MotoGP

Psychokrieg zwischen Rossi und Lorenzo unerwünscht - Yamaha mahnt Fahrer: Geht euch nicht auf den Sack!

Seit Brünn liegen Rossi und Lorenzo in der WM gleichauf, der Titelkampf wird auch im Kopf entschieden. Psychologische Spielchen will Yamaha aber nicht zulassen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Der Kampf um den MotoGP-Weltmeistertitel 2015 spitzt sich mehr und mehr zu. Nach elf von 18 Rennen liegen die beiden Yamaha-Werkspiloten Valentino Rossi und Jorge Lorenzo absolut punktegleich an der Spitze der Gesamtwertung. Der Spanier darf sich lediglich aufgrund der größeren Anzahl an Rennsiegen - fünf von Lorenzo gegen drei von Rossi - über die WM-Führung freuen. Beide Fahrer agieren mittlerweile seit Monaten an ihrem absoluten Leistungszenit und überzeugen sowohl durch unglaublichen Speed als auch beeindruckender Konstanz. Es wäre also schon eine Überraschung, würde die MotoGP-Saison 2015 vorzeitig und nicht erst beim Finale in Valencia am ersten November-Wochenende entschieden.

Dass so ein Kampf dann nicht nur durch das reine Können auf der Strecke, sondern auch durch die mentale Komponente entschieden wird, ist klar. Valentino Rossi gilt als Meister in dieser Disziplin. Er zermürbte so bereits Piloten wie Max Biaggi oder Sete Gibernau und versuchte es in seiner ersten Yamaha-Ära auch mit Jorge Lorenzo. Mittlerweile legendär ist die Trennwand, die Rossi von seiner Crew in der Box aufstellen ließ. Ende 2010 hatte der Mann mit der gelben Nummer 46 schließlich genug davon, sich um den Nummer-eins-Status im Team mit Lorenzo streiten zu müssen und verließ Yamaha in Richtung Ducati.

In ihren ersten gemeinsamen Yamaha-Zeit ließen die Rivalen keine Chance für eine Spitze gegen den Gegner aus - Foto: Milagro

Rossi nach Rückkehr handzahm

Nach zwei Horrorsaisons mit den Italienern kam Rossi wieder reumütig zu Yamaha zurück. Das Verhältnis zum neuen alten Teamkollegen Lorenzo sah nun völlig anders aus. Superstar Rossi stellte öffentlich klar, dass sein jüngerer Stallgefährte nun der Leader im Team sei, schließlich war er zum damaligen Zeitpunkt der amtierende Weltmeister. 2013 hatte Lorenzo ihn auch klar im Griff. Satte 93 Punkte mehr als Rossi holte der Mallorquiner, den erneuten Titelgewinn verpasste er gegen Marc Marquez nur um vier Zähler. Im Vorjahr wendete sich das Blatt. Einen desaströsen Saisonstart Lorenzos nutzte Rossi, um sich in der Weltmeisterschaft bis zum Ende vor ihm zu halten. Er wurde schließlich Vizeweltmeister, Lorenzo musste sich mit Rang drei begnügen. Hinter Champion Marquez lagen beide meilenweit zurück.

Die bisherigen Teamduelle in der Gesamtwertung seit Rossis Rückkehr zu Yamaha waren also entweder so eindeutig, dass ein Psychokrieg gar keinen Sinn gemacht hätte, oder wie im Vorjahr derart unbedeutend, dass die mentale Kriegsführung wohl eher ins Lächerliche abgedriftet wäre. Doch nun sieht die Situation ganz anders aus. Rossi und Lorenzo trennt aktuell praktisch nichts und es geht um nichts Geringeres als den Weltmeistertitel in der Königsklasse des Motorradsports.

Aktuell hat Lorenzo im Titelkampf einen minimalen Vorsprung - Foto: Yamaha

Yamaha schiebt Psychokrieg Riegel vor

Bis dato blieb der Umgangston zwischen den beiden Piloten freundlich. Lorenzo prophezeite aber bereits vor dem Tschechien-Grand-Prix ein emotionales Weltmeisterschaftsfinale. Sollte sich am Verhältnis zwischen ihm und Rossi in nächster Zeit also etwas ändern, ist man bei Yamaha fest entschlossen, einzuschreiten. "Wir wollen Kämpfe auf der Strecke sehen, aber Psychospiele in der Box, um sich gegenseitig auf den Sack zu gehen, werden wir sicher nicht erlauben", stellt Wilco Zeelenberg, als Riders Performance Analyst bei Yamaha für die Leistung beider Fahrer verantwortlich, im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com klar.

Wir wollen Kämpfe auf der Strecke sehen, aber Psychospiele in der Box, um sich gegenseitig auf den Sack zu gehen, werden wir sicher nicht erlauben.
Wilco Zeelenberg

Aktuell sei noch alles im grünen Bereich, so der Niederländer: "Vale und Jorge respektieren sich gegenseitig sehr, weil sie über das Können des jeweils anderen ganz genau Bescheid wissen." Eine Niederlage sei zwar für jeden Fahrer schmerzhaft, gehöre aber dazu. "Das muss man einfach akzeptieren. Im Endeffekt bedeutet es nur, dass der Andere an diesem Tag einen besseren Job gemacht hat als man selbst."

Ganz ähnlich sieht Teamchef Massimo Meregalli die Situation. "Die zwei sind jetzt viel erwachsener als noch vor ein paar Jahren", erklärt er gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Natürlich will jeder den Anderen schlagen, aber das muss auf der Strecke passieren. Ich will nicht überoptimistisch sein, aber ich glaube dass sie alles geben, jedoch nie unfair zu Werke gehen werden."


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