Die Formel E hält an diesem Wochenende in Berlin die Saisonrennen 13 und 14 in der Saison 2025 ab. Die Berliner Hauptstadt ist der einzige Austragungsort in der elfjährigen Historie der Elektroweltmeisterschaft, der jedes Jahr im Rennkalender stand. Wie im Vorjahr werden in Berlin jedoch nicht alle 22 Stammfahrer auch an den Start gehen.

Grund hierfür ist eine Terminkollision mit der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC, die an diesem Wochenende ihr Rennwochenende im brasilianischen Sao Paulo austrägt. Insgesamt gehen sieben Formel-E-Piloten parallel zu ihrem Engagement in der Rennserie auch als Stammfahrer in der WEC an den Start. Die WEC priorisieren tun allerdings lediglich zwei: Nissan-Werksfahrer Norman Nato und Mahindra-Pilot Nyck de Vries.

Felipe Drugovich gibt Formel-E-Debüt, Sergio Sette Camara mit Comeback

Damit fehlen immerhin zwei Fahrer weniger als bei der Terminkollision vor einem Jahr. Damals war die Formel E mit dem WEC-Rennen in Spa-Francorchamps kollidiert. Neben de Vries fehlten damals auch Sebastien Buemi, Robin Frijns (beide Envision-Jaguar) sowie Nico Müller (damals Abt-Cupra, jetzt Andretti-Porsche). Alle drei Piloten fokussieren sich gemäß ihrer neuen Verträge in diesem Jahr auf die Formel E. Nato hingegen hatte im vergangenen Jahr bei Porsche-Kundenteam Andretti die Formel E priorisiert, lässt bei Nissan in diesem Jahr aber die Berlin-Rennen aus.

Ersetzt werden Nato und de Vries von zwei Brasilianern: Sergio Sette Camara und Felipe Drugovich. Sette Camara kann dabei bereits auf einige Formel-E-Erfahrung zurückblicken. Der 27-Jährige fuhr zwischen Ende 2020 und 2024 insgesamt viereinhalb Saisons als Stammfahrer in der Formel E und konnte dabei für die damaligen Hinterbänkler-Teams Penske und NIO, beziehungsweise ERT (heute Cupra-Kiro) in 66 ePrix-Starts als beste Platzierung einen vierten Platz erreichen.

Sergio Sette Camara bei der Formel E in Berlin
Sergio Sette Camara gibt in Berlin sein Formel-E-Comeback, Foto: IMAGO / Andreas Beil

Sette Camara: Top-Team-Chance nervenaufreibend

Ende des Jahres musste Sette Camara allerdings sein Cockpit beim neuformierten Kiro-Team zugunsten von Lokalmatador David Beckmann räumen. Nun ergibt sich bei Nissan zum ersten Mal die Chance bei einem Topteam für Sette Camara. Werksfahrer Oliver Rowland führt mit 69 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Pascal Wehrlein die WM bei noch vier verbleibenden Rennen klar an. Deutlich schwieriger lief es hingegen bislang für das zweite Nissan-Auto: Nato findet sich mit lediglich 19 Zählern auf dem 19. Meisterschaftsrang wieder.

Die ungewohnte Situation bei einem Topteam hat dabei jedoch nicht nur gute Seiten. „Es ist ein bisschen nervenaufreibend, um ehrlich zu sein“, erklärte Sette Camara in Berlin gegenüber Motorsport-Magazin.com. „Denn ein großer Teil von mir sagt: ‘Man, du wolltest diese Chance so lange, jetzt hast du sie.‘ Aber gleichzeitig hast du nur zwei Rennen. Manchmal siehst du Fahrer in konkurrenzfähigen Autos, die für drei, vier Rennen nicht performen und dann beginnen zu glänzen.“

