Von 18 auf elf. Um sieben Punkte schmolz Valentino Rossis Vorsprung gegenüber Jorge Lorenzo in der WM am vergangenen Sonntag in Australien. Während Rossi nämlich nur Vierter wurde, konnte Lorenzo das Rennen auf Phillip Island mit Rang zwei beenden. Für Rossi hätte es sogar noch viel schlimmer kommen könnte, wäre Marquez nicht wenige Kurven vor Ende des Grand Prix noch an Lorenzo vorbeigegangen. Doch anstatt Marquez dankbar dafür zu sein, dass er Lorenzo um fünf Punkte in der Weltmeisterschaft, war Rossi nach dem Rennen sauer auf den amtierenden Weltmeister.

Rossi war nämlich der Meinung, dass Marquez mit Lorenzo gespielt hatte, ihn schon viel früher überholen und so einbremsen hätte können. Das wiederum hätte die Möglichkeit für Andrea Iannone und Rossi eröffnet, vielleicht vor Lorenzo zu landen. Der Doktor stützt seine Überlegungen auf die Tatsache, dass Marquez sowohl in den Freien Trainings als auch im Qualifying der mit Abstand schnellste Mann auf der Strecke war und Lorenzo in der entscheidenden letzten Rennrunde nicht weniger als acht Zehntelsekunden abnahm.

Marquez attackierte Lorenzo erst wenige Runden vor Schluss -
Marquez attackierte Lorenzo erst wenige Runden vor Schluss -Foto: Bridgestone

Überhitzter Reifen oder Absicht?

Tatsächliche wechselte Marquez' Pace im Laufe des Rennens immer wieder relativ deutlich. Derartige Schwankungen können durchaus ein Zeichen dafür sein, dass sich ein Pilot nicht in die Karten blicken lassen will und deshalb langsamer fährt, als er eigentlich könnte. Marquez wollte davon aber nichts wissen und beteuerte, immer wieder Tempo herausgenommen zu haben, weil sein Vorderreifen überhitzte. "Ja, das wird es gewesen sein", meinte Rossi in hörbar sarkastischem Tonfall nach dem Rennen. Und setzte seine Ausführungen ernst fort. "Ich kann es nicht wirklich verstehen. Dass es an den Reifen lag, glaube ich aber nicht."

Ein Satz, mit dem Rossi Marquez also vorwirft, die Unwahrheit zu sagen. Auffällig war auf jeden Fall, dass es nach dem Rennen keine netten Worte von Rossi in Richtung Marquez gab, obwohl der Lorenzo ja fünf Punkte gekostet hatte. Ganz anders sah es bei Lorenzo und Iannone aus. Der Mallorquiner bedankte sich nämlich ganz öffentlich bei Iannone dafür, dass er Rossi auf Rang vier verdrängt hatte.

Marquez zeigt sich von der Kritik seines einstigen Idols jedenfalls unbeeindruckt und beteuert, im Titelkampf stets neutral und fair zu bleiben. "Wenn einer der Beiden mein Teamkollege wäre, dann würde ich ihm natürlich helfen. Das ist aber nicht der Fall. Ich fahre nur für mein Team und mich. Mein Ziel ist es, Rennen zu gewinnen", so der Repsol-Honda-Pilot. Auch auf die Frage eines Fans in seinem Blog, wem er denn nun den Titel mehr gönnen würde, weicht Marquez von seinen bisherigen Aussagen nicht ab: "Ich meine es ganz ehrlich, wenn ich sage, dass ich den Besseren gewinnen sehen will. Ich schlage mich auf keine Seite und wünsche den Beiden nur das Beste. Sowohl für Valentino als auch für Jorge hatte ich schon immer viel Respekt. Möge der Bessere gewinnen!"