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Formel E

Formel E: Strafe kostet Mercedes Chile-Podium und Gesamtführung

Mercedes knüpft in Santiago de Chile an seinen starken Formel-E-Einstieg an. Ein äußerst ärgerlicher Fehler erweist sich jedoch als kostspielig.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Formel-E-Neueinsteiger Mercedes war als Spitzenreiter der Team-Meisterschaft zum dritten Saisonrennen nach Santiago de Chile gereist. Beinahe hätten die Silberpfeile diese Position aufrechterhalten - doch ein äußerst ärgerlicher Fehler kostete neben der Tabellenführung auch noch einen Podestplatz.

In der Hitzeschlacht von Santiago überquerte Mercedes-Rookie Nyck de Vries die Ziellinie hinter Sieger Max Günther und Antonio Felix da Costa als Dritter. Freude über das Ergebnis kam allerdings nur bedingt auf, denn das Team wusste: Der 24-Jährige würde den Platz im Nachgang verlieren.

Zehn Minuten vor Rennende belegte die Rennleitung de Vries wegen eines technischen Vergehens mit einer 5-Sekunden-Zeitstrafe, die auf das Endergebnis addiert wurde. Dadurch fiel der amtierende Formel-2-Champion vom dritten auf den fünften Platz zurück.

Wie sich später herausstellte, hatte Mercedes bei de Vries' Auto gegen die im Reglement vorgegebene maximale Kühlungstemperatur der Batterie verstoßen. Heißt: Die Batterie-Einheit im Silberpfeil wurde stärker gekühlt als es die Bestimmungen der FIA und Einheitsbatterielieferant McLaren zulassen.

Formel E 2020, Chile: Highlights und Zusammenfassung zum Rennen: (06:18 Min.)

Dieses Vergehen ist umso ärgerlicher, als dass der Mercedes-Mannschaft dieser Fehler nicht nur einmal in Santiago passierte. Bereits vor dem aus sportlicher Sicht unbedeutenden Shakedown am Freitag verstieß das Team gegen diese Regel - hier beim Auto von de Vries' Teamkollege Stoffel Vandoorne.

Da es in der Shakedown-Session nicht um Zählbares geht, kam Mercedes mit einer Geldstrafe in Höhe von 1.500 Euro davon. Das zweite Vergehen im heißen Santiago-Rennen mit Temperaturen um die 30 Grad nur einen Tag später sollte sich als wesentlich kostspieliger erweisen...

"Wir haben ohne Zweifel einen Fehler bei der Kühlung von Nycks Batterie gemacht", räumte Mercedes-Teamchef Ian James anschließend ein. "Das hat seine vortreffliche fahrerische Leistung heute untergraben. Daran müssen wir in Zukunft arbeiten."

Dieser Fehler trübt den ansonsten überraschend starken Saisonauftakt des Formel-E-Neueinsteigers, der aus dem HWA-Team hervorgegangen ist. Nach drei von 14 Rennen führt Vandoorne die Fahrermeisterschaft mit 38 Punkten vor BMW-Pilot Alex Sims (35 Punkte) an. Der frühere Formel-1-Fahrer erzielte nach seinen beiden Podesterfolgen in Saudi-Arabien nun den sechsten Platz.

Den Grundstein legte Vandoorne bereits im Qualifying. Als bisheriger Tabellenführer musste der Belgier in der gefürchteten ersten Qualifying-Gruppe ran. Und obwohl es keinem der zwölf Piloten aus Gruppe 1 oder 2 gelang, in die Superpole-Runde einzuziehen, schaffte Vandoorne mit der neuntschnellsten Zeit aller Fahrer sowie der mit Abstand besten seiner Gruppe ein starkes Resultat. Er startete im Rennen eine Position hinter de Vries, der in der 2. Quali-Gruppe angetreten war.

Im anschließenden Rennen arbeitete sich das Silberpfeil-Duo kontinuierlich nach vorne und konnte den zahlreichen Zwischenfällen geschickt aus dem Weg gehen. "Das war ein hartes, sehr ereignisreiches Rennen für mich", sagte Vandoorne. "Mein Auto wurde von allen Seiten berührt und fuhr danach nicht mehr hundertprozentig gerade. Deshalb war es sehr schwierig, es bis ins Ziel zu tragen."

Formel E Teamwertung: Top-5 nach 3/14 Rennen

Position Team Punkte Fahrer
1 BMW 60 Günther/Sims
2 Mercedes 56 Vandoorne/De Vries
3 Virgin 38 Bird/Frijns
4 Audi 32 Abt/Di Grassi
5 Jaguar 31 Evans/Calado

Vandoorne fuhr zum dritten Mal in Folge in die Punkteränge, während de Vries nach P6 in Saudi-Arabien zum zweiten Mal die Top-10 erreichte. In der Teamwertung belegt Mercedes mit 56 Punkten den zweiten Rang hinter dem neuen Spitzenreiter BMW (60 Punkte). Der Abstand zum Drittplatzierten Virgin-Team mit 38 Zählern ist ein weiterer Beleg für die bislang konstante Leistung der beiden deutschen Werksteams.

Silberpfeil-Teamchef James' Fazit: "Ich freue mich über die Plätze fünf und sechs, die genau innerhalb unserer Zielsetzung liegen. Wir befinden uns als Team weiter auf dem richtigen Weg und ich bin froh, dass wir an das anschließen konnten, was wir in Riad begonnen haben. Zum Glück spiegelt sich das auch in der aktuellen Teamwertung wider." Am 15. Februar steht das vierte Saisonrennen in Mexiko-City auf dem Programm.


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