MotoGP

Ein Meisterstück der psychologischen Kriegsführung - Blog - Rossi kritisiert Marquez: Warum eigentlich?

Valentino Rossi bezichtigt Marc Marquez, Jorge Lorenzo in der Weltmeisterschaft zu helfen. Glaubt er das wirklich? Mit Sicherheit nicht.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez ist aus dem Titelrennen 2015 - und doch mittendrin. Dort hineingezogen hat ihn Valentino Rossi. Nach dem Australien-Grand-Prix wirft er Marquez nämlich vor, im Rennen von Phillip Island unnötig mit ihm gespielt und ihm so ein besseres Ergebnis gekostet zu haben. Am Donnerstag in Sepang ging Rossi sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete Marquez als neuen Unterstützer Lorenzos im Titelkampf. Rossi trug bei seinen Worten ein Lächeln auf den Lippen. Hatte er seine Worte völlig ernst gemeint? Natürlich nicht. Nur Spaß war es aber garantiert auch nicht.

Rossi beherrscht das Spiel mit Worten mindestens ebenso gut wie das mit Motorrädern. Seine Aussagen am Donnerstag sprudelten garantiert nicht einfach so aus ihm heraus, er wusste genau was er sagte. Er weiß, dass es Marquez absolut egal ist, ob der MotoGP-Weltmeister 2015 am Ende Valentino Rossi oder Jorge Lorenzo heißt. Marquez ist Vollblutrennfahrer und als solcher will er Rennen gewinnen, alles andere spielt eine bestenfalls marginale Rolle. Nach Rossis Vorwürfen irgendwo zwischen Scherz und Ernst wird aber jedes Manöver Marquez' mit Argusaugen beobachten werden. Er wird sich hüten, etwaigen Spekulationen über Schützenhilfe für Lorenzo auch nur in irgendeiner Weise Nahrung zu geben.

Marquez als Puffer für Lorenzo: Rossis Albtraum - Foto: Yamaha

Denn auch Marquez weiß, dass man sich in der MotoGP und ihrer Fangemeinde nur Freunde machen kann, wenn man sich nicht gegen Rossi stellt. Das mussten in der Vergangenheit schon zahlreiche andere Stars einsehen. So hat Rossi dieses Mal auf elegante Art sichergestellt, dass ihm Marquez im Titelkampf zumindest nicht unnötig schadet und ihm vielleicht sogar minimal hilft.

So ist das eben mit Valentino Rossi. Auch nach 20 Jahren in der Weltmeisterschaft versteht er es immer noch, uns zu überraschen. Seine Taten und Worte sind auf den ersten Blick oft schwer zu verstehen, seine Fans und Sympathisanten haben mitunter Schwierigkeiten, diese Seite ihres Idols zu akzeptieren. Dabei gibt es dazu absolut keinen Grund dafür. Rossis Verhalten ist das eines durchtriebenen Schlitzohrs, ja. Aber genau das ist nötig, um ein großer Champion dieses Sports zu werden. Wer damit nicht klarkommt, muss seine Aufmerksamkeit in Zukunft wohl leider dem Synchronschwimmen und nicht der MotoGP schenken.


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