Die Silly Season der MotoGP nimmt am letzten Rennwochenende des Jahres 2023 in Valencia ihre nächste überraschende Wendung. Während Luca Marinis Wechsel zu Repsol Honda wohl kurz vor der Verkündung steht, scheint sich bei dessen aktuellem Arbeitgeber VR46 Racing ein neuer Nachfolgekandidant in die Pole Position gebracht zu haben: Fabio Di Giannantonio. Wunschkandidat Fermin Aldeguer ist dagegen aus dem Rennen ausgeschieden.

Dieser Wandel hatte sich bereits unter Woche angedeutet, kam aber doch ziemlich überraschend. Schließlich hatte VR46-Technikdirektor Alessio 'Uccio' Salucci vergangene Woche am Trainingsfreitag in Katar noch verlautbaren lassen: "Fabio ist nicht unsere erste Option. Wir wollen einen jungen Fahrer aus der Moto2. Wir haben zwei, drei Namen auf der Liste und werden in den nächsten drei bis vier Tagen eine Entscheidung treffen."

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Was hat sich seither verändert? Hier müssen wohl zwei Dinge beachtet werden: Zum einen setzte Di Giannantonio seinen Form-Aufwärtstrend der vergangenen Wochen in Katar nahtlos fort, fuhr er doch im Sprint auf Platz zwei und feierte im Hauptrennen sogar seinen ersten MotoGP-Sieg. Zum anderen verfügt Aldeguer bereits über einen gültigen Moto2-Vertrag mit Speed Up Boscoscuro für 2024, er müsste also 'freigekauft' werden. Hier scheinen die Ablöseforderungen von Teambesitzer Luca Boscoscuro schlicht zu hoch. Diese lagen kolportiert bei 500.000 Euro, inzwischen ist im MotoGP-Paddock sogar von einer siebenstelligen Summe die Rede.

Grund für diese hohen Summen sind die Leistungen, die Aldeguer in der mittleren Klasse zuletzt zeigte. Der 18-jährige Spanier dominierte die letzten vier Rennwochenenden in Australien, Thailand, Malaysia und Katar nach Belieben. Er stand dabei dreimal auf der Pole Position und gewann die letzten drei Grand Prix am Stück und in dominanter Art und Weise. Nicht einmal KTM-Supertalent und Moto2-Weltmeister Pedro Acosta konnte da mithalten. Das rief zuletzt auch andere Teams auf den Plan, u.a. bei Pramac Ducati soll Aldeguer einen Platz ab 2025 in Aussicht haben. Möglicherweise die interessantere Option für das spanische Nachwuchstalent, könnte VR46 ab 2025 doch Ducati verlassen und ein Yamaha-Kundenteam werden.

Fermin Aldeguer hat auch andere Teams auf sich aufmerksam gemacht, Foto: LAT Images
Fermin Aldeguer hat auch andere Teams auf sich aufmerksam gemacht, Foto: LAT Images

Valentino Rossi in Valencia vor Ort, um VR46-Entscheidung zu treffen

"Wir haben zwei Optionen. Wir werden versuchen, in den nächsten zwei Tagen die richtige Entscheidung für uns zu treffen", verriet Salucci am Freitag bei 'MotoGP.com' und erklärte, warum Di Giannantonio dabei nun in der Pole Position erscheint: "Ich habe anfangs gesagt, dass Diggia keine Option ist, weil unser Projekt mehr auf Rookies ausgerichtet war. In den letzten Rennen war Fabio aber unglaublich, ich habe gestern mit ihm gesprochen." Spätestens am Sonntag ist also mit einer Entscheidung bei VR46 zu rechnen, schließlich findet zwei Tage später am Dienstag auch schon der Valencia-Test statt. Extra dafür angereist: Teambesitzer Valentino Rossi. "Vale ist hier, um viele Gespräche zu führen. Er ist der eigentliche Boss, nicht ich", erklärt Salucci. "Vale wird die Entscheidung für 2024 treffen."

Bei welchem Fahrer es sich um die zweite Option handeln könnte, ist derweil noch unklar. Aldeguer ist es jedenfalls nicht, das bestätigte 'Uccio' am Freitag: "Nein, nicht Aldeguer. Es ist ein anderer sehr junger Fahrer. Ihr werdet in den nächsten zwei Tagen sehen, was passiert." Tony Arbolino wurde in Katar als möglicher Kandidat von Salucci bestätigt, der WM-Zweite der Moto2 zählt mit 23 Jahren aber auch schon zum etwas älteren Fahrerfeld der mittleren Klassen. Ob VR46 also noch einen anderen Überraschungsfahrer aus dem Hut zaubern wird?