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MotoGP-Sturzchaos in Le Mans: Kälte nicht der einzige Grund

Nicht weniger als 44 Stürze passierten am Trainingsfreitag in Le Mans über alle drei Klassen hinweg. Die MotoGP-Stars erklären die Ursachen dafür.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - So viel Schrott wie am Freitag in Le Mans produziert die Motorrad-Weltmeisterschaft nur selten an einem einzelnen Tag. In den insgesamt sechs Trainings-Sessions der drei WM-Klassen gab es 44 Stürze - zehn in der MotoGP, 13 in der Moto2 und gleich 21 in der MotoGP. 18 Crashes passierten alleine in Turn 3, dem Linksknick vor dem Dunlop-Bogen.

Natürlich spielten die schwierigen Wetterbedingungen mit teils feuchter bis nasser Strecke und sehr geringen Asphalttemperaturen von teilweise nicht mehr als neun Grad eine Rolle. "Die Reifen hier auf Temperatur zu bringen, ist für alle Fahrer ein Desaster", schimpfte Lokalmatador Fabio Quartararo am Freitagabend.

Ein Problem, das sich vor allem in Kurve drei bemerkbar macht. Es ist der erste Linksknick nach vier Rechtskurven und der langen Start-Ziel-Gerade. "Da ist bei derartigen Temperaturen die linke Reifenseite völlig kalt und du hast keinen Grip", erklärt Valentino Rossi. Der Altmeister sieht aber noch mehrere Faktoren, die Turn 3 am Bugatti Circuit zur ultimativen Sturzkurve der MotoGP machen.

"Diese Kurve ist ein Albtraum. Eine große Rolle spielt, dass die Strecke hier nach außen hängt. Das ist für uns auf dem Motorrad ein echtes Problem. Hinzu kommt, dass die Strecke in diesem Teil auch von den Autos beim 24-Stunden-Rennen verwendet wird und dadurch wenig Grip hat. Der Asphalt wird hier extrem beansprucht, schließlich fahren da 24 Stunden lang 70 Autos über die Strecke", so Rossi. Mit dem angesprochenen Circuit de la Sarthe teilt sich das MotoGP-Layout lediglich die ersten fünf sowie die letzte Kurve und die Start-Ziel-Gerade. Zuletzt asphaltiert wurde in Le Mans für die Saison 2017.

Die Neigung von Turn 3 sowie die starke Beanspruchung des Asphalts sind Faktoren, die sich nicht ändern lassen werden. Für die MotoGP gilt es also, möglichst zufriedenstellende Reifentemperaturen zu garantieren. "Wir werden in der Safety-Commission heute vorschlagen, das Rennen für die nächsten Jahre auf einen späteren Zeitpunkt im Kalender zu schieben", verrät WM-Leader Francesco Bagnaia, am Freitag ebenfalls eines der Opfer von Turn 3. Ein Tausch mit dem Mugello-Slot ist angedacht, womit Le Mans um zwei Wochen nach hinten rutschen würde.

Rückkehr zur alten MotoGP-Boxengasse?

Des Weiteren überlegt man, die Boxengasse für die MotoGP zu verkürzen. In der Vergangenheit endete diese auf Höhe von Kurve eins. Das führte aber zu Sicherheitsbedenken aufgrund des hohen Geschwindigkeitsunterschiedes zwischen Fahrern, die aus der Box kommen und Piloten, die über Start und Ziel heranrasen. Mit der Verlängerung bis in Kurve drei hat man dieses Problem gelöst. Durch die lange Zeit bei Tempolimit 60 verlieren die Fahrer nun aber viel Temperatur in ihren vorgeheizten Reifen. "Ich verstehe nicht, wieso die Ausfahrt so lange ist", wundert sich Bagnaia. "Für mich war die kurze Variante perfekt."


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