Nicht Francesco Bagnaia, nicht Jorge Martin und auch nicht Marc Marquez. Der Sprintsieger in Silverstone hört auf den Namen Enea Bastianini. In einem spannenden Duell gegen Jorge Martin und Aleix Espargaro konnte sich der nächstjährige KTM-Pilot schließlich durchsetzen und seinen ersten Sprinterfolg einfahren. Mit einer derartigen Performance hatte er selbst nicht gerechnet.
Im Übrigen war es nicht nur der erste Sieg von 'La Bestia' über die halbe Distanz am Samstag - es war sogar sein erstes Podium im Format, welches seit 2023 abgehalten wird. Bisher kam er nicht über den vierten Rang hinaus, den er schon dreimal in dieser Saison einfuhr. Nun hält er in Großbritannien die erste Goldmedaille in den Händen.
Enea Bastianini: Habe gepusht wie ein Bastard
"Ich habe gepusht wie ein Bastard, genau wie Jorge", schmunzelte der Italiener nach dem Rennen. "Es waren verrückte 10 Runden, wir waren komplett am Limit und sind unglaubliche Zeiten gefahren", blickte er auf das Duell gegen Martin zurück. "Das war wirklich nicht einfach. Vor Allem in den ersten vier Runden war es schwierig Jorge zu folgen. Danach habe ich aber gesehen, dass er etwas andere Linien gefahren ist als ich und ich habe versucht, mich im dritten Sektor daran anzupassen", verriet er sein Erfolgsrezept.
Genau das half dem Ducati-Werkspiloten den Angriff in Kurve neun zu wagen und das Überholmanöver für den Sieg zu setzen. "Danach war es dann wichtig, eine Lücke für die letzte Runde zu haben, weil er dort sehr schnell ist. Das hat aber gut funktioniert, darüber bin ich sehr glücklich."

Woher kommt der Leistungssprung? Bastianini unsicher
Wie erwähnt steht Bastianini beim Sprint in Silverstone erstmalig in dieser Saison ganz oben auf dem Podest. Seine Leistungen sind in diesem Jahr zwar sehr konstant (er beendete 8 von 9 Grands Prix und 8 von 10 Sprints in den Top-6), auf einem Niveau mit Martin und Bagnaia war er dabei aber nur selten. Woher kommt also die Leistungssteigerung beim Auftakt der zweiten Saisonhälfte?
"Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ich habe nichts verändert", wunderte sich der 26-Jährige. "Schon von Freitag an war der Eindruck einfach gut. Ich hatte den Reifen stets im Griff und verstand auch, wie ich die Leistung für das Qualifying raushole. Vielleicht hatte ich zuvor einfach kein Glück."
Bastianini Favorit für den GP-Sieg in Silverstone?
Nach dem Erfolg am Samstag darf die Startnummer 23 nun mit breiter Brust am Sonntag an den Start. Dort gehen die MotoGP-Piloten mit besonderen Retro-Lackierungen ins Rennen. Siegessicher ist er sich allerdings (noch) nicht. "Ich denke morgen wird es ein ganz anderes Rennen. Heute haben wir eigentlich zu stark gepusht. Mit dem Hinterreifen war es in den letzten zwei oder drei Runden nicht mehr einfach."
Über die doppelte Distanz wird ein derartiges Einprügeln auf die Michelin-Pneus nicht mehr möglich sein. "Morgen wird es zwei Phasen geben. Im ersten Teil musst du dafür sorgen, dass du den Hinterreifen für den Schluss aufsparst. Dafür wird es wichtig sein, dass du die richtige Reifenmischung wählst. Danach kommt es dann auf die Schlussattacke an."
Mit dem Sieg am Samstag zog Bastianini in der Fahrerwertung an Marc Marquez vorbei und eroberte den dritten Rang zurück. In der Rangliste liegt er aber nur denkbar knapp mit einem Zähler Vorsprung vor dem achtfachen Weltmeister, der im Sprint zu Sturz kam. Auch Stallgefährte Francesco Bagnaia leistete sich den nächsten Fauxpas und schmiss (mindestens) sechs WM-Punkte ins Kiesbett von Silverstone.



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