Nur noch zwei Rennen stehen in der MotoGP-Saison 2015 aus. Das erste Finale erwartet die Fans am kommenden Wochenende auf dem Sepang International Circuit in Malaysia. Die Spannung im Titelfight zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo ist zum Greifen. Holt Rossi seinen zehntel WM-Titel oder krönt sich Lorenzo zum fünften Mal zum Champion? Der Druck auf beide ist riesig, doch den weisen beide südländisch-locker von sich.

Rossi: Lorenzo muss Punkte gutmachen

"Natürlich habe ich hier den ersten Matchball, doch der Druck auf Jorge ist größer, denn er muss Punkte aufholen", unterstrich Rossi auf der Pressekonferenz am Donnerstag. "Für mich gilt aber auch: Ich muss das Maximum geben und in den freien Trainings hart arbeiten, damit ich zum Rennen am Sonntag bereit bin", krempelt Rossi bereits die Ärmel hoch. Er ist sich bewusst, im Titelrennen bis ans Limit und darüber hinaus gehen zu müssen und zieht dabei einen bildhaften Vergleich. "Unser Level und unser Speed sind fast gleich und der Abstand so klein. Es ist wie ein Fußballspiel. Hier läuft die erste Halbzeit und in Valencia die zweite".

Lorenzo und Rossi jagen den WM-Titel -
Lorenzo und Rossi jagen den WM-Titel -Foto: Milagro

Dem Rennen in Sepang sieht Rossi jedenfalls mit großem Optimismus entgegen. Der Doktor verbindet viele gute Erinnerungen mit dieser Strecke, hier fixierte er 2003, 2005 und 2009 den Titel und sorgte mit seinem Sieg 2004 für eine Vorentscheidung. "Sepang ist eine großartige Strecke, die ich sehr mag", schwärmt der neunfache Champion. "Der Großteil des Feldes mag die Strecke. Das Layout ist fantastisch, aber der Griplevel ist viel geringer als in der Vergangenheit weil die Strecke oft benutzt wird. Aber es ist eine große Freude, hier mit einem MotoGP-Motorrad zu fahren!"

Lorenzo: Habe nichts mehr zu verlieren

Den Druck hat Rossi auf seinen Teamkollegen abgeschoben, doch was sagt dieser zur Drucksituation vor dem malaysischen Grand Prix? Jorge Lorenzo dazu ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich habe keinen Druck! Ich habe in Misano einen Fehler gemacht und die Meisterschaft fast verloren. Deshalb kann ich eigentlich nur noch gewinnen!" Der Mallorquiner gibt den Druck also sofort wieder zurück zum Teamkollegen und sendet gleich die nächste Kampfansage Richtung Rossi: "Ich habe in den letzten drei Rennen viel Boden gutgemacht. Ich habe zwar in Australien die Chance verpasst, es jetzt in der eigenen Hand zu haben. Aber ich war schon das ganze Jahr hinten und kann immer noch gewinnen. Ich habe nichts zu verlieren!"

Für Malaysia sieht sich Lorenzo auf jeden Fall in besserer körperlicher Verfassung als im Vorjahr, als er nur in der ersten Rennhälfte das Tempo von Rossi und Marc Marquez gehen konnte. "Ich habe damals in den zwei bis drei Wochen vor dem Rennen nicht genug trainiert und bin dann unvorbereitet hierher gekommen, aber dieses Jahr bin ich topfit", lässt Lorenzo wissen. Zum Kräfteverhältnis will sich der Mallorquiner jedoch noch nicht konkret äußern: "Yamaha ist gut hier, aber auch Honda. Dani und Marc werden stark sein, aber es ist auch nicht die schlechteste Strecke für uns. Man weiß nie was passiert."

2009 setzte sich Rossi gegen Lorenzo durch -
2009 setzte sich Rossi gegen Lorenzo durch -Foto: Milagro

Erinnerungen an 2009

Rossi vs. Lorenzo - dieses knallharte Duell um die WM gab es schon 2009. Damals hatte Rossi in einem ähnlich denkwürdigem Jahr das bessere Ende für sich und holte ausgerechnet in Malaysia den Titel, seinen neunten insgesamt und seinen siebten in der Königsklasse. Auch an diesem Wochenende kann der Doktor die WM klarmachen, wenn er 15 Punkte mehr als sein Teamkollege holt. "Ich hatte damals einen sehr harten Kampf mit Jorge", erinnert sich Rossi.

Der Italiener vergleicht den WM-Fight von damals mit der aktuellen Situation und verrät: "Damals gab es mehr Ups und Downs. 2009 hatte ich mehr Fehler in den Rennen gemacht. Ich hatte einen guten Vorsprung, bin dann aber in Indy gestürzt und hatte in Portugal ein schlechtes Rennen. Jorge hat dafür in Australien in der ersten Kurve einen Bock geschossen. Aber jede Saison schreibt ihre eigene Geschichte und dieses Jahr ist es enger", findet Rossi.