MotoGP

MotoGP: Petruccis emotionale Worte nach dem Mugello-Sieg

Danilo Petrucci holte einen emotionalen ersten MotoGP-Sieg in Mugello. Mit seiner Dankesrede machte er sich viele Freunde.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Danilo Petrucci kostete den Moment seines Triumphes in vollen Zügen aus. Der italienische Ducati-Fahrer gewann in Mugello nicht nur sein Heimrennen, sondern feierte seinen ersten MotoGP-Sieg überhaupt. Freudentränen übermannten ihn mehrfach in den ersten Stunden nach der Zieldurchfahrt. Nicht nur in der Auslaufrunde und auf dem Podest, sondern auch in den TV-Interviews und der Pressekonferenz danach.

"Ich habe noch immer nicht realisiert, dass ich heute gewonnen habe", gab Petrucci emotional berührt zu Protokoll. Selbst in der Stunde seines größten Sieges, gab er sich aber bescheiden: "Ich widme diesen Sieg meinem Teamkollegen Andrea (Dovizioso). Er hat mich im Winter aufgenommen wie einen Bruder und das ist schon etwas Besonderes unter Teamkollegen."

Dovizioso half beim Umstieg

Für Petrucci eröffnete sich im Winter eine komplett neue Welt, als er in Ducatis Werksteam aufstieg. Zum ersten Mal in seiner Karriere war der 28-Jährige ofizieller Factory-Rider, was zwar mit vielen Annehmlichkeiten einherging, aber auch mit Leistungsdruck. Denn von Ducati-Werksfahrern wird erwartet, dass sie Siege einfahren. Eine ungewohnte Situation für einen Mann, der sich in seiner Karriere alles hart erkämpfen musste und der zumeist die Rolle des Underdogs einnahm.

"Einige Male in meiner Karriere dachte ich ans Aufhören", gestand Petrucci nach seinem Sieg. "Ich dachte, das sei einfach nicht meine Welt hier. Auch vor dem Start dieser Saison habe ich mir nur gedacht: Ich versuche es, aber ich habe nur einen Vertrag für eine Saison. Ich habe mir selbst viel Druck gemacht und dann waren meine Ergebnisse plötzlich nicht gut. Auch da hat mir Andrea geholfen."

"Er hat mir gesagt, ich sollte nicht zu sehr an die Zukunft denken, sondern mich auf meine Stärken konzentrieren und Spaß beim Motorradfahren zu haben. Ich solle mein Bestes geben und wenn das nicht genug ist, dann sei es eben so", führte Petrucci aus. Doch die Ergebnisse wurden besser und auf drei sechste Ränge in den ersten drei Saisonrennen folgte zuletzt eine Steigerung auf Platz fünf, drei und nun eins in Mugello.

Mugello: Sieg der Entschlossenheit

Petruccis Erfolg war ein Sieg der Entschlossenheit. In einem knappen Rennen lief es in der Schlussrunde auf einen Vierkampf hinaus, in der Marc Marquez bereits in die erste Kurve hinein aus dem Windschatten die Entscheidung suchte. Es kam zu einer brenzligen Situation, in der Petrucci Ellbogen-Qualitäten an den Tag legte und sich dadurch letztlich den Sieg schnappte.

"Ich wollte dieses Rennen unbedingt gewinnen", sagte der Italiener. "Mir war auch klar, dass Marc und Andrea aus dem Windschatten attackieren würden. Als beide an mir vorbeigingen, dachte ich mir: Bitte nicht! Da führst du das halbe Rennen und dann wird es wieder nur Platz drei. Aber sie gingen beide etwas weit und ich konnte innen am Kerb bleiben."

Petrucci zog entschlossen in die Kurve, drängte sich an Dovizioso und Marquez vorbei und beschleunigte als Führender in die nächste Passage. Ein Manöver, für das er sich sogar entschuldigte: "Es tut mir leid für Andrea. Er musste sein Motorrad wegen mit ein wenig aufrichten. Aber ich wollte diesen Sieg einfach so sehr."

Ducatis Vorgabe, zum Siegfahrer aufzusteigen, hat Danilo Petrucci somit bereits im sechsten Saisonrennen erfüllt. Somit erklärte er sich nach dem Rennen in Mugello auch dazu bereit, nun Andrea Dovizioso auf seiner Jagd nach dem WM-Titel zu unterstützen. "Ich habe die Vorgabe von Ducati erfüllt und jetzt werden wir wieder als Team an das gemeinsame Ziel denken", sagte Petrucci, der stolz hinzufügte: "Wir sind das beste Team in der MotoGP und wir können zusammenarbeiten, damit wir auch am Ende des Jahres dort stehen."

Aufgrund des schwächelnden Jorge Lorenzo konnte sich Ducatis Werksmannschaft in der Team-Wertung bereits um 51 Punkte von Repsol Honda absetzen. In der Konstrukteurs-Wertung (hier zählt nur der jeweils bestplatzierte Fahrer eines Herstellers in jedem Rennen) liegt man nur sechs Zähler hinter Honda, in der Fahrer-WM hat Dovizioso 12 Punkte Rückstand auf Marquez. Petrucci selbst rückte durch seinen Sieg auf Platz vier der Gesamtwertung auf und überholte damit Valentino Rossi.


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