Platz zehn im Sprint, Platz neun im Katalonien Grand Prix - Auf dem Papier erlebte Fabio Quartararo in Barcelona kein außergewöhnliches MotoGP-Wochenende. Vielmehr reihten sich seine Ergebnisse auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, wo er 2020 und 2022 noch gewonnen hatte, nahtlos in die Liste seiner bisherigen Resultate im Jahr 2024 ein. Der Franzose war wieder einmal das japanische Flagschiff, mehr aber eben auch nicht. Oder etwa doch?

"Das war ein großartiges Rennen um ehrlich zu sein", überraschte Quartararo am Sonntag mit seinem Fazit nach Rennende. Wie er zu dieser Einschätzung kam? "Es gab heute nicht viele Stürze vor mir, daher ist das eine gute Platzierung. Speziell wenn man bedenkt, dass ich nur fünf Sekunden von den Top Fünf entfernt ins Ziel gekommen bin. Das ist ziemlich positiv." Tatsächlich war 'El Diablo' in Barcelona nur 5,036 Sekunden hinter Namensvetter Fabio Di Giannantonio ins Ziel gekommen. Mit einem besseren Qualifying - Quartararo wurde nur 17., während Yamaha-Teamkollege Alex Rins auf Startplatz acht fuhr - wäre also womöglich noch deutlich mehr als Rang neun möglich gewesen.

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Fabio Quartararo: Yamahas Aufwärtstrend aus Le Mans geht weiter!

Zur Wahrheit gehört an dieser Stelle aber auch, dass zu Rennsieger Francesco Bagnaia mehr als 20 Sekunden fehlten - in etwa der gleiche Rückstand wie schon in Portimao oder Austin. Hier ist also keine wirkliche Verbesserung zu erkennen, zumal Quartararo das Ziel beim Saisonstart in Katar auch schonmal mit 'nur' 17 Sekunden Rückstand erreicht hatte. Doch das trübt die Laune beim Franzosen nicht: "Mein Gefühl war deutlich besser als erwartet. Wir wissen, was uns fehlt und wir arbeiten daran. Wir machten hier dort weiter, wo wir in Le Mans aufgehört haben. Dort hatten wir eine gute Pace, hier erneut. Ich hoffe, dass wir bald weitere Fortschritte erzielen können."

Grund zur Hoffnung machen Updates, die Yamaha in den Tagen nach dem Frankreich Grand Prix bei einem Privattest in Mugello getestet hatte und mit nach Barcelona brachte. "Sie helfen mir, das Bike besser einzulenken und schneller in Kurven hineinzufahren", beschreibt Quartararo. "Es ist nicht leicht zu sagen, ob sie uns einen großen Schritt gebracht haben oder nicht, weil die neue Aero nichts ist, wo du sagst: 'Wow, das ist viel besser!' Du musst dich erst daran gewöhnen, aber ich denke, dass sie uns in Zukunft helfen werden."

Langsam, aber sicher scheint es beim strauchelnden MotoGP-Giganten aus Iwata also nach vorne zu gehen. Das hat auch 'El Diablo' erkannt und findet deshalb lobende Worte für seinen Arbeitgeber, dem er mindestens bis 2026 treu bleiben wird: "Wenn du einen kleinen Schritt machst, willst du natürlich so schnell wie möglich einen noch größeren Schritt machen. Aber wir hatten anderthalb Jahre überhaupt keinen Fortschritt erzielt und jetzt das Licht am Ende des Tunnels sehen zu können, fühlt sich großartig an."

Fabio Quartararo hielt in Barcelona nahmhafte Konkurrenz hinter sich, Foto: LAT Images
Fabio Quartararo hielt in Barcelona nahmhafte Konkurrenz hinter sich, Foto: LAT Images

Mentalitätswandel bei Yamaha: Quartararo vor nächstem Privattest

Speziell im vergangenen Jahr 2023 hatte Quartararo immer wieder geklagt, dass Yamaha endlich aufwachen und sich an die schnellere, risikoreichere Entwicklungsmethode der europäischen Werke Ducati, Aprilia und KTM anpassen müsse. Dieser Mentalitätswandel scheint nun einzusetzen. "Nach Mugello haben wir direkt zwei weitere Testtage in Valencia", berichtet die Startnummer 20 und meint: "Yamaha hat noch nie so hart gearbeitet wie jetzt und hatte noch nie so viele Ideen wie jetzt. Wir bringen keine neuen Teile mehr, um einfach nur neue Teile zu bringen."

"Wir haben im Team klar angesprochen, dass ich keine weitere Chassis oder Schwingen mehr testen möchte, weil ich wir davon schon Hunderte getestet haben. Wir wissen, woher unsere Probleme kommen und darauf fokussieren sie sich jetzt. Sie arbeiten auf clevere Art und Weise", führt Quartararo aus und zeigt sich optimistisch, dass die geleistete Arbeit zeitnah erste Früchte tragen wird: "Ich denke, dass wir bald einige gute Schritte machen werden."