecke, wo unser Potential größer ist. Ich liebe das Layout. Uns kann hier ein gutes Wochenende gelingen."

Jorge Martin siegt vor Brad Binder und Francesco Bagnaia im Thailand GP der MotoGP
2023 siegte Martin gegen Binder und Bagnaia, Foto: LAT Images

Doch wie kommt er darauf, dass er in Thailand stärker sein wird als sein Rivale? Immerhin hat Jorge Martin 2023 sowohl Sprint als auch Grand Prix in Thailand gewonnen. Bagnaia hat dieses Wochenende aber noch genau in Erinnerung, und interpretiert es in seine Richtung: "Phillip Island ist eine Strecke, wo Jorge Martin schon 2022 und 2023 schnell war. Hier hat er letztes Jahr aber gewonnen, weil er der cleverste war und nicht, weil er der schnellste war. Er war von Beginn an konkurrenzfähig, aber andere Fahrer waren schneller. Ich war stärker am Sonntag, hing aber eine Zeit lang fest. Als ich bei der Spitzengruppe ankam, hatte ich schon etwas stärkere Probleme mit dem Reifen." Deswegen stellt er fest: "Ich behaupte nicht, dass er nicht schnell sein wird, aber diese Strecke ist etwas mehr auf meiner Seite."

Marc Marquez über WM-Rivalen: Die haben keinen Spaß mehr

Martin selbst ging auf Bagnaias Theorien nicht direkt ein. Obwohl er in guter Form anreist und das Vorjahr ihn bestärken sollte, hielt er sich mit Kampfansagen wie die Bagnaias aber zurück. "Es wird heiß und schwierig. Marc [Marquez] und Pecco [Bagnaia] werden sehr stark sein. Es steht uns ein sehr hartes Wochenende bevor", war der kurze Ausblick des Pramac-Piloten auf das Wochenende.

Marc Marquez, Gresini Racing, Jorge Martin, Pramac Racing und Francesco Bagnaia, Ducati Team auf dem Podium
Marc Marquez schlug in Australien beide Titelrivalen, Foto: LAT Images

Eines ist klar: Es geht nun ans Eingemachte. Marc Marquez weiß dies nur zu gut. Er kennt die Situation der beiden Titelrivalen: "Es ist keine einfache Lage für sie. Ich kann mich erinnern, wie ich vor langer Zeit in dieser Position war. Du hast keinen Spaß dabei, du leidest. In drei Rennen wirst du wissen, ob du Weltmeister sein wirst, oder eben nicht." Entschieden sieht der sechsfache Champion die Sache noch lange nicht: "Martin hat einen kleinen Vorteil, also wird Pecco vielleicht etwas mehr Risiko gehen müssen, um das aufzuholen. Aber Pecco weiß, wie man einen Titel gewinnt. Er ist zweifacher Weltmeister."

Bagnaia redet Punktrückstand klein, Marquez will keine Rücksicht nehmen

Dieser kleine Vorteil, den Marquez anspricht, sind immerhin 20 Punkte. Doch auch Bagnaia redet diesen klein und seine Chancen damit stark: "Wenn du vor zwei Jahren [als es noch keine Sprints gab, Anm. d. Red.] drei Rennen vor Schluss mit 20 Punkten Rückstand angereist wärst, wäre es kritischer als jetzt gewesen. Jetzt können wir jedes Wochenende 12 Punkte mehr mitnehmen. Da ist es einfach, eine Menge aufzuholen oder zu verlieren. Das war vor zwei Jahren noch anders. 20 Punkte sind keine riesige Lücke mehr, aber 20 Punkte. Ich muss aufholen." Insgesamt können noch 111 Zähler eingefahren werden.

Eingreifen in diesen Kampf um die entscheidenden Punkte könnte auch Marquez, indem er sich zwischen die beiden schiebt, oder wie zuletzt in Phillip Island davor. Eine mögliche Beeinflussung der Weltmeisterschaft interessiert den Spanier aber überhaupt nicht, auch wenn Ducati sicher lieber seinen künftigen Teamkollegen Bagnaia als Weltmeister sehen will. "Selbst wenn sie um den Titel fahren, sind sie einfach andere Fahrer für mich. Du versuchst nie ein Überholmanöver in der Absicht, mit dem anderen zu kollidieren. Das willst du immer vermeiden. Ich kämpfe um Rang Drei in der Meisterschaft. Es ist nicht Platz Eins, aber es ist mir wichtig. Ich werde also mein Bestes geben", kündigt Marquez an. Schützenhilfe von der Nummer 93 kann sich Bagnaia also nicht erwarten. Doch wenn er in Thailand wirklich so stark wie angekündigt ist, dann braucht er sie vielleicht auch gar nicht, um die WM weiter spannend zu halten.