23 Punkte beträgt der Vorsprung von Valentino Rossi auf Jorge Lorenzo in der MotoGP-Weltmeisterschaft nach dem Grand Prix von Misano. Größer war der Abstand zwischen den beiden Yamaha-Teamkollegen in dieser Saison erst einmal. Nach dem Argentinien-GP, dem dritten Rennen des Jahres, hatte Rossi 29 Zähler Guthaben auf Lorenzo. In den folgenden acht Grands Prix verkleinerte der Mallorquiner die Lücke dann aber immer wieder und lag nach dem Rennen in Brünn schließlich punktegleich mit Rossi an der Spitze, aufgrund der größeren Anzahl der Siege führte er die Weltmeisterschaft sogar an.

Eine erneute Aufholjagd Lorenzos kann also auf keinen Fall ausgeschlossen werden, doch dieses Mal hat der zweifache MotoGP-Weltmeister nicht mehr so viel Zeit. Nur noch fünf Rennen stehen 2015 auf dem Programm. Am letzten September-Wochenende geht es nach Aragon, bevor das Übersee-Triple mit den GPs in Japan, Australien und Malaysia folgt. Den Abschluss bildet wie gewohnt das Rennwochenende in Valencia.

In diesen fünf Rennen muss Lorenzo nun also 23 Punkte gutmachen, will er seinen dritten Titel in der Königsklasse einfahren. Ein überaus schwieriges Unterfangen, meint auch Rekordweltmeister Giacomo Agostini. "23 Punkte auf Valentino aufzuholen ist nicht einfach", stellt er fest. "Die Weltmeisterschaft ist immer noch offen, aber das Problem für Jorge ist, dass Valentino über so eine unglaubliche mentale Stärke verfügt. Er weiß ganz genau, wie er ein Rennen richtig managt, um die maximalen Punkte mitzunehmen." Diese mentale Stärke, die Agostini an Rossi so lobt, vermisste er bei Lorenzo am Sonntag in Misano: "Jorge hat einen Fehler gemacht. Er hätte früher reinkommen sollen, so wie Marc. Man muss aber schon dazu sagen, dass das heute keine einfache Situation war."

Im Duell mit Rossi zog Lorenzo in Misano den Kürzeren -
Im Duell mit Rossi zog Lorenzo in Misano den Kürzeren -Foto: Tobias Linke

Vorteil Rossi

Mit einem Blick auf den aktuellen WM-Stand und das Kräfteverhältnis zwischen Rossi und Lorenzo hat Agostini nun einen klaren Favoriten auf den Titelgewinn. "Ich würde sagen, Valentino ist zu 80 Prozent Weltmeister", so der 15-fache Champion. Agostini hat für seinen Landsmann sogar noch einen guten, wenn auch nicht ganz ernst gemeinten Tipp auf Lager: "Um den Weltmeistertitel zu holen, soll er besser nicht mehr zu sehr auf Sieg fahren. Ich muss ihm klarmachen, dass er es ruhig angehen und auf Platz zwei oder drei fahren soll. Sonst gewinnt er am Ende noch mehr Rennen als ich!"

Agostini ist nach wie vor nicht nur der Fahrer mit den meisten Weltmeistertiteln, sondern auch der mit den meisten Grand-Prix-Siegen. Insgesamt 122 Mal stand er in den Klassen bis 350- und 500ccm ganz oben auf dem Podium. Rossi hält aktuell bei 112 Siegen.