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MotoGP: Wie geht es mit Valentino Rossi nach 2021 weiter?

Kaum für 2021 unterschrieben, macht sich Valentino Rossi schon Gedanken über seine mittelfristige Zukunft. Fahrer, Teamchef oder gar beides in einem?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossi bleibt der MotoGP auch weiterhin erhalten. Der 41-Jährige unterschrieb am Samstag in Barcelona seinen neuen Vertrag mit Petronas-Yamaha und wird 2021 für das malaysische Team an den Start gehen. Am Samstagabend trat er an der Seite von Yamaha-Rennchef Lin Jarvis vor die internationalen Medien und gab über seine nahe Zukunft Auskunft.

MotoGP: Valentino Rossi 2021 bei Petronas Yamaha - die Details: (:00 Min.)

Wie lange wird er noch fahren? Wie geht es mit seinem eigenen Team "Sky VR46" weiter? Und welche Optionen hat er nach seinem Ausscheiden aus Yamahas Werksteam noch? Die Antworten zu den wichtigsten Fragen zu Valentino Rossis weiterer Zukunft.

Wie sieht Valentino Rossis neuer Vertrag aus?

Valentino Rossi hat einen neuen Vertrag direkt bei Yamaha mit der Laufzeit über ein Jahr unterschrieben. Da im Werksteam für die kommenden beiden Saisons bereits Fabio Quartararo und Maverick Vinales unter Vertrag stehen, wird Rossi als "Yamaha-Leihgabe" bei Petronas-Yamaha geparkt.

Wird Valentino Rossi nach 2021 Rennen fahren?

Das ist keineswegs ausgeschlossen. Denn Lin Jarvis klärte am Samstag darüber auf, dass Valentino Rossi lieber einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben hätte: "Als wir mit den Verhandlungen begonnen haben, war unser Vorschlag ein Einjahresvertrag. Valentino meinte aber, dass es für seine Motivation besser wäre, wenn er nicht mit dem Wissen in die nächste Saison gehen würde, dass es seine letzte ist."

Da Yamaha aber beide Plätze im Werksteam für die kommenden zwei Jahre besetzt hat und der aktuelle Vertrag mit dem Petronas-Team mit Ende 2021 ausläuft, konnte Jarvis Rossi keine andere Option anbieten. Er stellte aber auch klar, dass Yamaha auch 2022 und darüber hinaus ein Satelittenteam unterstützen will - bevorzugt das Petronas-Team.

Somit sollte sich ein Platz für Rossi finden lassen, sobald die notwendigen Verträge für 2022 unterschrieben sind. Rossi selbst wird seine Entscheidung - wie bereits in den letzten Jahren - von seiner eigenen Konkurrenzfähigkeit abhängig machen. So lange er noch mit den "jungen Wilden" mithalten kann, so lange will er auch weiterfahren.

In Barcelona gestand Rossi: "Im vergangenen Jahr hatte ich in der zweiten Hälfte Probleme. Ich habe mich mit dem Motorrad nicht wohl gefühlt und war nicht stark genug, um auf dem Top-Level zu agieren. Wenn man diese Probleme in meinem Alter hat, dann hinterfragt man sich selbst. Wenn man sich die Geburtsdaten der Fahrer ansieht, dann denkt man, dass es vielleicht besser wäre, zu Hause zu bleiben. Aber in meinem Herzen habe ich nie aufgehört, an mich und meine Konkurrenzfähigkeit zu glauben." Brennt dieses Feuer dank entsprechender Ergebnisse auch 2021, gibt es für ihn wohl keinen Grund für ein Karriereende.

Wie lange darf Valentino Rossi weiterfahren?

Nach dem aktuellen Regelwerk wäre spätestens 2029 Schluss. Denn in Punkt 1.10.1.2 des Sportlichen Reglements ist für Einsätze in der MotoGP-Klasse ein Alterslimit von 50 Jahren festgeschrieben.

Wird sein Rennstall "Sky VR46" in die MotoGP aufsteigen?

Neben seiner VR46 Riders Academy betreibt Valentino Rossi seit 2014 ein Moto3- und seit 2017 auch ein Moto2-Team für seine eigenen Schützlinge. Mit Francesco Bagnaia feierte man 2018 bereits einen WM-Titel, aktuell liegt Luca Marini ebenfalls auf Titelkurs. In der Moto2 stieg Rossis Rennstall zu einem der erfolgreichsten Teams der letzten Jahre auf.

Was würde da also näherliegen als ein MotoGP-Einstieg? "Ende 2021 werden sich in der MotoGP einige Dinge ändern und vielleicht haben wir eine Chance, ein VR46-Team in der Königsklasse zu verwirklichen", sagte Rossi am Samstag. Denn für 2022 wünscht sich MotoGP-Boss Carmelo Ezpeleta ein Starterfeld mit 24 Motorrädern - je vier von jedem der sechs Hersteller, die neben dem Werksteam jeweils ein Satellitenteam beliefern sollen.

Da die Startaufstellung aktuell nur 22 Bikes umfasst, wäre Platz für den MotoGP-Aufstieg von "Sky VR46". Offen wäre dann allerdings, mit welchen Motorrädern das Rossi-Team fahren würde, da Yamaha bereits betonte, gerne die erfolgreiche Kooperation mit Petronas fortzusetzen. Rossi verriet aber: "Die MotoGP wäre ein großer Schritt für unser Team. Mit Motorrädern von Yamaha? Warum nicht! Wir haben uns bereits ein bisschen mit Lin darüber unterhalten."

Eine weitere Möglichkeit wäre Suzuki. Dort steht mit Davide Brivio ein langjähriger Wegbegleiter Rossis an der Spitze der Teamführung und die GSX-RR gilt als ähnlich einsteigerfreundlich wie Yamahas M1. Somit wäre auch Suzuki eine gute Option für die ersten MotoGP-Schritte von Rossis Supertalenten aus der Academy.

An den Finanzen sollte ein Einstieg von Rossis Rennstall kaum scheitern. Mit dem italienischen Pay-TV-Sender Sky hat man in den kleinen Klassen bereits einen finanzstarken Partner an Bord, zudem ist Rossi eines der weltweit wichtigsten Testimonials für den Energydrink-Giganten Monster. Und dann wäre da auch noch seine eigene millionenschwere Firma "VR46 Racing Apparels", die zur Not auch einspringen könnte.

Welche Optionen hat Rossi für 2022?

Sollte er 2022 als Fahrer weitermachen wollen, so hat er zwei Optionen: Entweder per Direktvertrag mit Yamaha in einem Satellitenteam der Japaner (so wie 2021) oder als Fahrer in seinem eigenen Team auf einem Motorrad einer beliebigen Marke. Dass er im Alter von 42 Jahren zu einem fremden Rennstall auf eine neue Marke wechselt, ist unwahrscheinlich.

Ein Rücktritt vom aktiven Sport ist wohl nur dann ein Thema, wenn Rossi sich selbst in den ersten Saisonrennen des nächsten Jahres nicht mehr konkurrenzfähig fühlt. Dann wäre eine Karriere als Teamchef vorgezeichnet. Entweder in seinem eigenen Team, falls dieses einen MotoGP-Einstieg zustande bringt, oder in einer wichtigen Position in Yamahas Werksteam. Die Japaner wissen, dass ihr Marketing-Zugpferd Nummer eins auch nach seiner aktiven Karriere noch Umsatz bringt. Von seiner Erfahrung und dem Knowhow ganz zu schweigen.


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