Berlin oder Brasilien, Hauptsache Rennfahren. Es ist wieder einmal Zeit für das alljährliche Fahrer-Wechselspielchen, wenn die FIA-Weltmeisterschaften Formel E und WEC terminlich kollidieren. Zahlreiche Werkspiloten sind parallel in beiden Rennserien engagiert, und Hersteller bzw. Vertragsverhältnisse müssen klären, welcher Pilot am Wochenende wo im Einsatz sein muss bzw. darf.

So führt der Kalender-Clash zwischen dem Formel-E-Lauf in Berlin-Tempelhof und dem WEC-Rennen in Sao Paulo zu einer kurzfristigen Rückkehr von Marco Wittmann in die Langstrecken-Weltmeisterschaft. Der zweifache DTM-Champion startet an diesem Wochenende für BMW und teilt sich den #20 M Hybrid V8 erstmals mit Rene Rast sowie Sheldon van der Linde. In der WEC-Saison 2024 war Wittmann Stammfahrer auf dem Schwesterauto, auf dem nun Kevin Magnussen seinen Platz eingenommen hat.

Wittmann springt in Sao Paulo für Stammfahrer Robin Frijns ein, der stattdessen in Berlin für das Formel-E-Team Envision fährt. Wittmann begleitete die BMW-Mannschaft dieses Jahr bereits als Ersatzfahrer zu den 24 Stunden von Le Mans. Der 35-Jährige ist über den Winter von der WEC in die US-amerikanische IMSA-Meisterschaft gewechselt und geht weiterhin parallel in der DTM an den Start. Sein Heimspiel auf dem Norisring hatte sich der Lokalmatador allerdings ganz anders vorgestellt, wie ihr in diesem Artikel nachlesen könnt:

Ohne Buemi, mit de Vries: Toyota bei WEC mit Zwei-Fahrer-Crew

Während sich BMW entschieden hat, für Sao Paulo einen Ersatzmann zu nominieren, verzichten Toyota und Peugeot komplett auf einen dritten Fahrer. Den #8 Toyota GR010 Hybrid teilen sich nur Brendon Hartley und Ryo Hirakawa, weil Sebastien Buemi in der Formel E - wie Frijns für das Jaguar-Kundenteam Envision - antritt. "Wir werden Seb vermissen, aber es ist kein Problem, ein 6-Stunden-Rennen zu zweit zu absolvieren", sagte Hartley. Der vierfache Le-Mans-Sieger Buemi hat mit 90 Starts die meisten aller Fahrer in der Geschichte der WEC und seit 2013 kein Rennen verpasst.

Während Buemi auf dem #8 Toyota die Freigabe für Berlin erhalten hat, auch, weil die Crew in der WM-Tabelle nur den achten Platz belegt, kommt Nyck de Vries auf dem #7 Schwesterauto in Sao Paulo zum Einsatz. Für den früheren Formel-E-Weltmeister springt in Berlin bei Mahindra der Brasilianer Felipe Drugovich ein. De Vries und seine Toyota-Teamkollegen Kamui Kobayashi sowie Mike Conway belegen in der WEC-Wertung den vierten Rang hinter den drei Ferrari.

Peugeot lässt zwei Stars für Berlin ziehen

Peugeot hat seinen Werksfahrern Jean-Eric Vergne und Stoffel Vandoorne unterdessen die Freigabe für Berlin gegeben. In Sao Paulo teilen sich demnach nur jeweils zwei Fahrer die beiden 9X8-Hypercars. In der Formel E haben weder Vergne (DS Penske, Gesamtplatz 6) noch Vandoorne (Maserati, Gesamtplatz 13) Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft - in der WEC mit Peugeot allerdings auch nicht. Weil auch die beiden Werks-Porsche und die zwei Aston Martin nur zwei Fahrer nominiert haben, starten in Brasilien sieben der 18 Hypercars mit Zwei-Fahrer-Crews.

Beim Cadillac-Werksteam Jota werden hingegen keine Kompromisse gemacht: Norman Nato verzichtet auf Berlin, wo er an der Seite von Titelfavorit Oliver Rowland für Nissan gefahren wäre, und kommt stattdessen in Sao Paulo zum Einsatz. Darüber freut sich Sergio Sette Camara, der anstelle des Franzosen sein Comeback in der Formel E feiert. Gewinnt Sette Camara eines der Formel-E-Rennen in der deutschen Hauptstadt, könnte er den gebeutelten Nato (nur 19 Punkte) in der WM-Tabelle sogar überholen.

Sao Paulo: Neue Fahrer und Farben bei BMW

In der LMGT3-Klasse begrüßt BMW mit Pedro Ebrahim ein neues Gesicht. Der Lokalmatador aus Brasilien gibt sein Debüt in der WEC an der Seite von Landsmann Augusto Farfus und Yasser Shahin. Ebrahim ersetzt Stammfahrer Timur Boguslavskiy, der sich wegen einer Krankheit abgemeldet haben soll. Bei zwei Brasilianern im Cockpit hat das BMW-Team WRT seinen #31 BMW M4 GT3 kurzerhand in den Nationalfarben des Landes umfoliert.

Auf dem #10 Aston Martin Vantage von Spirit of Leman gibt Anthony McIntosh sein WEC-Debüt. Und auf dem #78 Lexus RC-F GT3 von Akkodis erhält der Deutsche Finn Gehrsitz mit Yuichi Nakayama einen neuen Teamkollegen. Der Japaner, der schon in Spa für Akkodis fuhr, ersetzt den wegen einer IMSA-Überschneidung verhinderten Stammpiloten Ben Barnicoat.