Die Ducati-Saga hat nun den Höhepunkt gefunden. Marc Marquez wird 2025 an der Seite von Francesco Bagnaia im Ducati-Werksteam antreten. Jorge Martin zieht einmal mehr den Kürzeren und flüchtet zur MotoGP-Konkurrenz Aprilia. Wir beleuchten die Ducati-Entscheidung noch einmal genauer. Ist Marc Marquez die richtige Wahl?

Die Ausganglage: Ducatis Luxusproblem

Zunächst einmal müssen wir uns mit der Ausgangslage vertrautmachen, in der sich Ducati befand. Sie haben mit Francesco Bagnaia bereits einen Ausnahmekönner, einen zweifachen MotoGP-Weltmeister, einen Italiener auf dem eigenen Fabrikat, der Titel einfährt. Dass Bagnaia die unumstrittene Nummer eins der Desmosedicis ist, macht sein neuer Vertrag klar. Dieser wurde bereits vor der Saison verlängert.

Francesco Bagnaia soll die Nummer 1 im Ducati-Team bleiben, Foto: LAT Images
Francesco Bagnaia soll die Nummer 1 im Ducati-Team bleiben, Foto: LAT Images

Nun standen die Tifosi vor der Aufgabe, den zweiten Platz im Werksteam zu besetzen. Drei Namen kamen dafür ernsthaft in Frage: Enea Bastianini, der derzeit als 'perfekter' Teamkollege fungiert, weil er konstant gute Ergebnisse einfährt und dabei Bagnaias Erfolg nicht gefährdet. Allerdings gibt es da eben noch Jorge Martin und Marc Marquez, die Bastianini im Kundenteam den Schneid abkaufen und sogar an Bagnaias Tron rütteln. Bastianini schied daher als zukünftiger Teamkollege für 'Pecco' vorzeitig aus. Martin und Marquez pokerten beide hoch und setzten Ducati die Pistole auf die Brust. 'Werksteam oder nichts' lautete die Forderung beider Piloten. Der Plan, Martin zu befördern und Marquez bei Pramac mit identischem Material auszustatten, scheiterte. Ducati-CEO Claudio Domenicali und Co. mussten also eine unangenehme Entscheidung treffen.

Was für Martin sprach: Die Ergebnisse

Dass Jorge Martin nach seinen Leistungen der Saison 2023 und der WM-Führung, die er aktuell inne hat, keinen Werksvertrag beim Roten Team erhalten hat, ist einmalig und wird so wahrscheinlich auch nicht mehr vorkommen - zumindest nicht so schnell. Martin ist sicher einer der Piloten, die es in den nächsten Jahren zu schlagen gilt. Er ist ein kompletter Pilot und gehört in allen Disziplinen zum Nonplusultra. Sei es eine schnelle Runde im Qualifying, das Sprint-Rennen oder die komplette Distanz im Grand Prix - der 'Martinator' kennt keine Schwächen und macht wenig Fehler. Der 26-Jährige ist wie gemacht für die moderne MotoGP. Bagnaia und er hätten für viele Jahre das Duo im Werksteam bilden können. Sportlich gab es also keine guten Gründe, ihm dem Werksplatz zu verwehren.

MotoGP: Marquez bekommt Werks-Ducati, Martin geht zu Aprilia (04:30 Min.)

Auf der Gegenseite steht niemand geringeres als Marc Marquez. Er gehört zu den erfolgreichsten Piloten der Geschichte, hat bereits 85 Grands Prix gewonnen und acht Weltmeistertitel in der Tasche. Auch im Jahr 2024 lässt sich ihm die körperliche Fitness, der Einsatz und das Talent ohne Zweifel nicht absprechen - Marquez ist nach wie vor einer besten MotoGP-Piloten, das beweisen seine beeindruckenden Aufholjagden in Le Mans und Barcelona, als er von Startplätzen außerhalb der Top-Ten aufs Podest fuhr. Aber Marquez kommt aus einer anderen Ära, er hat hin und wieder Probleme, sich an die moderne MotoGP anzupassen und auch schon am Freitag oder Samstagvormittag Höchstleistungen abzurufen. Dazu ist er 31 Jahre alt und startet wohl allmählich in den Herbst seiner Karriere.

Wie gesagt, Marquez ist topfit und wenn er möchte, wird er noch lange Rennen auf höchstem Niveau fahren können. Aber genau dort liegt das Risiko für Ducati. Man darf nicht einfach davon ausgehen, dass der Spanier auch noch mit 35, 38 oder 40 Jahren MotoGP-Rennen fährt, wie es beispielsweise Valentino Rossi tat.

Was für Marquez spricht: Das Marketing

Es gibt aber auch Punkte, die klar für Marc Marquez sprechen. Punkte, die am Ende den Unterschied machten und die Ducati-Bosse überzeugten. Marquez ist das Gesicht der MotoGP, er ist der populärste Pilot, zieht die meisten Zuschauer an die Strecke, verkauft die meisten Merchandise-Produkte und ist damit der Liebling aller Partner und Sponsoren. Der wirtschaftliche Aspekt des Marketings ist nicht zu vernachlässigen. Denn im Grunde treten Hersteller in Motorsportveranstaltungen an, um mehr ihrer Bikes zu verkaufen. Und kein anderer Fahrer hat eine solch starke Werbewirkung wie der achtfache Weltmeister.

Marc Marquez - ein Zuschauermagnet, Foto: LAT Images
Marc Marquez - ein Zuschauermagnet, Foto: LAT Images

Natürlich gibt es bei Partnern und Sponsoren der Fahrer und Teams immer wieder Hürden, die genommen werden müssen. So ist Marc Marquez unter anderem Markenbotschafter für Red Bull, Samsung und Estrella Galicia. Alle drei Unternehmen stehen in direkter Konkurrenz mit Ducati-Partnern. Im Deal zwischen dem Werk aus Borgo Panigale und dem Wahl-Madrilenen gibt es also viele Details zu klären.

Fazit: Keine Entscheidung gegen Martin

Hat Ducati nun also die richtige Wahl getroffen? Diese Frage lässt sich aktuell (noch) nicht beantworten. Martin und Marquez haben beide das Potential mit Ducati Weltmeister zu werden. Marquez bringt dem Werk mehr Sponsorengelder ein, Martin ist dagegen deutlich jünger und hat noch eine lange Karriere vor sich. Egal wen Gigi Dall'igna & Co. gewählt hätten, sie hätten den jeweils anderen an die Konkurrenz verloren.

Der Abgang des Jorge Martins wird die Ducati-Spitze sicherlich schmerzen. Dennoch sind sie 2025 mit Francesco Bagnaia und Marc Marquez mit der stärksten Fahrerpaarung ideal aufgestellt.

Wie hätte sich Ducati eurer Meinung nach entscheiden sollen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!