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MotoGP

Eklat um MotoGP-Aufsteiger Darryn Binder: Das sagen die Stars

Darryn Binder hat mit einem völlig missglückten Angriff die Moto3-WM entschieden. 2022 fährt er MotoGP. Seine zukünftigen Rivalen sind skeptisch.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Pedro Acosta ist Moto3-Weltmeister 2021. Die vorzeigte Entscheidung in Portimao zwischen ihm und Rivale Dennis Foggia fiel aber auf unwürdige Art und Weise. Denn Foggias finale Attacke wurde durch Darryn Binder verhindert, der den Italiener mit einem übermotivierten Manöver aus dem Rennen nahm. Für Aktionen wie diese ist Binder ja mittlerweile bekannt, trägt nicht umsonst den Spitznamen 'Divebomb', zu deutsch 'Sturzflug'.

2022 wird eben dieser Divebomb Binder den direkten Aufstieg aus der Moto3 in die MotoGP wagen und dort für das neue RNF-Racing-Team eine Yamaha M1 pilotieren. Eine Entscheidung, die schon bei ihrer Verkündung für jede Menge Kritik sorgte. Nach dem Crash von Portimao brandet diese natürlich wieder auf.

In Portimao diskutierten am Sonntag auch Binders nächstjährige Kontrahenten über die MotoGP-Eignung des 23-Jährigen. "Ich glaube, dass wir ein Superlizenzsystem wie im Automobilsport brauchen. Wenn du dich gut schlägst, dann kannst du den nächsten Schritt machen. Darüber müssen die Verantwortlichen nachdenken", stellte Francesco Bagnaia klar fest. Im Vierradbereich werden Nachwuchsklassen wie Formel 2 oder Formel 3 mit einem Punkteschlüssel bewertet. Ist eine gewisse Anzahl an Punkten erreicht, kann der Fahrer in die Königsklasse Formel 1 aufsteigen. Derartige Eintrittshürden gibt es in der MotoGP nicht.

"Was heute passiert ist, war nicht normal", kritisierte Bagnaia. "Wir haben ja leider auch schon viele solche Crashes von ihm gesehen. Ich sage so etwas ungern über einen anderen Piloten, aber nächstes Jahr wird er gegen uns fahren. Die MotoGP ist viel schneller als die Moto3. Ich kann nur hoffen, dass nichts passiert."

Binder bremste in Turn 3 viel zu spät und krachte in Foggias Honda - Foto: Screenshot/MotoGP

Ganz ähnlich sah Joan Mir die Situation: "Dieser Fahrer fällt nicht zum ersten Mal mit so einem Manöver auf. Das Wichtigste ist, dass solche Aktionen bestraft werden. Damit meine ich nicht nur das entsprechende Rennen. Eine Sperre für ein oder mehrere Rennen wäre angebracht." Binder wurde am Sonntag nachträglich vom Algarve-GP disqualifiziert, Sperre gibt es für ihn aber keine. Für Mir unverständlich: "Wenn nicht hart durchgegriffen wird, dann wird sich auch nichts ändern. Heute ist glücklicherweise nichts Schlimmes passiert, aber es hätte passieren können. Ein Superlizenzsystem ist wohl schwierig umzusetzen, aber es ist keine schlechte Idee."

Valentino Rossi sieht die Idee eines solchen Systems differenziert: "Wenn eine WM so entschieden wird, ist das immer hart. Gegenüber Foggia war das nicht fair. Ich weiß aber nicht, ob eine Superlizenzsystem sinnvoll ist. Es gibt Fahrer wie Binder, die sehr, sehr, sehr aggressiv sind. Aber nicht alle sind so. Ich denke, man muss die unterschiedlichen Fahrer beurteilen, anstatt ein Superlizenzsystem einzuführen."

Valentino Rossi spricht sich für eine individuelle Beurteilung der Fahrer aus - Foto: LAT Images

Verständnisvoll zeigte sich Jack Miller, der 2015 selbst direkt aus der Moto3 in die MotoGP aufstieg. "Was heute passiert ist, war sicher nicht schön. Natürlich für Foggia aber auch für Pedro, dessen Titelgewinn damit etwas an Glanz verliert. Es war eine eigenartige Aktion und Darryn sollte vielleicht mal seine Augen checken lassen, aber so etwas kann passieren", so Miller. "Sorgen mache ich mir wegen Darryn aber keine. Jeder von uns macht Fehler. Ich habe schon viele Fahrer abgeräumt und selbst Valentino Rossi sind solche Fehler passiert."

Mir und Miller einig: MotoGP-Aufstieg zusätzlicher Druck für Binder

Mir und Miller hatten in dieser Saison nach mehreren Kollisionen bereits ihre Meinungsverschiedenheit, in der Pressekonferenz der Top-Drei am Sonntag waren sie sich aber in einem Punkt einig: Der MotoGP-Aufstieg bedeutet für Darryn Binder eine zusätzliche Belastung. "Er will jetzt zeigen, dass er das verdient hat", ist Mir sicher. "Das hilft natürlich nicht dabei, gute Entscheidungen zu treffen. Unter Druck machen wir alle Fehler." In bislang 116 Moto3-Rennen konnte Binder einen Sieg feiern und stand sechs Mal auf dem Podium. Eine bescheidene Bilanz für einen MotoGP-Rookie.

Miller kam erst als Moto3-Vizeweltmeister mit sechs Siegen und 10 Podien in die MotoGP. Doch sogar er stand nach diesem Aufstieg in der Kritik. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie groß der Druck ist, wenn man direkt aus der Moto3 in die MotoGP wechselt. Darryn kann ich ausrichten, dass er da momentan gerade einmal an der Oberfläche kratzt."


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