MotoGP

Meinung zum Folger-Rauswurf: Yamaha, das war letztklassig!

Jonas Folger wurde versichert, er würde auch 2020 MotoGP-Testfahrer bei Yamaha sein. Damit setzte man bewusst die Karriere eines Fahrers aufs Spiel.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Es war eine weitere Schocknachricht für den deutschen Motorradsport, die Jonas Folger am Donnerstagabend auf seinen persönlichen Kanälen verkündete. Er werde 2020 nicht mehr MotoGP-Testfahrer sein, obwohl man ihm das von Seiten Yamahas mündlich zugesichert hatte. Dementsprechende Äußerungen der Führungsebene gab es auch in der Öffentlichkeit.

Auch Folger selbst traf die Nachricht völlig überraschend. Er und Yamaha waren bereits in der Planung für die Saison 2020, über Wildcard-Einsätze etwa wurde nachgedacht. Nun aber entschied man sich bei Yamaha dafür, nach nur einem Jahr wieder voll auf japanische Testfahrer zu setzen.

Eine bedeutende Entscheidung, gewinnen die Entwicklungspiloten durch die ständig kleiner werdende Zahl an Testtagen für die Einsatzfahrer doch mehr und mehr an Bedeutung. Es ist kein Zufall, dass mittlerweile alle anderen Hersteller auf hochkarätige GP-Haudegen in ihren Entwicklungsabteilungen setzen.

In Anbetracht der Wichtigkeit dieser strategischen Umorientierung fällt es schwer, zu glauben, dass dieser Entschluss der Yamaha-Bosse spontan getroffen wurde. Viel eher gab es diese Überlegungen schon seit längerer Zeit. Jonas Folger wurden diese Informationen also wohl bewusst verschwiegen. Er wurde, wie er es in seinen eigenen Worten vollkommen richtig sagt, hingehalten.

Folger leistete für Yamaha wertvolle Testarbeit - Foto: gp-photo.de - Ronny Lekl

Und genau hier liegt der verwerfliche Teil im Verhalten Yamahas. Ein Verzicht auf einen europäischen Testfahrer scheint in der aktuellen MotoGP-Ära zwar eigenartig, ist aber legitim. Auch ein Verzicht auf Jonas Folger konkret ist moralisch selbstverständlich absolut vertretbar. Einen 26-jährigen Piloten, der um den Neustart seiner Karriere kämpft, lange in Sicherheit zu wiegen und dann zu einem Zeitpunkt vor die Tür zu setzen, zu dem über alle relevanten Serien hinweg die besten Plätze vergeben sind, ist aber definitiv nicht in Ordnung.

Ein derartiges Verhalten kennt - und erwartet man schon beinahe - von dubiosen Rennställen in kleineren Motorradklassen. Aber nicht von einem der größten und erfolgreichsten Hersteller der Welt. Sportlich hat sich Yamaha in den vergangenen Jahren einiges zu Schulden kommen lassen. Nun auch menschlich.


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