Für reichlich zusätzlichen Zündstoff im dramatischen WM-Finale sorgte der Grand Prix von Australien am vergangenen Wochenende. In dem sensationellen Rennen fiel die Entscheidung um die ersten vier Plätze erst in der letzten Runde. WM-Leader Valentino Rossi musste sich mit Platz vier begnügen, nachdem er das direkte Duell gegen Andrea Iannone verloren hatte. An der Spitze vermied Marc Marquez, der Jorge Lorenzo wenige Kurven vor Ende noch abfing und Rossis Herausforderer so fünf Punkte kostete, das Worst-Case-Szenario für den Doktor. Dennoch war es Marquez, der sich anschließend Kritik von Rossi gefallen lassen musste.

Der hatte nämlich kein Verständnis für die großen Schwankungen in der Pace Marquez' über die Renndistanz. Marquez rechtfertigte sich damit, dass seine Reifen am Limit waren und er so immer wieder Tempo herausnehmen musste. Rossi reagierte darauf nur schnippisch: "Ja, sicher. Das wird es gewesen sein." Am Donnerstag wiederholte Rossi in Sepang seine Vorwürfe. "Es war klar zu sehen, dass Marc mit uns gespielt hat. Er hatte das Potenzial, sich abzusetzen. Dann hätte es ein anderes Rennen werden können", ist er überzeugt. Zustimmung erhält er von Iannone: "Ich denke auch, dass Marc mit uns gespielt hat. Er ist teilweise sehr langsam geworden und ich konnte ihn ganz einfach überholen. Ich weiß nicht warum. Diese Strategie kann ich nicht ganz verstehen, aber gut."

Erst in der letzten Runde zeigte Marquez sein Potenzial und ging an Lorenzo vorbei -
Erst in der letzten Runde zeigte Marquez sein Potenzial und ging an Lorenzo vorbei -Foto: Bridgestone

Von den Vermutungen, Marquez wolle seinem Landsmann Lorenzo zum Titel verhelfen und sich somit vielleicht auch für die beiden bitteren Niederlagen gegen Rossi in Argentinien und den Niederlanden rächen, nahm der Doktor aber in seiner gewohnt ironischen Art Abstand. "Sein Ziel war es bestimmt, nicht nur das Rennen zu gewinnen, sondern auch Jorge dabei zu helfen, mir Punkte abzunehmen. Es ist ganz klar, dass Jorge jetzt mit Marc einen neuen Unterstützter hat", scherzte er. "Ja, Marc hat mir wahnsinnig geholfen. Vor allem in der letzten Runde", schmunzelte Lorenzo daraufhin, der eine gewisse Trauer über die fünf verpassten Punkte doch nicht verbergen konnte.

Marquez wehrt sich

Marquez hörte die Vorwürfe lange mit an, bevor er sich schließlich zu einer Aussage hinreißen ließ. "Ich verstehe nicht, warum mir das vorgeworfen wird", ärgerte er sich. "Unsere Daten zeigen ganz klar, dass mein Motorrad den Vorderreifen stark beansprucht hat, deshalb habe ich teilweise Probleme bekommen. Dann habe ich mich natürlich darauf konzentriert, mit meinen Reifen gut hauszuhalten. Gegen Mitte des Rennens habe ich auch versucht, mich abzusetzen, aber das war nicht möglich."

Verwundert zeigte sich Marquez auch darüber, wieso von ihm erwartet wurde, das Rennen an der Spitze zu diktieren. "Es ist nicht mein Stil, Rennen vom Anfang bis zum Ende anzuführen. Ich fahre meine Rennen so, wie es am besten für mich ist. Das Wichtigste ist, dass ich gewinne", machte er keinen Hehl aus seinen Ambitionen. "Ich habe nicht gespielt, ich bin lediglich mein Rennen gefahren. Wenn ich Jorge helfen hätte wollen, dann wäre ich sicher nicht in der letzten Runde an ihm vorbeigegangen."