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MotoGP: Startfreigaben nach Verletzungen zu leichtfertig?

Marc Marquez, Cal Crutchlow und Alex Rins dürfen in Jerez starten. Das sorgt für Verwunderung - und Kritik am medizinischen Protokoll der MotoGP.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Das erste Rennwochenende der MotoGP 2020 sorgte gleich für ein beachtliches Lazarett. Alex Rins zog sich im Qualifying eine Luxation und eine kleine Fraktur in der Schulter zu, Cal Crutchlow erlitt im Warm Up einen ebenfalls kleinen Bruch am Kahnbein. Marc Marquez brach sich schließlich bei einem schlimmen Highsider im Rennen den rechten Oberarm.

Alle drei Fahrer ersuchten am Donnerstag bei MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte um eine Startfreigabe für das kommenden, zweite Rennwochenende in Jerez. Und alle drei Fahrer erhielten diese prompt. Vor allem im Fall von Marc Marquez sorgte das für Aufsehen, war man doch zunächst von einer längeren Zwangspause und einer Rückkehr frühestens in Brünn von 7. bis 9. August ausgegangen.

In der Folge hagelte es auch Kritik an der MotoGP und ihrer Sporthoheit, dem Motorradweltverband FIM. Die Untersuchungen, welche zur Feststellung des Gesundheitszustandes eines verletzten Fahrers durchgeführt werden, seien zu lasch. Man bringe damit die Fahrer in Gefahr und stelle somit auch ein schlechtes Vorbild für junge Piloten dar. Bei den Tests müssen Fahrer Kraft, Beweglichkeit und relative Schmerzfreiheit beweisen.

MotoGP-Piloten verteidigen Testprozedere

Eine Meinung, die im Fahrerfeld nicht besonders viel Anklang findet. "In den letzten drei, vier oder vielleicht fünf Jahren hat sich die medizinische Seite der MotoGP stark verbessert", findet Aleix Espargaro. "Ich glaube, dass die Tests, die wir machen müssen, absolut ausreichend sin. Auch, weil Dr. Charte und Dr. Mir ausgezeichnete Ärzte sind. Wenn sie uns erlauben, zu fahren, dann bedeutet das, dass wir in der dementsprechenden Verfassung sind."

Auch Cal Crutchlow, einer der drei betroffenen Piloten, sieht die Tests als ausreichend an: "Wir sind Profis. Die Entscheidung liegt bei uns und dem medizinischen Team. Eine wirkliche Einschätzung kann man aber ohnehin erst treffen, wenn man gefahren ist. So eine Untersuchung ist eine ganz andere Geschichte, als ein MotoGP-Bike auf einer Strecke zu bewegen."

Routinier Valentino Rossi weißt daraufhin, dass das exakte Ausmaß einer Verletzung und der Zustand des Fahrers von Außenstehenden nur sehr schwer beurteilt werden kann. "Von außen ist das unmöglich zu beurteilen", so Rossi. "Es sieht nach einer schlimmen Verletzung aus, aber niemand von uns hat etwa die Röntgenbilder gesehen. Wenn Marc das Motorrad gut bewegen kann, dann ist das in Ordnung."


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