Zehn Sekunden Vorsprung und mehr? In der MotoGP lange keine Seltenheit. Speziell zu den dominanten Honda- und Yamaha-Zeiten in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren wurde die Königklasse häufig von einigen wenigen Fahrern dominiert, die nicht selten ungefährdeten Siegen entgegenfuhren. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, die MotoGP in den 2020er-Jahren konkurrenzfähiger und umkämpfter denn je. Ein Rennen trieb es dabei komplett auf die Spitze, Motorsport-Magazin.com erinnert sich.

Unsere Reise führt uns dazu zurück zum Beginn der MotoGP-Saison 2021 und nach Katar. Dort wurde am 28. März das erste Rennen des Jahres ausgetragen und nur eine Woche später folgte direkt auch schon das zweite Rennwochenende auf dem Lusail International Circuit. Die anhaltende Corona-Pandemie machte den Doppelheader notwendig: Geplante Rennen in Argentinien, Japan, Thailand oder Australien waren nicht möglich, das Gastspiel in den USA musste ans Jahresende verlegt werden. So kam der Doha Grand Prix am 4. April 2021 zustande.

Rookie Jorge Martin holt Sensations-Pole

Dass es ein besonderes Rennwochenende werden würde, hatte sich dabei schon am Samstag angedeutet. Damals stürmte nämlich ein 23-jähriger Rookie namens Jorge Martin in seinem erst zweiten MotoGP-Qualifying sensationell auf die Pole Position. Ob ihm am Rennsonntag die große Überraschung gelingen sollte? Fabio Quartararo, Francesco Bagnaia, Jack Miller, Johann Zarco, Maverick Vinales und Co. wollten es unbedingt verhindern.

Doch der Rookie in Pramac-Ducati-Diensten machte den gestandenen Stars der Königsklasse das Leben keinesfalls einfach. Im Gegenteil: Dank eines perfekten Rennstarts führte Martin nämlich nicht nur nach der ersten Kurve, sondern bis tief in das 22 Runden umfassende Rennen. Teamkollege Johann Zarco lieferte wichtige Schützenhilfe, als Zweitplatzierter wehrte er mehrere Attacken von Alex Rins und Bagnaia ab.

Im Doha-GP blieb das MotoGP-Feld stets eng beisammen, Foto: LAT Images
Im Doha-GP blieb das MotoGP-Feld stets eng beisammen, Foto: LAT Images

Fabio Quartararo verhindert Debütsieg von Martin

Erst in der Schlussphase konnte die Pramac-Doppelspitze geknackt werden - und zwar von Fabio Quartararo. Der Franzose schnappte sich im 18. Umlauf zunächst Landsmann Zarco und eine Runde später im kurvigen Infield der Strecke auch Martin. Von dort konnte er sich bis zur Start/Ziel-Geraden weit genug absetzen, um nicht direkt wieder von der Ducati-Power geschnappt zu werden. Anschließend kontrollierte Quartararo das Geschehen bis zum Schluss und fuhr seinen ersten MotoGP-Sieg als Yamaha-Werkspilot ein, dahinter schnappte Zarco Teamkollege Martin auf den letzten Metern noch den zweiten Platz weg.

Das Besondere: Als Quartararo die Ziellinie überquerte, mussten die MotoGP-Fans nur wenige Augenblicke warten, bis sämtliche Punkteplätze bezogen waren. Ein Blick in das Archiv von Tissot, dem 'Official Timekeeper of MotoGP', zeigt: Die Top-15 wurden im Doha Grand Prix nur durch 8,928 Sekunden getrennt - ein unfassbares Resultat, welches bis heute mit deutlichem Abstand das Engste der MotoGP-Geschichte darstellt. Auf Platz zwei folgen Katar 2019 und Thailand 2023 mit 15,093 Sekunden zwischen Sieger und Position 15.

Fabio Quartararo gewann in Doha vor Johann Zarco und Jorge Martin, Foto: LAT Images
Fabio Quartararo gewann in Doha vor Johann Zarco und Jorge Martin, Foto: LAT Images

Wie es dazu kommen konnte, ist schnell erklärt. Denn der Doha Grand Prix 2021 war nicht nur das zweite Rennwochenende innerhalb von sieben Tagen auf dem Lusail International Circuit, dort hatten zuvor auch schon die einzigen Winter-Testfahrten des Jahres stattgefunden. Zwischen dem 6. und 12. März testete die MotoGP insgesamt fünf Tage in Katar. Zum Start des Doha-GP hatten die Piloten somit mehr Daten denn je zur Verfügung, die Bike-Setups waren perfektioniert. Da viele Stürze ausblieben, kam es so zum engsten Finish der MotoGP-Geschichte.