MotoGP / Analyse

MotoGP-Analyse Motegi: Ducati beeindruckt, Debakel für Yamaha

Ducati war im MotoGP-Rennen in Motegi die Nummer eins. Yamaha schlitterte in ein Debakel. Das spannende Regenrennen in der Analyse:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez und Andrea Dovizioso sorgten am Sonntag in Motegi für ein MotoGP-Feuerwerk. In der WM zogen sie ihrem Rivalen Maverick Vinales auf und davon. Dessen Arbeitgeber Yamaha spielte an diesem Wochenende sogar nur die fünfte Geige im Sextett der Hersteller, wie unsere GP-Analyse zeigt.

MotoGP Motegi 2017: Das Wichtigste in 65 Sekunden: (01:05 Min.)

Dovi und Marquez in eigener Liga

An den beiden ersten Plätzen gab es nichts zu rütteln. Früh reihten sich Andrea Dovizioso und Marc Marquez hinter Danilo Petrucci ein, hatten ihn in der 14. Runde überholt und sich anschließend binnen drei Umläufen entscheidend abgesetzt. Wie überlegen die beiden Titelrivalen an diesem Sonntag waren, zeigt ein Blick auf die Rundenzeiten.

Die schnellsten zehn Einzelzeiten des Japan-GP

Pos.FahrerZeitRunde
1.Andrea Dovizioso1:56,568Lap 18
2.Marc Marquez1:56,713Lap 14
3.Marc Marquez1:56,759Lap 17
4.Andrea Dovizioso1:56,831Lap 14
5.Andrea Dovizioso1:56,926Lap 19
6.Marc Marquez1:56,967Lap 18
7.Andrea Dovizioso1:57,020Lap 15
8.Marc Marquez1:57,108Lap 11
9.Andrea Dovizioso1:57,117Lap 12
10.Andrea Dovizioso1:57,148Lap 17

Die schnellsten zehn Rundenzeiten während des Rennens in Motegi wurden allesamt von Dovizioso und Marquez erzielt. Danilo Petruccis persönliche Bestzeit von 1:57,158 Minuten war insgesamt nur die elftschnellste an diesem Tag in Motegi gefahrene Runde. Insgesamt knackten nur neun Fahrer die Marke von 1:58,000 - ein Wert, den Dovizioso ab der 7. Runde nur einmal überschritt. Auch Marquez blieb zwischen Lap 7 und Zieleinlauf nur dreimal über 1:58,000.

Was war mit Yamaha los?

Yamaha enttäuschte im verregneten Motegi auf voller Linie: Johann Zarco rettete mit Platz 8 gerade einmal acht WM-Punkte für die Hersteller-Wertung, in der Yamaha nach Motegi hinter Ducati auf den dritten Rang zurückfiel. Maverick Vinales musste mit dem zweitschlechtesten Zieleinlauf-Ergebnis der laufenden Saison (er wurde 9.) wohl endgültig seine WM-Chancen begraben. Valentino Rossi und Folger-Ersatzmann Kohta Nozane fielen aus.

Nicht nur der Blick auf das Gesamtergebnis fällt für Yamaha verheerend aus, auch die einzelnen Rundenzeiten waren so mies wie schon lange nicht mehr. Fahrer von Ducati, Honda, Suzuki und Aprilia waren in ihrer besten Einzelrunde schneller unterwegs als 1:57,531 - die schnellste Rundenzeit einer Yamaha am Sonntag (Vinales).

Am Rundenzeit-Diagramm lässt sich eine klare Tendenz ablesen: Bis zur Rennmitte wurde die Yamaha schneller, danach gingen die Rundenzeiten rasant nach oben. So erzielte Vinales in der 13. Runde seine schnellste Zeit, Zarco nur eine Lap später. Ducati blieb viel länger konkurrenzfähig: So fuhr Dovizioso erst in der 18. Runde seine schnellste Rennrunde, Lorenzo gar erst im 21. Umlauf.

Auch bauten die Zeiten der Konkurrenz nicht so rapide ab wie jene der Yamaha-Fahrer. Von Runde 13 bis 15 hielt Vinales sich im Bereich zwischen 1:57,5 und 1:57,8, ab dann war jede einzelne Rundenzeit langsamer als die vorangegangene. Die Zeiten sackten zwischen Runde 15 und 16 um eine gute halbe Sekunde ab, zwischen Lap 18 und 19 noch einmal um sieben Zehntel und ab Lap 20 lag Vinales nur noch über zwei Minuten Rundenzeit.

Ein ähnlicher Abbau war bei Zarco zu beobachten. Auch er knackte die 1:58 in Runde 15 zuletzt und lag ab Umlauf 20 nie wieder unter einer Rundenzeit von zwei Minuten. Zarco wurde von Runde 19 bis zum Zieleinlauf um vier Plätze nach hinten durchgereicht. Vinales verlor einen Platz in der Schlussphase an den starken Finisher Lorenzo.

Von der 19. bis zur vorletzten Runde fuhren Zarco und Vinales in jeder einzelnen Runde die langsamsten Umlaufzeiten unter allen Fahrern der Top-9. Genau diese Phase kostete Zarco Platz vier und Vinales die Chance, gemeinsam mit Lorenzo noch Plätze gut zu machen.

Lorenzo verspielt Podestplatz

Wenn man sich die Rundenzeiten von Jorge Lorenzo ansieht, erkennt man, dass der dreifache MotoGP-Champion das Zeug zu einem Podestplatz gehabt hätte. Er war in den Runden 21 und 22 der schnellste Mann im Feld und machte in den letzten sieben Runden noch drei Plätze gut. Auch sein Start war stark, denn er führte nach der ersten Runde das Feld an. In den Runden 4 bis 6 wurde er allerdings vom 2. auf den 9. Rang durchgereicht, wo er beinahe das halbe Rennen hinter Vinales fest hing.

Am Ende der 3. Runde nur 1,377 hinter Danilo Petrucci, lag er am Ende der 8. Runde schon 15,180 Sekunden hinter dem Italiener. Fünf Umläufe lang büßte er im Schnitt also 2,761 Sekunden auf Petrucci ein. In der vorletzten Runde lag Lorenzo nur 16,386 Sekunden hinter dem Italiener - zwischen 8. und vorletztem Umlauf hatte er also nur 1,206 auf Petrucci verloren. Obwohl er dabei auch noch Überholmanöver setzen musste.

Fazit

Motegi war im Regen eindeutig Ducati-Land. Die starke Performance von Andrea Dovizioso, Danilo Petrucci und von - bis auf fünf verhängnisvolle Runden - Jorge Lorenzo beweist das. Honda durfte zumindest auf Speerspitze Marc Marquez zählen, während Yamaha in das bislang größte Debakel der Saison schlitterte. Die beiden Suzuki-Asse und Aprilias Aleix Espargaro profitierten davon. Vor allem Yamaha muss sich rasch um eine Trendumkehr bemühen, denn die Formkurve zeigt deutlich nach unten. Motegi war bereits das dritte Rennen in Folge ohne eine einzige M1 auf dem Podest.


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