MotoGP

Ducati: Lorenzo als Hürde für Andrea Doviziosos Gehaltserhöhung

Andrea Dovizioso ist in der MotoGP-Elite angekommen. Nun will er auch dementsprechend entlohnt werden. Doch kann Ducati das überhaupt stemmen?
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Sechs Rennsiege, acht Podien, Vizeweltmeister - Andrea Dovizioso fuhr 2017 eine bärenstarke Saison und schaffte in seinem zehnten MotoGP-Jahr endlich den Sprung vom Mitläufer zu einem der absoluten Spitzenpiloten der Königsklasse. Damit wurde er auch zur teaminternen Nummer eins bei Ducati, ließ den Neuzugang und erhofften Heilsbringer Jorge Lorenzo locker hinter sich. Aber auch wenn Dovizioso Lorenzo in der gemeinsamen Ducati-Zeit sportlich in die Schranken wies, beträgt Lorenzos Gehalt immer noch ein Vielfaches von dem, was Dovizioso verdient.

Klar, Doviziosos aktuell laufender Vertrag wurde für 2017 und 2018 unterschrieben, bis Ende diesen Jahres muss sich der Italiener also noch mit seinem aktuellen Verdienst begnügen. Für 2019 geht es aber um einen neuen Vertrag und den will Dovizioso verständlicherweise besser dotiert haben.

Ducati bezahlt Lorenzo Vielfaches von Dovizioso

Offizielle Angaben über die Gehälter der MotoGP-Stars gibt es keine, man nimmt aber an, dass Dovizioso aktuell rund 2,5 Millionen Euro jährlich von Ducati erhält. Teamkollege Lorenzo hingegen ist seit seiner Unterschrift bei den Roten aus Bologna der bestbezahlte MotoGP-Pilot - 12 Millionen Euro soll sein Gehalt vom Werk betragen, womit er noch vor Valentino Rossi oder Marc Marquez liegt.

Vizeweltmeister 2017 - in der Gehaltsliste der MotoGP liegt Dovizioso aber weit zurück - Foto: Ducati

In ähnliche Gefilde will nun auch Dovizioso vorstoßen, doch Ducati-Motorsportchef Paolo Ciabatti sieht darin ein Problem. "Natürlich würden wir gerne beide unsere Fahrer halten, aber unser Budget ist nicht unbegrenzt", erklärte er gegenüber dem 'Corriere dello Sport'. Lorenzos fürstliches Gehlat könnte also zum Stolperstein auf Doviziosos Weg in den Club der Großverdiener werden. "Uns ist klar, dass Dovi ein Angebot erwartet, das auf dem Niveau der anderen Spitzenpiloten ist und seinen jüngsten Resultaten entspricht. Wir können aber nicht unser gesamtes Geld für einen Bereich ausgeben, es muss auch etwas für die Entwicklung bleiben."

Wird Doviziosos Gehalt also tatsächlich mächtig aufgebessert, könnte Ducati zu dem Hersteller werden, der am meisten Geld für seine Fahrer ausgibt. Honda hat mit Marquez einen Topverdiener, Dani Pedrosa kostet den Japanern allerdings wenig. Gleiches gilt, zumindest noch, bei Yamaha für Rossi-Teamkollege Maverick Vinales.

Reicht Ducatis Geld für Dovizioso und Lorenzo?

Die Frage bleibt, ob Ducati dieses Geld locker machen kann. Die italienische Edelschmiede befindet sich im Besitz von Audi, das Ducati zwar im Vorjahr gerne verkauft hätte, allerdings keinen Abnehmer fand. Großer Geldgeber im Hintergrund ist bei Ducati der Tabakkonzern Philip Morris. Seit der Einführung des Tabakverbots ist man mit der Marke 'Marlboro' zwar nicht mehr als Sponsor präsent, das gesamte Design des MotoGP-Teams ist aber weiterhin in Anlehnung an das Weiß-Rot des Zigarettenlabels gestattet. Das ist Philip Morris etliche Millionen Euro wert.

Philip Morris steckt immer noch viel Geld in Ducatis MotoGP-Projekt - Foto: Ducati

Ducati wird nach den Sepang-Tests Ende Januar die Gespräche mit Dovizioso beginnen, wie Ciabatti verrät. "Es werden aber sicherlich schwierige Verhandlungen", weiß der erfahrene Mann in der Ducati-Führungsebene. Auch ein Abgang Doviziosos ist nicht ausgeschlossen. Schon für 2017 war Honda an ihn herangetreten, um ihn zurück ins Repsol-Werksteam zu holen, für das er bereits von 2009 bis 2011 gefahren war.

Honda und Yamaha dementieren Interesse an Dovizioso

Damals schien ein Wechsel von Pedrosa zu Yamaha als Nachfolger von Lorenzo denkbar, Dovizioso wäre Pedrosas Ersatzmann bei Honda geworden. Beim Saisonfinale 2017 erklärten sowohl Yamahas-Motordirektor Lin Jarvis als auch der damalige Honda-Chef Livio Suppo, dass sie kein Interesse an Dovizioso hätten. In der schnelllebigen Welt der MotoGP kann sich das aber schnell ändern, wie die Vergangenheit schon oft genug zeigte.


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