MotoGP

MotoGP 2018: Diese Fahrer sind für Überraschungen gut

Jorge Lorenzo, Marc Marquez oder Valentino Rossi werden der MotoGP 2018 ihren Stempel aufdrücken. Neben ihnen gibt es aber Fahrer, die es zu beachten gilt.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Der Kampf um den MotoGP-Weltmeistertitel 2018 wird wohl zwischen den sechs Werkspiloten von Honda, Yamaha und Ducati geführt. So viel lässt sich jetzt schon sagen. Zu groß sind die Möglichkeiten, die die Herren Marquez, Pedrosa, Vinales, Rossi, Dovizioso und Lorenzo zur Verfügung haben, zu herausragend ihr Talent, zu umfangreich ihr Erfahrungsschatz im Kampf an der Spitze. Dementsprechend wird auch ein Großteil der Siege und Podiumsplätze an dieses sechs Fahrer gehen. Hinzu kommen Piloten wie Cal Crutchlow oder Johann Zarco, die man auf der Rechnung haben muss.

MotoGP-Test 2018: Analyse vom Auftakt in Sepang: (13:07 Min.)

In ihrem Schatten stehen aber einige Fahrer, die 2018 durchaus das Potenzial haben, für die eine oder andere faustdicke Überraschung zu sorgen. Motorsport-Magazin.com stellt die interessantesten unter ihnen vor und verrät, warum mit ihnen in der kommenden MotoGP-Saison zu rechnen ist:

Jack Miller - Pramac Ducati

Die Karriere von Jack Miller in der Motorrad-Weltmeisterschaft ist so verrückt wie der sympathische Australier selbst. Als Moto3-Vizeweltmeister 2014 wagte er als erster Pilot überhaupt den Sprung aus dieser Klasse direkt in die MotoGP, ließ die Moto2 komplett aus.

Ein mutiger Schritt im Alter von nur 20 Jahren. Vor allem, weil Miller - 2015 zunächst bei LCR und die beiden folgenden Saison bei Marc VDS, mit der Honda RC213V das wohl am schwierigsten zu fahrende Motorrad in der Königsklasse bändigen musste. Mit der Maschine hatten in den letzten Jahren auch Routinier wie Dani Pedrosa oder Cal Crutchlow so ihre Probleme - kein Wunder dass sich Miller damit regelmäßig im Kies wiederfand.

Nach drei Jahren hatte Jack Miller genug von der Honda RC213V - Foto: Tobias Linke

Für 2018 entschied sich Miller daher für einen Wechsel zu Pramac Racing und tauschte somit seine Honda gegen eine Ducati ein. Zwar gilt die Desmosedici auch nicht all das unkomplizierteste Bike der MotoGP, doch schon nach der ersten Ausfahrt im November in Valencia stellte Miller fest: "Wer glaubt, die Ducati sei schwierig zu fahren, der soll sich einmal auf eine Honda setzen."

Ich habe mich sofort wohlgefühlt und mit jedem neuen Reifen kann ich mehr Risiko eingehen und habe dennoch stets das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.
Jack Miller

In Sepang untermauerte Miller nun seine These. Auf der GP17, also der Vorjahresmaschine, landete 'Jackass' an jedem der drei Testtage auf dem fünften Rang und war somit in der Endabrechnung zweitbester Satellitenpilot hinter seinem Kumpel Cal Crutchlow. Nur gut eine halbe Sekunde fehlte ihm auf Jorge Lorenzo, der am Dienstag ja die schnellste je gefahrene Runde am Sepang International Circuit erzielte.

"Ich bin mit meiner Performance über die drei Tage sehr zufrieden", meinte Miller im Anschluss. "Ich habe mich sofort wohlgefühlt und mit jedem neuen Reifen kann ich mehr Risiko eingehen und habe dennoch stets das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben." Auch Millers Rennsimulation am letzten Tag lief nach Plan: "Ich war konstant schnell und konnte gut mit dem Reifen haushalten."

