MotoGP

MotoGP-Rückkehrer als Entwicklungsbremse - Aprilia-Boss: Fortschritt ohne Melandri größer

Marco Melandris MotoGP-Comeback war nach acht Rennen bereits wieder vorbei. Aprilias-Renndirektor Romano Albesiano findet im Nachhinein keine netten Worte.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Eine derartige sportliche Demontage eines ehemaligen Spitzenpiloten, wie sie Marco Melandri 2015 erleben musste, hatte die MotoGP noch nicht gesehen. Der Vizeweltmeister von 2005 sollte nach vier Jahren in der Superbike-WM das neue MotoGP-Projekt von Aprilia wesentlich mitgestalten, doch dazu kam es nie. Von Anfang an fehlte Melandri jegliches Vertrauen in die RS-GP, Stürze passierten am laufenden Band. Melandri hatte praktisch ein Abo auf den letzten Platz in der Zeitenliste, während Teamkollege Alvaro Bautista deutlich weiter vorne mitmischte. Eine Zeit lang sah man bei Aprilia dieses traurige Schauspiel mit an, nach dem Rennwochenende in Assen hatten die Verantwortlichen aber genug und zogen die Notbremse. Melandri wurde fristlos gefeuert und am Sachsenring durch Testpilot Michael Laverty ersetzt, ab Indianapolis übernahm Stefan Bradl den zweiten Platz im Werksteam.

Ohne ihn wäre der Fortschritt sicherlich größer gewesen.
Romano Albesiano

Rückblickend betrachtet Aprilias Renndirektor Romano Albesiano die Performance Melandris als deutliches Hindernis in der Weiterentwicklung der RS-GP. "Ohne ihn wäre der Fortschritt sicherlich größer gewesen", stellt er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com klar. "Marco kann ein sehr guter Fahrer sein, aber dieses Mal hat es einfach nicht funktioniert."

Insgesamt zeigt sich Albesiano mit den gemachten Fortschritten aber durchaus zufrieden. Zuletzt auf Phillip Island erreichte Alvaro Bautista auf Rang 14 mit gut 37 Sekunden den bisher kleinsten Rückstand eines Aprilia-Piloten in dieser Saison. "Die RS-GP basiert ja auf dem RSV4-Superbike, das wiederum von unserer Straßenmaschine abstammt. So gesehen ist es ein Wunder, dass wir überhaupt mit den Open-Bikes mithalten können", gibt Albesiano zu bedenken.

Bautista fuhr auf Phillip Island das vielleicht beste Rennen seiner Saison - Foto: Aprilia

Für die kommende Saison soll freilich dennoch ein völlig neuer Prototyp her. Details über das neue Motorrad will Albesiano noch nicht verraten, es wird aber voraussichtlich über ein V4-Aggregat, pneumatische Ventilsteuerung und ein stufenloses Getriebe verfügen.

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