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Maverick Vinales schließt MotoGP-Pause nicht aus

Der MotoGP-Transferpoker wurde von Maverick Vinales so richtig angefacht. Kehrt er selbst der Motorrad-WM den Rücken? In Barcelona äußerte er sich.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Maverick Vinales nahm am Dienstag zum ersten Mal Stellung zu seinem MotoGP-Aus bei Yamaha. Der 26-jährige Katalane bestritt mit einigen seiner Kollegen einen privaten Test mit Serienmotorrädern in Barcelona. Dabei stellte er sich vor Ort den Fragen der spanischen Presse.

Vinales verriet, dass er noch keinen Vertrag für 2022 in der Tasche habe und dementierte damit mehrere Medienberichte, die eine Einigung mit Aprilia bereits als fix vermeldet hatten. "Ich habe noch nichts Fixes mit irgendjemandem. Ich möchte die Sache ruhig angehen lassen, wir werden sehen, was für 2022 passiert."

"Nein, im Moment suche ich nicht. Es ist mir aktuell wichtig, an mich selbst zu denken und darüber zu grübeln, was ich am meisten brauche", so Vinales, der aber zugab, dass sein Management sehr wohl alle Optionen prüfe. Er selbst habe die fünfwöchige Sommerpause bitter nötig gehabt: "Ich bin von dieser Saison und den vergangenen Jahren sehr ausgebrannt."

MotoGP-Talk: Warum warf Maverick Vinales bei Yamaha hin?: (37:56 Min.)

Kehrt Vinales der MotoGP den Rücken?

Die Frage nach einer möglichen Auszeit von der MotoGP in der Saison 2022 wollte Vinales keineswegs verneinen: "Das Wichtigste für einen Sportler ist der Wettkampf. Aber wenn ich mich nicht wohl fühle und es mir keinen Spaß macht? Am meisten frustriert mich, dass ich nicht hundert Prozent geben kann. Sollte mir das nicht mehr gelingen, ziehe ich es vor, zu Hause zu bleiben und das Leben zu genießen."

"Es geht alles sehr schnell in dieser Welt und zehn Jahre vergehen wie im Flug, ohne dass man sie genießen kann", so Vinales. 2021 hat sich das Privatleben des Vollblutrennfahrers massiv verändert: Er hat geheiratet und eine Tochter bekommen. Womöglich liegt sein Fokus damit zum ersten Mal in seinem Leben nicht mehr auf der Rennstrecke.

Maverick Vinales bestreitet seine elfte Saison in der Motorrad-WM. Der ehrgeizige Katalane siegte 2011 bereits in seinem vierten Rennen und war im dritten Jahr Moto3-Weltmeister. In sechs der zehn abgelaufenen Saisons landete er in den Top-3 der WM-Wertung, in zehn seiner elf Jahre in der Weltmeisterschaft konnte er zumindest ein Rennen gewinnen.

Auf der Suche nach Vertrauen

Doch zuletzt mangelte es ihm am nötigen Selbstvertrauen. "Wenn man dieses Vertrauen nicht mehr hat, dann wird alles sehr kompliziert. Aus mentaler Sicht war meine Entscheidung sehr gut. Ich glaube, dass nur sehr wenige Fahrer diesen Schritt wagen würden, den ich gemacht habe." Tatsächlich kam es im letzten Jahrzehnt neben Vinales nur zu zwei vorzeitigen Vertragsauflösungen, die durch Fahrer angestoßen wurden: Als 2014 Cal Crutchlow seinen Zwei-Jahres-Kontrakt mit Ducati auflösen ließ und als sich Johann Zarco 2019 vorzeitig von KTM trennte.

Beide Fahrer fanden danach wieder zu alter Topform zurück. "Ich suche nicht nach einer anderen Umgebung, sondern nach dem nötigen Vertrauen. Ich will eine Gruppe finden, der ich vertrauen und mit der ich etwas Neues aufbauen kann", so Vinales. Zu potenziellen neuen Teams wollte er sich nicht äußern, lediglich das Gerücht eines fliegenden Wechsels zu Suzuki verwies er in das Reich der Märchen: "Ich habe diese Möglichkeit noch gar nicht in Betracht gezogen."

Für die verbleibenden Rennen mit Yamaha will Vinales aber noch alles geben, auch wenn das Vertrauensverhältnis an der Box zerstört ist: "Ich möchte gewinnen. Sobald das Visier unten ist, werde ich auch weiterhin alles geben."


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