Dieser Luxus ist Sette Camara hingegen nicht vergönnt. „Ich muss das in zwei Rennen schaffen, aber es ist nicht einfach“, so der Mann aus Belo Horizonte weiter. „Denn in dieser Meisterschaft ist es nicht gut genug, nahe dran zu sein, du musst voll da sein. Ansonsten bist du P15 oder P20.” Dementsprechend hoch sei der Druck. „Wenn du mir sagen würdest, dass ich fünf Rennen habe, wäre ich entspannt. Wenn es hier nicht gut läuft, könnte ich nach Hause gehen, mich ausruhen, nachdenken und es dann weiter versuchen. Hier habe ich nur eine Gelegenheit.“

Sette Camara will zurück ins Formel-E-Stammcockpit

Eine zusätzliche Herausforderung stellt sich Sette Camara dadurch, dass sich der Formel-E-Bolide im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Neben den mit mehr Grip ausgestatteten Einheitsreifen von Lieferant Hankook, verfügen die Autos nun in bestimmten Rennsituationen und im Qualifying auch über einen Allradantrieb.

Spekulationen über eine mögliche Weiterbeschäftigung Sette Camaras im Falle einer deutlich besseren Performance als Nato wies er derweil von sich: „Es gibt derzeit keine derartigen Gespräche und ich habe an keiner derartigen Unterhaltung teilgenommen. Ich bin hier, weil Norman in Sao Paulo fährt, aber ich sollte in London wieder Ersatzfahrer sein. Soweit ich weiß.“ Klar ist aber: Sette Camara will für 2026 als Stammfahrer zurück in die Formel E. „Absolut. Ich mag diese Meisterschaft wirklich und würde gerne wieder zurückkommen.“

Felipe Drugovich: Kein Unbekannter in der Formel E

Deutlich anders als bei Sette Camara sieht die Situation bei Felipe Drugovich aus. Der Formel-2-Champion von 2022 wird in der Formel E sein Debüt geben. Gänzlich unbekannt ist die Rennserie auch für den 25-Jährigen aber nicht. 2023 und 2024 absolvierte Drugovich insgesamt drei Testtage für das DS-Kundenteam Maserati in Berlin und Rom und fuhr 2023 in Berlin die schnellste Zeit. Auch über ein Stammcockpit für Drugovich wurde vermehrt diskutiert, letztlich blieb es jedoch rein bei seiner Rolle als Ersatzfahrer des Formel-1-Teams von Aston Martin.

Wie Sette Camara kann sich auch Drugovich bei Mahindra auf ein Team freuen, dass sich nach zuletzt schwierigen Jahren in dieser Saison stark verbessert zeigt. Das Werksteam liegt mit 121 Punkten an fünfter Stelle der Team-Meisterschaft. Die beiden Piloten Nyck de Vries und Edoardo Mortara konnten jeweils bereits einen Podestplatz einfahren.

Drugovich: Formel 1 immer noch möglich

”Es ist eine gute Gelegenheit für mich um einzusteigen“, blickte Drugovich im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com freudig auf das Wochenende voraus. „Ich bin dieses Auto schon ein paar Mal gefahren, aber darin Rennen zu fahren ist etwas komplett anderes.“ Auch bei Drugovich wäre grundsätzlich Bereitschaft für ein Stammcockpit vorhanden. „Ich wäre gerne dabei. Erstmal muss ich aber schauen, wie das Wochenende läuft, ob ich Spaß habe, ob ich einen guten Job abliefere, um den Leuten zu zeigen, was ich kann“, so Drugovich.

Zugleich hat Drugovich aber auch das Thema Formel-1-Stammcockpit nicht aufgegeben, wenngleich die Chancen auf einen Aufstieg jährlich sinken. „Um fair zu sein, glaube ich, dass es immer noch realistisch für nächstes Jahr ist“, glaubte er. „Aber danach nicht mehr wirklich. Wenn es also nächstes Jahr nicht passiert, wäre ich vollkommen zufrieden, hierher zurückzukommen und Rennen zu fahren.“

An diesem Wochenende werden es Sette Camara und Ticktum dabei auch mit den Lokalmatadoren aus dem Hause Abt zutun bekommen. Die Kemptener fahren dabei anlässlich der Premiere des neuen Superman-Films mit einer Speziallackierung. Die Details, auch zu einem ungewöhnlichen PR-Stunt, erfahrt Ihr hier: