MotoGP

MotoGP - Rins schlägt Marquez um 0,013: Die engsten Rennen

Alex Rins und Marc Marquez trennten im MotoGP-Rennen von Silverstone 0,013 Sekunden. Es war das viertengste Finish der Geschichte.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Dramatische Entscheidungen durften die MotoGP-Fans in der jüngsten Vergangenheit regelmäßig miterleben, Showdowns in der letzten Runde sind mittlerweile fast die Norm. So eng wie am Sonntag in Silverstone war es aber schon lange nicht mehr. Um einen derart knappen Zieleinlauf zu finden, muss man in den Geschichtsbüchern der Motorrad-Weltmeisterschaft schon einige Seiten zurückblättern. Motorsport-Magazin.com hat für euch die fünf engsten Finishes in der Geschichte der Königsklasse:

Silverstone 2019: Rins vs. Marquez - 0,013 Sekunden

Marquez unterlag einmal mehr auf den letzten Metern - Foto: Suzuki

Vor dem Rennen in Silverstone erwarteten die MotoGP-Piloten eine große Gruppe im Kampf um den Sieg. Daraus wurde nichts. Marc Marquez und Alex Rins setzten sich schnell vom Rest des Feldes ab und machten sich den Platz auf dem obersten Podium untereinander aus. Marquez übernahm dabei die Führungsrolle, führte 18 der 20 Rennrunden an. Nur in den letzten beiden Umläufe hatte Rins die Nase vorne. Am Ende von Lap 19, weil Rins glaubte, es sei bereits die letzte und deshalb in der Schlusskurve versuchte, außenherum an Marquez vorbeizugehen. Beim Überfahren der Ziellinie war er auch vorne, befand sich aber bereits neben der Strecke und musste zurückziehen. In der letzten Runde ging Rins' Attacke aber auf. Er holte vor der Zielkurve viel Schwung, konnte eine engere Linie halten und Marquez auf den letzten Metern noch abfangen. Um 0,013 Sekunden hatte er seinen Landsmann übertrumpft.

MotoGP Silverstone: Rins vernascht Marquez - Analyse-Talk: (28:02 Min.)

Phillip Island 2001: Rossi vs. Biaggi - 0,013 Sekunden

Biaggi vs. Rossi: Ein großes italienisches Duell - Foto: Milagro

Phillip Island garantiert immer für enge, dramatische Rennen. Die Ausgabe im Jahr 2001 war aber ein ganz besonderer Leckerbissen. Lange Zeit fightete, wie so oft im Australien-Grand-Prix, eine Vielzahl von Fahrern um den Sieg. In den letzten Runden konnten sich mit Valentino Rossi und Max Biaggi aber die zwei größten Rivalen dieser Ära etwas absetzen. Biaggi ging als Führender in die letzte Runde, doch Rossi fuhr die Lücke von knapp vier Zehntelsekunden zu und ging drei Kurven vor Ende an Biaggi vorbei. Der klemmte sich auf seiner Yamaha in den Windschatten von Rossis Honda und saugte sich noch einmal heran, doch es reichte nicht. 0,013 Sekunden fehlten Biaggi zum Sieg.

Estoril 2006: Elias vs. Rossi - 0,002 Sekunden

Elias kostete Rossi schon in Jerez wichtige Punkte - Foto: Milagro

Der Portugal-Grand-Prix 2006 war aus mehreren Gründen ein geschichtsträchtiger. Es war das vorletzte Rennen der Saison, in dem sich Valentino Rossi und Nicky Hayden mitten im Titelkampf befanden. Hayden wurde schon früh von Repsol-Honda-Teamkollege Pedrosa abgeräumt, was den Weg freimachte für Rossi, um in der WM wertvolle Punkte zwischen sich und seinen Rivalen zu bringen. Rossi kämpfte mit Kenny Roberts Junior und Toni Elias um den Sieg und bog in der letzten Runde auch als Erster auf die Start-Ziel-Gerade ein. Doch Elias nutzte den Windschatten um 0,002 Sekunden vor Rossi die Ziellinie zu überqueren. Das bis heute engste Rennen in der MotoGP-Ära, Elias einziger Sieg in der Königsklasse und fünf verlorene Punkte für Rossi, die ihm am Ende den WM-Titel kosteten. Denn genau diese fünf Zähler fehlten ihm in der Endabrechnung für einen Gleichstand mit Hayden, den Rossi aufgrund der größeren Anzahl an Saisonsiegen für sich entschieden hätte.

Brünn 1996: Criville vs. Doohan - 0,002 Sekunden

Galt damals besonders: Der Teamkollege ist immer der erste Gegner - Foto: MotoGP

Die Repsol-Honda-Teamkollegen Mick Doohan und Alex Criville lieferten sich Mitte der 1990er-Jahre zahlreiche sehenswerte Duelle. In Erinnerung sind noch der Spanien-Grand-Prix 1996, in dem die Fans in der letzten Runde bereits die Streckenränder säumten und in dem Criville in der letzten Kurve per Highsider den Sieg wegwarf. Oder der Australien-Grand-Prix im selben Jahr, als die Stallgefährten im Kampf um den Sieg kollidierten. Das engste Duell lieferten sich Criville und Doohan aber im August dieses Jahres in Brünn. Meist war es Doohan, der die Oberhand behielt, dieses Mal überfuhr aber der Spanier zwei Tausendstelsekunden früher die Ziellinien.

Assen 1975: Sheene vs. Agostini - Zeitgleich

Sheene überfuhr zeitgleich mit Agostini die Ziellinie - Foto: Milagro

Bis zum heutigen Tag gab es genau 888 Rennen in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Viele davon wurden hauchdünn entschieden, aber nur in einem einzigen Grand Prix wurden die ersten beiden Fahrer absolut zeitgleich gewertet. 1975 konnten Barry Sheene und Giacomo Agostini beim Überqueren der Ziellinie bei der Dutch TT in Assen zeitlich nicht getrennt werden. Beide wurden mit 48 Minuten, einer Sekunde und null Hundertsteln gestoppt. Die heute übliche Messung auf Tausendstelsekunden gab es damals noch nicht. Das Foto-Finish entschied zugunsten von Suzuki-Pilot Barry Sheene.


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