Für Miller gilt es nun nur, sein Temperament im Griff zu haben und das abzurufen, was er drauf hat.

Alex Rins - Suzuki

Alex Rins geht 2018 in seine zweite volle MotoGP-Saison. Wobei das Wort 'voll' hier unter Anführungszeichen zu setzen ist. Denn sein Rookie-Jahr lief für Rins alles andere als nach Plan. Bereits bei den Testfahrten in Valencia verletzte er sich am Rücken, dann folgte in der Winterpause eine Verletzung im Motocross-Training und schließlich brach sich Rins beim dritten Rennwochenende der Saison in Austin auch noch das Handgelenk. Dadurch verpasste er fünf Rennen, also fast ein Drittel seiner kompletten Rookie-Saison.

Rins ließ sich aber nicht unterkriegen. In der zweiten Saisonhälfte kam er so richtig in der MotoGP an und punktete fortan fleißig, gegen Ende des Jahres war er regelmäßig im Spitzenfeld zu finden. In Motegi wurde er Fünfter, in Valencia landete er sogar auf Rang vier. Damit kam Rins in der Endabrechnung Andrea Iannone, der als klarer Teamleader bei Suzuki in die Saison gegangen war - bis auf elf Punkte nahe.

Stimmt die Fitness, ist mit Alex Rins zu rechnen - Foto: Ronny Lekl

Nach den ersten Testfahrten 2018 in Sepang sieht es nun so aus, als könnte Rins teamintern sogar das Kommando übernehmen. An zwei von drei Tagen war er schneller als Iannone und drehte vor allem am letzten Tag so richtig auf, landete damit auf dem sechsten Rang in der kombinierten Zeitenliste.

Über welch großes Talent Rins verfügt, hat er bereits in den kleineren Klassen bewiesen. Kommt er verletzungsfrei durch die Saison, ist für ihn 2018 auch in der MotoGP viel möglich.

Takaaki Nakagami - LCR Honda

Als großer Favorit auf den Titel als bester Rookie der MotoGP-Saison 2018 galt bislang Franco Morbidelli, nachdem er im Vorjahr eine beeindruckende Moto2-Saison mit dem Weltmeistertitel gekrönt hatte. In Sepang war es nun aber Takaaki Nakagami, 2017 mit weniger als halb so vielen Punkten wir Morbidelli nur WM-Siebter in der Moto2, der seine Debütantenkollegen hinter sich ließ.

Nakagami beendete die drei Testtage als 15. in der kombinierten Zeitenliste und lag mit nur 1,2 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit fünf Ränge und gut vier Zehntelsekunden vor Morbidelli. Aufgrund der Resultate in der Moto2 ein vielleicht überraschendes Ergebnis, blickt man auf Nakagamis bisherige Rennerfahrung aber gar nicht so verwunderlich.

In der Moto2 war Nakagami nur selten ganz an der Spitze zu finden - Foto: Milagro

Denn während etwa Morbidelli seit 2011 durchgehend auf 600ccm-Maschinen unterwegs war - zunächst in der Superstock und dann in der Moto2 - konnte Nakagami bereits einige Kilometer auf größeren Motorrädern abspulen. Er war für Honda bei den Acht Stunden von Suzuka im Einsatz und die dort verwendeten Bikes kommen denen in der MotoGP näher als alle anderen Zweiräder. Nicht nur, dass die Maschinen leistungsmäßig nicht weit von den Prototypen entfernt sind. Die Werks-Bikes in Suzuka verfügen auch über extrem komplexe Elektroniksysteme. Genau dieser Bereich macht den MotoGP-Rookies zunächst oft am meisten zu schaffen.

Kann Nakagami diesen Wissensvorsprung über die Saison konservieren, ist es durchaus denkbar, dass wir mit ihm 2018 einen aufregenden Rookie in der MotoGP erleben.


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