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MotoGP-Duell: Zarco vs. Espargaro erhitzt die Gemüter

Johann Zarco und Pol Espargaro gerieten im MotoGP-Rennen in Brünn aneinander. Das ließ die Gemüter auf den Seiten hochkochen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Er ist wieder da! Johann Zarco fuhr in Brünn zum ersten Mal seit 2018 wieder in einem MotoGP-Rennen an der Spitze mit. Dabei wurde der Franzose einmal mehr seinem Ruf als knallharter Zweikämpfer gerecht, denn in einem Duell ging Pol Espargaro zu Boden und war danach außer sich. Auch bei Fans und ehemaligen Fahrern kochten die Emotionen im Zuge der Schuldfrage hoch - in beide Richtungen! Motorsport-Magazin.com beleuchtet die strittigste Szene des Rennens.

Was ist genau passiert?

KTM war an diesem Tag stark unterwegs und gegen Mitte des Rennens sorgten Brad Binder und Pol Espargaro für die schnellsten Zeiten im gesamten Feld. Das Duo lag zu diesem Zeitpunkt aber hinter WM-Leader Fabio Quartararo und dessen Teamkollegen Franco Morbidelli. Als Binder in der 9. Runde Quartararo überholen konnte, wollte auch Espargaro seine Felle nicht davonschwimmen lassen. In der vorletzten Kurve wurde er aber in Richtung der Boxengasseneinfahrt abgetrieben, sodass er nicht nur den Anschluss an Binder verlor, sondern auch Quartararo wieder durchschlüpfen konnte.

Beim Anbremsen von Kurve 1 kam Espargaro erneut weit nach außen, um von dort zurück an den Innenkerb zu ziehen. Dort war aber bereits Zarco hineingestochen, der mitten in der Kurve die Innenbahn inne hatte. Espargaro zog dennoch weiter hinein, Zarco gab nicht nach, die beiden Motorräder berührten sich und die KTM des Katalanen segelte in den Kies ab. Dort gestikulierte Pol Espargaro in Richtung Zarcos, doch sein Rennen war zu Ende.

Wie wurde die Szene geahndet?

Die FIM-Stewards stellten die Szene sofort in Untersuchung. Vier Runden später belegten sie Zarco mit einer Long-Lap-Penalty - also dem Durchfahren eines bestimmten Bereichs abseits der Ideallinie. In Brünn ist die entsprechende Markierung an der Außenseite von Turn 7 angebracht.

Zarco trat seine Strafe sofort an passierte den Abschnitt regelkonform: Die Reifen seiner Ducati waren auf der Außenseite der Markierung, dass sein Knieschleifer dabei die angebrachte Linie überragte, ist nicht verboten. Die Strafe kostete ihn rund zwei Sekunden, wie aus der Analyse der Rundenzeiten hervorgeht. Dieser Verlust war gering genug, um vor seinem Verfolger Fabio Quartararo zu bleiben und letztlich seinen Podestplatz ins Trockene zu bringen.

Was sagte Pol Espargaro dazu?

Pol Espargaro hatte sich rund eineinhalb Stunden nach der strittigen Szene nicht beruhigt. "Ich war in der Kurve und er hätte den Kontakt vermeiden können. Aber das hat er nicht gewollt, er hat stattdessen Gas gegeben und mich von der Linie geworfen. Er musste nur eine Long-Lap-Penalty fahren, die hier auf dieser Strecke ein Witz ist. Ohne diese Aktion wäre er nicht auf das Podium gekommen", ärgerte sich Espargaro.

Er fühlte sich um den Sieg beraubt: "Ich konnte mein Potenzial nicht zeigen und konnte nicht das erste Rennen für KTM gewinnen. Ich bin enttäuscht, denn ich hätte es schaffen können, aber jemand hat uns weggenommen. Ich habe das Gefühl, dass ich dieses Rennen gewonnen hätte. Das ist richtig frustrierend."

Was sagte Johann Zarco?

Der Franzose fügte sich der Strafe und wollte aufgrund seines guten Ergebnisses auch keine Kritik daran üben: "Die Long-Lap-Penalty geht in Ordnung, denn eine Durchfahrtsstrafe wäre wischer zu hart gewesen. Wenn jemand weit geht, dann versuchst du immer, ihn zu überholen. Und manchmal berührst du dich dabei eben. Wir sind hier beim Rennfahren und nicht beim Tanzen."

Espargaro schob er aber eine Teilschuld an dem Zwischenfall zu: "Als wir Kontakt hatten, hat er mich wohl nicht gesehen. Er hat schon davor ein paar Mal die Linie nicht halten können. Aber wir sind da draußen alle mit der Mentalität eines Kriegers unterwegs, auch wenn es mit leidtut für Pol."

Was sagt die MotoGP-Welt zu dem Vorfall?

Ex-Weltmeister Casey Stoner meldete sich via Twitter zu Wort und kritisierte die Strafe für Zarco harsch: "Das ist eine Schande. Zarco hat nichts falsch gemacht. Wenn du weit gehst, kannst du nicht erwarten, dass niemand da ist, wenn du in Richtung der Kerbs zurückschneidest. Schreckliche Entscheidung der Offiziellen."

ServusTV-Experte Alex Hofmann hingegen stellte sich klar gegen Zarco. Im Live-Kommentar analysierte er: "Die Lücke ist da, aber er (Zarco; Anm.) muss natürlich berechnen, dass Pol zurückkommt. Macht er nicht, er zieht durch. Und die Vorgeschichte ist natürlich so, dass man sich nichts gönnt. Für Zarco ist Orange wahrscheinlich Rot unterm Helm. Und das muss Espargaro ausbaden."


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